Zwei Urgesteine treten ab

Fußball: Diesdorfer SV künftig ohne Jörg Kleiner und Thomas Griese

Mehrere Fußballer bei einer Verabschiedung
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Gebührende Verabschiedung beim Diesdorfer SV: Die Urgesteine Thomas Griese (Dritter v. l.) und Jörg Kleiner (Zweiter v. r.) erhielten mehrere Präsente wie ein unterschriebenes Trikot.
  • Florian Schulz
    VonFlorian Schulz
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Diesdorf – Sie haben einst durch Zufall zueinandergefunden und wirkten fortan 20 Jahre lang fast unzertrennlich. Kein Wunder, dass sich Jörg Kleiner und Thomas Griese auch noch gemeinsam aus der ersten Fußball-Herrenmannschaft des Diesdorfer SV verabschiedeten. Ob es aber auch wirklich ein Abgang für immer ist? Ein Hintertürchen ließ sich das Duo zumindest offen, bleibt seinem Herzensverein weiterhin erhalten.

Es war im Jahr 2001, als Thomas Griese noch in der A-Jugend des SV Schwarz-Weiß Dähre spielte. Sein Talent war unbestritten. Herumgesprochen hatte es sich aber scheinbar noch nicht. Doch als die Schwarz-Weißen mit dem Wallstawer im Gepäck an einem Freundschaftsturnier in Diesdorf teilnahmen, traten Kleiner und Griese erstmals in Kontakt. „Ich habe ihn spielen sehen und dachte mir sofort, dass Thomas bei uns spielen muss“, erinnert sich Kleiner, der beim besagten Wettkampf als Schiedsrichter einsprang, zurück. „Thomas ist immer verlässlich, ehrlich und ein Vorbild für die Jugend. Er hat eine tolle Einstellung und immer alles gegeben“, fügt er an. Auch Griese hat den besagten Tag noch nicht verdrängt: „Mir wurde nach dem Turnier ein Trikot von der zweiten Diesdorfer Herrenmannschaft in die Hand gedrückt. Daraufhin habe ich zu meinem damaligen Dährer Trainer Jörn Brüder gesagt, dass ich zum DSV wechsle.“ Er fand direkt einen engen Draht zu seinem damaligen Coach: „Jörg und ich waren längst nicht immer einer Meinung, aber es war insgesamt eine schöne Zeit.“

1998 schon am Ruder

Wann Jörg Kleiner das Traineramt bei der ersten Diesdorfer Männervertretung übernahm? Er weiß es selbst nicht mehr genau. Zunächst war er der Meinung, es müsste um die 2000er-Wende gewesen sein. Doch dann tauchte ein Pokalsiegerfoto aus dem Jahr 1998 nach einem Finalerfolg in Jübar gegen den SSV 80 Gardelegen auf, das den heute 66-Jährigen bereits als Übungsleiter des Teams zeigt. Wie auch immer: Die Erinnerungen an viele große Erfolge wie den Kreispokal- und Supercuperfolg 2001, jeweils gegen den SV Rot-Blau Sanne, oder auch zwei Landesklasse-Aufstiege (2013 und 2015) bleiben natürlich in besonderer Erinnerung. „Die Höhen überwiegen aus dieser Zeit“, verdeutlicht der Abbendorfer. Er sah mehrere Generationen kommen und gehen. „Besonders der Jahrgang mit Frank Jordan war damals sehr stark. Viele Spieler sind bis zum Studium oder zur Ausbildung hiergeblieben und dann gegangen. Aber es sind auch immer wieder neue, junge Akteure nachgerückt. Früher war der Zusammenhalt sicherlich ein anderer, heute muss man die Spieler mehr abholen“, erklärt Kleiner. Seine schönste Saison: 2014/2015, als die Grün-Weißen in der Kreisoberliga nur eine Niederlage – und das am letzten Spieltag in Langenapel (0:2) – kassierten und Kreismeister wurden. „Nach dem ersten Landesklasse-Abstieg wurde damals fast alles infrage gestellt, und nach einer Systemumstellung lief es auf einmal richtig“, erinnert sich der 66-Jährige gern an diese erfolgreiche Zeit zurück.

Im November 2020 war für Jörg Kleiner allerdings klar, dass er die Verantwortung auf der Kommandobrücke weitergeben möchte. Zu diesem Zeitpunkt war die Saison coronabedingt bereits abgebrochen worden, der DSV befand sich in Abstiegsnöten und ebenso in personellen Schwierigkeiten. Was letztendlich genau den Ausschlag gab, möchte Kleiner nicht verraten. Fakt ist aber, dass er sein Amt nach weit über 20 Jahren zur Verfügung stellte: „Und ich stehe nach wie vor hinter dieser Entscheidung.“ Stephan Bock übernahm als Spielertrainer. „Ich sehe das Ganze sehr positiv. Die Jungs, die nach mir kamen, bemühen sich wirklich. Die Trainingsbeteiligung ist gut, dazu wurden viele Spieler zurückgeholt“, erklärt der 66-Jährige. Das Ergebnis: Als gehandelter Abstiegskandidat mischen die Diesdorfer aktuell in der Verfolgergruppe mit. Dabei hatte es noch am 23. April eine Sitzung gegeben, in der Bedenken geäußert wurden, ob es überhaupt für die Kreisoberliga reichen würde. „Es funktioniert und passt alles gut zusammen. Die Punkte haben die Jungs erst einmal gut weg“, so Kleiners Resümee rund ein halbes Jahr später. Als Spartenleiter wird der Abbendorfer im Notfall weiterhin beratend zur Seite stehen. „Zumindest bis 2023 möchte ich das auch noch weiterhin machen“, verdeutlicht er. Bis dahin könnte auch die jetzige Landesliga-B-Jugend um Trainer Mario Haupt in den Herrenbereich aufgerückt sein. Davon erhofft sich Kleiner einen erneuten Aufschwung. Er hat sich vorgenommen, auch weiterhin so viele Partien wie möglich zu verfolgen. Eine Rückkehr als Trainer wäre nur „in einer absoluten Notsituation“ vorstellbar – aber wohl nicht mehr bei der ersten DSV-Herrenvertretung.

Letzterer wird Thomas Griese weiterhin inoffiziell angehören – trotz Laufbahnende. „Wenn es die Zeit zulässt, werde ich ab und an noch mal mittrainieren. Ich bleibe weiterhin gemeldet und würde, wenn Not am Mann ist, bestimmt auch nicht Nein sagen“, so der 40-Jährige. Er selbst hat in seiner Diesdorfer Vita unter anderem zwei Landesklasse-Aufstiege, zwei Kreispokalsiege, einen Supercuperfolg, einen Hallenkreismeistertitel sowie einen Volksbank-Hallenmaster-Cup-Sieg aufzuweisen. Nach 20 Jahren in der Mannschaft – mehrere davon als Kapitän – sah er nun die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen.

„Vaddi“ ist stolz

„Corona hat mir diese Entscheidung erleichtert. Bereits mit 35 hatte mich Jörg gefragt, ob ich noch weitermachen möchte. Da habe ich gesagt, dass ich bis 40 noch spielen möchte – und Jörg wollte bis dahin als Trainer bleiben“, verrät der Wallstawer. Er hätte sich durchaus noch ein oder auch zwei Jahre auf dem Rasen vorstellen können: „Aber dann müsste ich effektiv trainieren – und das schaffe ich mit meiner Familie nicht mehr.“ Griese ist seit zwei Jahren und drei Monaten selbst Vater einer Tochter namens Thorin. Aber auch der achtjährige Sohn seiner Lebensgefährtin, Phil, jagt mittlerweile dem runden Leder nach. „Mit der Fahrerei zu den Spielen sowie zum Training bin ich schon genug beschäftigt“, gibt er zu.

Doch von seinen „Nachfolgern“ ist „Vaddi“, wie Griese liebevoll genannt wird, angetan. „Die Jungs machen das gut. Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass sie so weit oben mitspielen. Sie haben alle einen ähnlichen Charakter und passen gut zusammen“, verdeutlicht der Wallstawer. Einen Trainerjob kann sich der 40-Jährige nicht vorstellen: „Höchstens mal im Nachwuchsbereich als Aushilfe.“ Selbst noch einmal die Schuhe zu schnüren – das könnte er sich wohl auch nur im Falle der Bildung einer Altherrenvertretung in Diesdorf („Das würde ich dann aber vorher genau mit meiner Familie absprechen“) vorstellen. Doch lieber stellt sich Thomas Griese – womöglich zusammen mit Jörg Kleiner – zunächst einmal in die „Klugscheißerecke“ beim Diesdorfer SV.

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