1. az-online.de
  2. Sport
  3. Altmark-Sport

Hans-Dieter Prehm führte 29 Jahre den RV Kemnitz

Erstellt:

Von: Renee Sensenschmidt

Kommentare

Mann mit Pferd
Jeden Abend macht Hans-Dieter Prehm eine Runde durch den Pferdestall und schaut nach dem Befinden von Fuchsstute „Abba“ und den anderen Vierbeinern. © Sensenschmidt

Kemnitz – Anfang Dezember wählte der Reitverein Kemnitz einen neuen Vorstand. Hans-Dieter Prehm, der seit der Gründung im Oktober 1992 den Verein als Vorsitzender geleitet hat, trat nicht mehr zur Wahl an und übergab den Staffelstab an seinen Sohn Ulrich. Die Arbeit ihres scheidenden Vorsitzenden würdigten die Mitglieder u.a. mit der Ernennung zum Ehrenmitglied.

Auf dem elterlichen Hof in Riebau wuchs der 1945 geborene Hans-Dieter mit Pferden, die zur damaligen Zeit in der Landwirtschaft unverzichtbar waren, auf. Bereits als Fünfjähriger saß er hoch zu Ross auf seiner Warmblutstute „Rosi“. Nach dem Besuch der Grundschule in Riebau und der weiteren Schulzeit in Salzwedel, wurde Hans-Dieter Prehm in Lichterfelde bei Seehausen zum Facharbeiter für Landwirtschaft mit Abitur ausgebildet. Zu den Aufgaben der Lehrlinge gehörte es auch, dass Vieh auf die Weide und zurückzutreiben. „Dafür ritten wir auf Pferden“, erinnert sich der Altmärker an seine Zeit als „Cowboy“.

In Lichterfelde lernte Hans-Dieter Prehm auch seine Frau Anke kennen, die im Dezember 1965 heiraten. Das Paar bekam zwei Söhne, Eilert und Ulrich, und fand seinen Lebensmittelpunkt in Salzwedel. Während Anke Lehrerin wurde, fand Hans-Dieter als Diplom-Ingenieur seine berufliche Laufbahn im Melorationsbau.

Das Interesse für Pferde blieb, bei Hans Hellwig in Königsstedt lernte Hans-Dieter Prehm reiten. „Ich wollte jedoch nie Turnierreiter werden. Fuchsjagden, Kutschfahrten und Ausritte reichten mir“, blickt der 76-Jährige zurück. Stattdessen widmete er sich der Ausbildung junger Pferde. Ein Hobby, was durch den Weiterverkauf zu einem Nebenerwerb wurde. „Er hat mich immer wieder mit neuen Pferden überrascht“, erinnert sich Ehrefrau Anke, die den Vierbeinern stets mit Respekt begegnete.

Und wer in Salzwedel mit Pferden zutun hatte, der landete auch irgendwann bei der BSG Traktor im Reitstadion. Peter Lyga wurde sein Freund, auch wenn beide nicht immer einer Meinung waren. Als Turnierleiter machte sich Hans-Dieter Prehm einen Namen. Das Weihnachts-Hallenturnier war legendär, Karten für diese zu Zeiten der DDR stets ausverkauften Veranstaltung waren nur schwer zu bekommen. „Alles, was Rang und Namen in der DDR hatte, war in Salzwedel am Start“, erinnert sich der Turnierleiter und freut sich darüber, dass einige dieser Starter/innen später auch den Weg zu den Turnieren des RV Kemnitz gefunden haben.

Die beiden Orte Ziethnitz und Kemnitz vor den Toren Salzwedels, die die DDR-Oberen zur Ortschaft „Steinitz“ machten, worüber sich Anke Prehm noch heute aufregen kann, („Steinitz gibt es gar nicht“), wurden ab 1992 zur neuen Heimat der Familie Prehm. Hans-Dieter Prehm machte sich dort mit einer Baufirma selbstständig, dass ehemalige LPG-Gebäude wurde zu einem schicken Wohnhaus umgebaut. Dahinter entstand ein Garten mit Teich, den Anke Prehm hegt und pflegt. Und natürlich gab es auf dem Hof auch eine große Scheune, wo ihr Ehemann viele Stallungen baute, um seine Pferde unterbringen zu können. „Wir sind im Dorf sofort gut aufgenommen worden und sind froh, dass wir hier leben können“, ist das Ehepaar stolz auf das Erreichte.

Die Leidenschaft für Pferde teilt auch Sohn Ulrich, der Springreiter wurde. Bei einem Vereinsausflug des RV Kemnitz lernte er dann Kathrin Weißgerber kennen und lieben. Beide heirateten, Tochter Merle kam zur Welt. „Das Ulrich diese tolle Frau gefunden hat. Sie ist so gut für unsere Familie. Und Merle ist mein Ein und Alles“, schwärmt Hans-Dieter Prehm für Schwiegertochter und Enkelkind, die sich beide der mit Erfolg der Dressur verschrieben haben.

Der RV Kemnitz hat seit 1992 eine Erfolgsgeschichte geschrieben. Gemeinsam mit Eckhard Kämpfer und weiteren Mitstreitern/innen gründete Hans-Dieter Prehm diesen Verein, deren Mitglieder die Anlagen des Prehmschen Reiterhofes „Eichengrund“ nutzen konnten. In einer alten Lagerhalle, in der heute der Schützenverein sein Domizil hat, konnte auch im Winter geritten werden. Die Gemeinde um den damaligen Bürgermeister Ernst-Otto Schuhl unterstützte den Verein, der zur einer der wichtigsten Turnieradressen in der Region wurde. 1995 fand das erste Turnier mit 220 Pferden statt, seit dem Bau der Reithalle (2006) veranstaltet der Verein auch Hallenturniere. Aber es sind die inzwischen 27 Freilandturniere, zumeist über drei Tage, die den Verein bekannt und groß gemacht haben. Der Abschluss der „Grünen Saison“ findet in Kemnitz statt und das stets mit vielen Zuschauern. „Bei der Vorbereitung mit den Arbeitseinsätzen und Durchführung der Turniere konnte ich mich immer auf unsere Mitglieder verlassen. Wir sind eine Familie. Bei uns bringen sich auch Leute ein, die mit Pferden und Reiten nichts zu tun haben“, dankt Hans-Dieter Prehm seinen Mitstreitern, die auch 2021 dafür gesorgt haben, dass das Freilandturnier trotz Corona stattfinden konnte.

Die Kemnitzer wollen ihren erreichten Standard auch in Zukunft halten. „Die Anlagen müssen gepflegt und erhalten werden. Das ist eine große Aufgabe“, so Hans-Dieter Prehm, der davon überzeugt ist, dass der Vorstand dies meistern wird. Das Ehrenmitglied wird die Arbeit des Vorstandes unterstützen und sich um das Sponsoring kümmern. Zahlreiche Sponsoren haben den Verein immer unterstützt, was keine Selbstverständlichkeit ist.

Es ist die Liebe zu den Pferden, die den rüstigen Rentner weiter antreibt. „Die Pferde prägen von der Kindheit an mein Leben.“ Und so lässt es sich Hans-Dieter Prehm nicht nehmen, jeden Abend persönlich nach den Pferden sehen, um dann die Stalltür selbst zu verschließen.

Auch interessant

Kommentare