Ralf Troeger, Sport-Vorstand des 1. FC Lok Stendal, im exklusiven AZ-Interview vor dem Rückrundenstart (Teil 1)

„Durchsetzen muss sich jeder selbst“

Stendal. Vor Fußball-Oberligist 1. FC Lok Stendal liegt das vielleicht wichtigste halbe Jahr der jüngeren Vereinsgeschichte. In der Liga steht nach einer kleinen Talfahrt am Ende der Hinserie der Klassenerhalt auf dem Spiel.

Im Pokal fehlt möglicherweise nur noch ein Sieg zum ganz großen Traum vom DFB-Pokal-Einzug. Sport-Vorstand Ralf Troeger gibt in einem zweiteiligen Interview mit der Altmark Zeitung einen Einblick in die Planungen des Vereins und erklärt, warum die Nachwuchsarbeit trotz einiger externer Neuzugänge auch weiterhin oberste Priorität genießt.

AZ-Interview

Herr Troeger, nach einer eher durchwachsenen Vorbereitung hat Ihre Mannschaft die Winterpause mit einem 2:2-Unentschieden gegen Optik Rathenow doch noch recht versöhnlich abgeschlossen. Wie schätzen Sie den Leistungsstand des Teams aktuell ein?

Ralf Troeger.

Wir konnten uns in der Vergangenheit immer darauf verlassen, dass die Mannschaft wusste, wann es ernst wird. Ich habe auch jetzt den Eindruck, dass die Mannschaft sehr fokussiert ist und keinerlei Zweifel daran, dass die Jungs letztlich auf den Punkt fit und sehr gut eingestellt sein werden.

Vor der Winterpause blieb Lok in sechs Spielen sieglos. Auch in der Vorbereitung gelang nur ein Erfolg. Haben Sie das Gefühl, dass im Umfeld oder in der Mannschaft langsam Unruhe aufkommt oder sogar Angst, die gute Ausgangslage zu verspielen?

Also Unruhe oder Angst wären schlimm, weil die Jungs dann nicht frei sind. Den Eindruck habe ich aber auch nicht. Ich sehe die Vorbereitung nicht so negativ. Wir haben gegen zwei Spitzenmannschaften der Oberliga Nord vier Punkte und 10:5-Tore erzielt. Optik Rathenow – der Spitzenreiter – war einer Niederlage nahe. Gegen den Regionalligisten aus Luckenwalde wäre durchaus ein Remis verdient gewesen. Die zwei Gegentore zum Schluss der Partie waren Folge zahlreicher – Vorbereitungsspiel-typischer – Wechsel. Gegen Arneburg waren die Jungs einfach platt. Die Niederlage gegen die U19 des 1. FC Magdeburg war sicherlich nicht in Ordnung und der Auftritt in den ersten 45 Minuten ist zu Recht kritisiert worden. In den Pflichtspielen wird die Mannschaft aber eine andere Mentalität an den Tag legen. Wichtig ist für mich vor allem, dass die Vorbereitung ohne weitere Verletzungen über die Bühne gegangen ist.

Mit Blick auf den Start der Rückrunde: Was sind die letzten Prozentpunkte, die sich die Mannschaft jetzt noch erarbeiten muss, um das volle Leistungspotenzial auf den Platz zu bringen?

Wenn es darum geht, einen Abstieg zu verhindern, „über dem Strich zu bleiben“, ist es immer erst mal wichtig, dass die Defensive greift. Wenn man Negatives in der Vorbereitung sucht, findet man zu viele Gegentore. Aber da werden die Trainer und die Mannschaft angesetzt haben. Das wird der Grundstein sein. Nach vorn haben wir im Umschaltspiel ohnehin unsere Stärken.

Im Winter konnte der Kader mit drei Neuzugängen ergänzt werden. Wie weit sehen Sie deren Integration vorangeschritten? Sind sie schon die erhofften Verstärkungen?

Lukas Kycek im Tor bringt viel Talent mit, das sieht man in jedem Training. Allerdings mangelt es ihm noch an Spielpraxis; das wurde auch in den Testspielen immer mal wieder deutlich. Wir sind aber zuversichtlich, dass Lukas uns jederzeit helfen kann. Mit Petro Alergush haben wir ebenfalls einen jungen, hoffnungsvollen Kicker zu uns geholt. Probleme macht hier noch die Verständigung: Petro spricht weder Deutsch noch Englisch. Er hat aber vor allem mit seiner Mentalität überzeugt. Ich denke, dass er schon in der Rückrunde sehr wichtig wird. Andreas Balaskas hat insbesondere gegen Luckenwalde gezeigt, dass er eine Verstärkung sein kann. Im Spiel gegen Optik schien er ein wenig verunsichert. Aber auch für ihn gilt, dass er weitere Spielpraxis benötigt. In allen drei Fällen haben wir nicht kurzfristig gedacht. Die Jungs werden sich bei uns weiter gut einleben.

Im letzten Interview mit der AZ haben Sie gesagt, dass der Weg des 1. FC Lok Stendal auch in der Oberliga der des eigenen Nachwuchses bleibt. Dennoch haben Sie in dieser Saison vier externe Spieler verpflichtet. Ist der Sprung für die eigene Jugend doch noch zu groß?

In der laufenden Spielzeit sind mit Maurice Pascale Schmidt, Pascal Lemke und Hardy Wolff drei A-Junioren in der Oberliga eingesetzt worden. Was den eigenen Nachwuchs angeht, halten wir Kurs. Im Übrigen ist es so, dass man immer auch positionsbezogen schauen muss. Mit Christos Ieridis haben wir einen Linksfuß gefunden, den unsere eigene Ausbildung nicht hergegeben hat. Im Tor haben wir es immer wieder mit eigenem Nachwuchs probiert, aber die Spieler haben den Kampf nicht angenommen, sich vielmehr unterklassigen Vereinen angeschlossen. Nachdem Dennis Röhl, ein Spieler aus der Region, im Winter nach Salzwedel zurückwollte, waren wir zum Handeln gezwungen und sind deshalb den Schritt mit Lukas gegangen. Andreas Balaskas sieht sich als Spieler in der Sturmspitze. Damit steht er in unserem Team so ziemlich allein. Die Kaderplanung wird, wie in der Vergangenheit, weiter Lücken für unseren Nachwuchs aufweisen. Durchsetzen muss sich dann aber jeder selbst.

Dennoch ist der Sprung von der Jugend in die Oberliga ein sehr großer. Muss es daher kurzfristig das Ziel sein, die zweite Mannschaft möglichst schnell auf Landesebene zu etablieren?

Auf jeden Fall! Deshalb haben wir mit Robert Riep schon sehr früh die Trainerfrage für die kommende Saison beantwortet. Wir wollten zeitig die Weichen für eine Mannschaft stellen, die in der Saison 2018/2019 um den Aufstieg in die Landesklasse spielen kann.

Beginnt Robert Riep wirklich erst im Sommer, obwohl er ja bei Weiß-Blau Stendal zurückgetreten ist und eigentlich frei wäre?

Aufgrund der neuen Situation habe ich ihn gebeten, die Mannschaft früher zu übernehmen. Ich gehe davon aus, dass wir dort in Kürze Weiteres vermelden können.

Die Nachwuchsarbeit ist das Herzstück des 1. FC Lok. Jetzt haben Sie aber mit dem A-Jugendtrainer Steffen Säger und Jugendleiter Guido Klautzsch im Herbst zwei schmerzhafte Rücktritte hinnehmen müssen. Wie ist Lok auf diesen beiden Schlüsselpositionen der Jugendarbeit aktuell aufgestellt?

In der A-Jugend haben wir mit Simon Balliet einen guten Trainer gefunden. Sein junges Alter spielt für mich keine Rolle, weil sich Simon sehr ernsthaft und intensiv mit der Trainerrolle befasst und weiterkommen will. Außerdem konnten wir Simon mit Oliver Nagel einen erfahrenen Fußballer aus der Region zur Seite stellen. Auch Oliver Nagel ist ein junger Trainer mit viel Potenzial. Deshalb denke ich, dass wir im A-Jugendbereich gut aufgestellt sind. Für die Position des Jugendleiters streben wir eine interne Lösung an. Auch hier gehe ich davon aus, bald Neues berichten zu können.

Sportlich läuft es in der A-Jugend sehr gut. Die Mannschaft ist Zweiter, auf Tuchfühlung zur Spitze. Wäre der Aufstieg in die Regionalliga ein realistisches Ziel oder organisatorisch nur schwer zu stemmen?

Entscheidend ist für uns die Frage, wie wir die Jungs am besten fördern. Durch die Rückführung der Verbandsliga in die Eingleisigkeit wird die Qualität der höchsten A-Jugendspielklasse im Land ab der Saison 2018/2019 wieder eine bessere sein. Gleichzeitig sehe ich in der Regionalliga eine Stärke, die uns sportlich überfordern könnte. Ich persönlich glaube nicht, dass aktuell eine Regionalligateilnahme Sinn machte. Eine andere Frage ist aber, wie sich der Vorstand verhielte, wenn Trainer, Spieler und Eltern im Falle der Fälle dafür einträten.

Vereine wie der 1. FC Magdeburg oder auch der VfL Wolfsburg strecken immer wieder ihre Fühler nach Stendaler Jugendspielern aus. Hält der 1. FC Lok denn den Kontakt zu den abgewanderten Talenten, um eventuell später Rückholaktionen zu starten?

Natürlich verfolgen wir auch den Weg ehemaliger Akteure. Mit Moritz Instenberg und Marcel Werner sind in jüngerer Vergangenheit zum Beispiel zwei Spieler zurückgeholt worden, die in den Nachwuchszentren Magdeburg bzw. Halle ausgebildet worden sind. Wenn der Punkt gekommen ist, an dem sich ein ehemaliger Spieler mit Lok und der Region wieder identifizieren könnte, dann wollen wir natürlich da sein.

Von Tobias Haack und Michael Theuerkauf

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Rubriklistenbild: © Theuerkauf

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