AZ-SERIE Frank Ziekau erlebt als Handball-Coach Höhen und Tiefen

Eine Institution beim HV Lok

Trainer mit Leib und Seele: Frank Ziekau lebt für den Handballsport. Mehr als 30 Jahre hat er selbst aktiv gespielt, bevor er vor sieben Jahren das Traineramt beim HV Lok Stendal übernahm. Foto: Lindenau

Stendal – Das Leben eines Trainers ist selten ein beständiges. Er ist meist der Erste, der gehen muss, wenn es nicht rund läuft. Doch es gibt Coaches, die über viele Jahre einem Verein treu geblieben sind. Thomas Schaaf (Werder Bremen) etwa.

Mit 14 Jahren und fünf Tagen hat er die längste Amtszeit eines Bundesliga-Trainers vorzuweisen. Volker Finke war ähnlich lange beim SC Freiburg, gefolgt von Bremens Otto Rehhagel. Doch auch in der Altmark gibt es sie, die Trainer-Dinos. In unserer gleichnamigen Serie stellen wir sie vor.

Nicht nur im Fußball gibt es Übungsleiter, die ihren Vereinen über Jahre die Treue halten. Auch im Handball. Frank Ziekau ist seit seinem 15. Lebensjahr beim HV Lok Stendal. 31 Jahre lang war er aktiver Spieler. 2014 hat er das Traineramt bei den Männern übernommen. Seinerzeit noch an der Seite von Jörg Mahlich. Der Bundesliga-Schiedsrichter hatte es zeitlich nicht mehr geschafft, beide Ämter unter einen Hut zu bekommen. Für Frank Ziekau bedeutete dies den Beginn seiner Trainerlaufbahn.

Und diese startete direkt erfolgreich. Nur ein Jahr nach seinem Einstieg gelang dem HV Lok der lang ersehnte Aufstieg in die Verbandsliga. „Wir waren immer Zweiter, irgendwann musste es ja mal klappen“, blickt der 56-Jährige zurück. Handball ist für ihn nicht nur ein schöner Ausgleich zum Alltag. Er mag den Teamsport, das Jagen nach dem Ball. Selbst war er auf Linksaußen aktiv, später am Kreis. Heute stellt er seine Schützlinge immer bestmöglich auf die Begegnungen in der Verbandsliga ein. Seit dem Aufstieg konnten die Stendaler die Klasse stets halten. Auch wenn es ein Jahr später verdammt eng war.

„Da gab es einen Fauxpas vom HVSA.“ Eine Mannschaft hatte sich bereits zurückgezogen, sodass es nur einen Absteiger gab. Im alles entscheidenden Spiel beim Schlusslicht Ilsenburg durfte der HV Lok höchstens mit zwölf Toren verlieren. „Wir haben mit acht Toren verloren und das gefeiert wie eine Weltmeisterschaft“, erinnert sich Frank Ziekau noch genau. Im Glauben, die Klasse gehalten zu haben, fuhr das Team gemeinsam zur Abschlussfahrt an die Ostsee. Und musste für ein Relegationsspiel heimkehren. Gegen Langenbogen gab es zwei klare Siege. Dann stand der Klassenerhalt endgültig fest. „In Ilsenburg bin ich schon ein Jahr älter geworden und dann kam das noch dazu“, wuchsen Ziekau ein paar graue Haare. Doch die schönen Momente des Trainerdaseins überwiegen. „Ich war ja nie allein“, ist er froh, mit Jörg Schulze einen Kollegen an der Seite zu haben. Das Team ist für den 56-Jährigen nicht nur auf der Platte, sondern auch an der Seitenlinie wichtig. Das erleichtert vieles, lasse auch bittere Niederlagen besser verkraften. So manche Pleiten ärgern den Stendaler immer noch. Etwa gegen den TuS Magdeburg, gegen den der HV Lok fast immer als Verlierer vom Parkett geht. Oder auch jede gegen Traktor Klötze vor vielen Jahren. „Das musste nicht sein.“

Dennoch denkt Frank Ziekau auch in schwierigen Corona-Zeiten nicht ans Aufgeben. Er lebt für den Sport. „Handballer sind Verrückte“, sagt er schmunzelnd. Die Ungewissheit, wann endlich wieder Handball gespielt werden kann, nagt aber an dem 56-Jährigen. Mit Jörg Schulze steht er zwar im regen Austausch, seine Spieler sieht er indes nicht. Ihnen hat er mit auf den Weg gegeben, sich fit zu halten. „Ich denke mal, bis Ostern wird nichts passieren“, hofft er im Frühjahr auf eine Fortsetzung der Verbandsliga-Saison.

VON SABINE LINDENAU

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