Handball-Bundesliga: SC Magdeburg schlägt die MT Melsungen in letzter Sekunde mit 27:26

Dramatik und grenzenloser Jubel

Magdeburg. Das war kein Spiel für schwache Nerven, mit einer Schlussphase, die an Dramatik kaum zu überbieten war. In letzter Sekunde gelang dem SC Magdeburg am späten Mittwochabend ein 27:26-Erfolg gegen die MT Melsungen. 

Vor 6.499 Zuschauern in der GETEC-Arena bewies die Wiegert-Sieben Moral und unbedingten Siegeswillen.

„Wir haben Herz gezeigt und nicht aufgegeben.“ Bennet Wiegert war sichtlich erleichtert. Direkt nach Abpfiff rannte der SCM-Trainer auf die Platte und bejubelte mit seinen Schützlingen einen Sieg, der sich über weite Strecken der Begegnung nicht abgezeichnet hatte.

Schnell gerieten die Grün-Roten gegen die MT Melsungen in Rückstand. Nach acht Minuten stand es bereits 2:5. Die Fans ahnten schon, dass die Achterbahnfahrt, auf der sich die Mannschaft seit Saisonbeginn befindet, in die nächste Runde gehen würde. Nach neun Minuten lag der SCM mit 8:12 hinten. Es dauerte bis zur 27. Minute, ehe der SCM erstmals ausgleichen konnte (13:13). Kurz vor dem Pausenpfiff konnten die Gäste dank eines Siebenmeters mit einer 15:14-Führung in die Kabine gehen. Etliche Fehlwürfe, dazu technische Fehler und eine schlecht positionierte Abwehr waren die Gründe für den Rückstand der Magdeburger. Die Melsunger nutzten ihre Chancen hingegen konsequent.

Das änderte sich auch zu Beginn der zweiten Hälfte kaum. Erst in der 39. Minute konnte der SCM zum 18:18 ausgleichen, zwei Minuten später sogar erstmals in Führung gehen. Die Abwehr stand nun kompakter. Kapitän Fabian van Olphen, den Trainer Wiegert schon zur Mitte der ersten Hälfte für den schwachen Finn Lemke brachte, sorgte für mehr Sicherheit in der Defensive. Im Angriff blieben weiterhin viele Chancen ungenutzt, so dass die Melsunger erneut davonziehen konnten. Acht Minuten vor Schluss stand es 21:24. Es wurde hektisch auf der Platte, ruhig auf den Tribünen. Marko Bezjak, der attackiert wurde, schmerzerfüllt zu Boden ging und vermutlich einen Rippenbruch erlitten hat, sah die Rote Karte und dann auch noch die Blaue, weil er sich im Affekt zu einem Gegenfoul hinreißen ließ. Der SCM musste zwei Zeitstrafen zeitgleich verkraften. Auch Melsungens Philipp Müller durfte sich zwei Minuten abkühlen.

Auf den Rängen wurde es nun wieder laut. Der Hexenkessel kochte und trieb den Club nach vorn. In Unterzahl kam er wieder heran. Robert Weber besorgte in der 57. Minute den 25:25-Ausgleich. Doch Melsungen ging erneut in Führung, ehe Nemanja Zelenovic zum 26:26 traf. Noch gut eine Minute war zu spielen, die Gäste im Angriff. Den wehrte der SCM ab, Wiegert zückte die Auszeit-Karte und schwor seine Jungs noch einmal ein. Beherzt nahm sich Zelenovic den Ball, spielte auf Michael Damgaard, der auf Zeljko Musa. Noch drei Sekunden. Und: Tor! Der Kroate ließ die GETEC-Arena in grenzenlosen Jubel ausbrechen. Die Achterbahnfahrt endete an diesem Abend mit einem vorzeitigen Weihnachtsgeschenk für den SCM, der nun auf Platz sechs der Tabelle steht.

„Wir nehmen die zwei Punkte gern mit. Wir haben heute über bestimmte Teile des Spiels nicht gut gespielt. Wir haben uns das Leben im Angriff schwer gemacht. Unser vermeintliches Prunkstück, unsere Abwehr, war unser größeres Problem heute. Trotzdem muss ich meiner Mannschaft am Schluss ein Riesenkompliment machen, was Moral, Kampf und Willen betrifft. Ich sehe den Sieg am Ende nicht als unverdient an“, meinte Trainer Wiegert nach der dramatischen Begegnung.

• SC Magdeburg: Green, Quenstedt – Musche (2 Tore), Pettersson, Weber (4), van Olphen (1), Damgaard (3), Lemke (1), Bezjak (2), Christiansen (2), Zelenovic (3), Musa (4), Bagersted, O’Sullivan (2), Grafenhorst (3).

Von Sabine Lindenau

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