Bundesliga-Schiedsrichter Florian Meyer und Lutz Michael Fröhlich schulen Journalisten

„Eine Sache der Wahrnehmung“

Torsten Felkel (links) und Guido Eisenschmidt (rechts) sind nicht die neuen Assistenten im Gespann von Florian Meyer. Die beiden Unparteiischen aus der Altmark trafen den Bundesliga-Schiedsrichter auf einem Seminar in Hannover. Foto: Sensenschmidt

Hannover.

Seit 2007 treffen sich auf Einladung des Deutschen Fußballbundes (DFB) und des Verbandes der Sportjournalisten Deutschland (VDS) Bundesliga-Schiedsrichter und Journalisten regelmäßig zu Seminaren, bei dem die Unparteiischen den Berichterstattern der Medien die Komplexität ihrer Tätigkeit erläutern. Vergangene Woche stellten sich Lutz Michael Fröhlich und Florian Meyer bei der 15. Auflage in Hannover 66 Journalisten.

Für die Altmark-Zeitung war deren Freier Mitarbeiter Guido Eisenschmidt, begleitet durch Verbandsliga-Schiedsrichter Torsten Felkel, dabei. VDS-Präsident Erich Laser, selbst ein bekannter Fernsehmoderator, hob in seiner Begrüßung die wachsende Bedeutung dieser Veranstaltung hervor. „Damit wollen wir bei den Journalisten Fachkompetenz schaffen und das Verständnis für die Schiedsrichter verbessern.“

Lutz Michael Fröhlich, beim DFB für die Ausbildung der Unparteiischen zuständig, berichtete zunächst vom kürzlich auf Mallorca durchgeführten Trainingslager, bei dem die Erst- und Zweitliga-Schiedsrichter nicht nur Trainingseinheiten für die eigene Fitness absolvierten. Im umfangreichen theoretischen Teil wurden 200 Szenen der Hinrunde ausgewertet. Fröhlich sprach von einer „unauffälligen Hinrunde, bei der es ungewöhnlich viele knappe Situationen vor der Torlinie gab.“ Ärger gab es aber aufgrund von Positionsproblemen, die zumeist zu falschen Abseitsentscheidungen führten.

„Einige wenige Aktionen haben das Positive überlagert. Keiner ist fehlerfrei, aber ihr müsst die Fehler in eine bessere Relation zur Gesamtleistung setzen“, appellierte Florian Meyer an die anwesenden Journalisten. „Wir sind mit schnellen Situationen konfrontiert und müssen innerhalb weniger Sekunden und ohne Zeitlupe Entscheidungen treffen“, so Meyer. Keine Rolle darf bei diesen Entscheidungen die Spielminute oder der Spielort spielen.

Wie schwer der Job des Schiedsrichters ist, das stellten die Journalisten schnell selbst fest, denn an Hand der kniffligen Szenen, bei denen die Referees (u.a. Meyer) auch falsch lagen und die im Trainingslager ausgewertet wurden, mussten die Medienvertreter selbst Entscheidungen treffen und diese auf Nachfrage erläutern. Zweikämpfe und Torchancen wurden bewertet, Handspiele geahndet und Abseits-Entscheidungen getroffen.

Schnell stellten alle Anwesenden fest, dass Regelkenntnisse fehlen, die Totale beim Fernsehen nur wenige Rückschlüsse zulässt und erst die Zeitlupe, dabei oft erst ein oder zwei weitere unterschiedliche Kameraperspektiven, Klarheit schaffen. „Dieses Hilfsmittel haben wir nicht“, so Meyer, der bei seiner Entscheidungsfindung von seinen beiden Assistenten, dem 4. Offiziellen und international auch durch die Torrichter unterstützt wird. Dass auch der 4. Offizielle und die Torrichter über Headset ihre Sicht mitteilen können und müssen, somit zur Entscheidungsfindung beitragen, war vielen Journalisten nicht bekannt. „Letztlich muss ich die Entscheidung treffen, doch oft haben die Kollegen eine bessere Sicht und helfen mir“, berichtet der DFB-Schiedsrichter der Saison 2008/09. So übernimmt der 4. Offizielle bei Freistößen in Strafraumnähe die Kontrolle der Abwehrmauer und achtet auf eventuelle Handspiele. „Diese Arbeitsteilung ist so abgesprochen, ich kann dann auf andere Geschehnisse im Strafraum achten“, erläutert der 45-jährige Bundesliga-Referee.

Dass dabei körperliche Fitness und geistige Frische in diesem Leistungsbereich eine große Rolle spielen, wurde jedem Seminar-Teilnehmer klar. Die Zeiten, als Bundesliga-Schiedsrichter vor dem Spiel noch ein Bier trinken konnten, sind längst Geschichte. Eine gründliche Vorbereitung auf das Spiel gehört ebenso dazu, wie die Anreise einen Tag vorher. Die Unparteiischen der höchsten Spielklasse Deutschlands sind Profis in ihrem Geschäft, auch wenn sie noch anderen Tätigkeiten nachgehen. Die Besten von ihnen pfeifen international, so wie Lutz Michael Fröhlich in seiner aktiven Zeit und Florian Meyer bis zum Vorjahr, ehe er altersbedingt seine internationale Schiri-Karriere beenden musste.

„Der Schiedsrichter hat einen schweren Job, wir müssen ihnen mehr Respekt entgegen bringen“, forderte Laser abschließend seine Kollegen auf und schloss mit den vielsagenden Worten „alles eine Sache der Wahrnehmung.“

Torsten Felkel und Guido Eisenschmidt, der Spiele bis zur Kreisoberliga pfeift, zeigten sich vom Seminar begeistert. „Das war äußerst interessant und lehrreich“, so beide gleichlautend. Die beiden Schiedsrichter erwarten einen ordentlichen Umgang mit allen Unparteiischen der Region auch auf den altmärkischen Sportplätzen. Wichtig ist der gegenseitige Respekt und ein vernünftiger Austausch zwischen Schiedsrichtern, Verantwortlichen in den Vereinen, den Spielern und Zuschauern.

Von Renee Sensenschmidt

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