FUSSBALL – OBERLIGA Lok Stendal trainiert dosiert in Kleingruppen

Dribblings für die Moral

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Ewig keinen Slalomparcours absolviert: Niclas Buschke (rechts am Ball) und Tim Kolzenburg (links) war am Dienstag die Freude über das Training beim Fußball-Oberligisten 1. FC Lok Stendal definitiv anzusehen.

Stendal – In Zeiten der Corona-Pandemie ist das Vogelgezwitscher am „Hölzchen“ nichts Ungewöhnliches. Dass nach langer Pause Slalomstangen in den Rasen gebohrt werden oder akkurate Diagonalbälle über den Fußballplatz fliegen, dagegen schon.

Die Spieler des 1. FC Lok Stendal hielten am Dienstagabend vorbildlich den Abstand und haben ihren Humor während der fußballfreien Zeit keineswegs verloren.

Leerem Platz wird Leben eingehaucht

„Wir machen das Training für die Moral und das sich die Jungs mal wiedersehen“, sagt Torwarttrainer Manuel Mauritz, währenddessen er die letzte Slalomstange aus dem makellosen Grün zieht. Gleichzeitig werden die Spielgeräte in die Balltasche geräumt. Damit ist die lockere Einheit auch beendet. Beim Beobachten wurde ganz klar deutlich, dass den Lok-Akteuren der Ball am Fuß gefehlt hat. Verlernt haben die Techniker um Niclas Buschke, Tim Kolzenburg und Co. allerdings nichts.

Buschke nach Rückkehr gut drauf

Das wochenlange Training mit individuellen Plänen und vor allem die Abstinenz der Mannschaftskollegen haben teilweise ihre Spuren hinterlassen. Ebenso lag das interne Vereinsleben von Angesicht zu Angesicht auf Eis. Lediglich die digitale Kommunikation wurde aufrechterhalten. Die Frage, ob man das Heimtraining mittlerweile satthabe, beantwortet Mittelfeldspieler Steven Schubert auf dem Weg zur Trinkflasche nur mit einem Lächeln und einem Schulterzucken. Gelacht wird während der Trainingseinheit unter optimalen Wetterbedingungen ohnehin durchgehend.

In zwei kleinen Trainingsgruppen läuft der Ball gut, das Tempo ist hoch. Beim Zwei-gegen-Drei wird sich traditionell geneckt, wer nach dem Ballverlust von Außen in die Mitte wechseln muss. Es scheint alles wie sonst auch. Und besonders Spaßmacher Buschke ist anzumerken, dass die Zusammenkunft mit den Mitspielern zuletzt zu kurz kam. „Das war dein bestes Dribbling bisher“, ruft der Flügelspieler, der sich nach seiner Verletzung sichtbar gut erholt hat, Max Salge zu. Dieser lässt sich nicht zwei Mal bitten und schreit ihm lachend entgegen: „Ich habe mich auch angestrengt!“

Die Eisenbahner nehmen sich gegenseitig auf die Schippe und witzeln über Kunststücke, die im Garten oder in der eigenen Wohnung einstudiert wurden. Humorvolle Floskeln wie „Das habe ich geübt“ und „Du warst nie weg“ sind keine Seltenheit. Kurzum: Es herrscht erfrischende Normalität am zuletzt stillen „Hölzchen“.

Nichts Neues bei der Kaderplanung

Normal ist auch, dass ein Oberligist in der Phase des ruhenden Spielbetriebs planen muss. Beim 1. FC Lok Stendal laufen zum 30. Juni mehrere Verträge aus (AZ berichtete). Dies betrifft interessanterweise sechs Spieler, die am Dienstag nicht beim Training mitgewirkt haben. Aber auch Trainer Jörn Schulz. Dessen Vertragsunterschrift ist nach den jüngsten Angaben des Vereins nur noch Formsache. Jedoch befand sich Schulz am Dienstag in einer Vorstandssitzung – statt auf dem Trainingsplatz. Wenig überraschend, da es bezüglich der Lok-Zukunft vieles zu besprechen gibt.

VON PATRICK NOWAK

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