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Die neue Stabilität des 1. FC Lok Stendal

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Von: Tobias Haack

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Der 1. FC Lok Stendal bejubelt ein Tor.
Die Defensive um Kapitän Johannes Mahrhold (rechts) bereitet aktuell Freude. © Haack

Legt man sich eine Formtabelle seit dem 6. Spieltag an, hat nur die U23 des 1. FC Magdeburg mehr Punkte gesammelt als der 1. FC Lok Stendal. Die Ursache für den Stendaler Höhenflug liegt in der Defensive.

Wir schreiben das Frühjahr 2011. Soeben hat der Hamburger SV Trainer Armin Veh vor die Tür gesetzt, da bringen Forscher aus Münster und Kassel eine erstaunliche Untersuchung an die Öffentlichkeit. Ihre These: Trainerwechsel bringen nichts! Zwar führen sie mitunter kurzfristig zu einer Verbesserung der Ergebnisse, lang- und mittelfristig pendeln sich die betroffenen Mannschaften aber wieder bei ihrem wahren, trainerunabhängigen Leistungsvermögen ein. Vereine wären demnach besser beraten, einen Weg der Nachhaltigkeit zu verfolgen.

Beim hiesigen Verbandsligisten 1. FC Lok Stendal haben sie dies erkannt, Cheftrainer Jörn Schulz begeht in der kommenden Woche seinen vierten Jahrestag am „Hölzchen“ – und wird dieses kleine Jubiläum auf einer Erfolgswelle feiern. Neun der vergangenen zehn Liga-Spiele haben die Stendaler gewonnen. In der Formtabelle seit dem 6. Spieltag ist nur die U23 des 1. FC Magdeburg noch einen Punkt besser als der 1. FC Lok. Die größte Stärke der Schulz-Elf: Ihre tadellose Defensive!

Lieferten die Altmärker in der vergangenen Oberliga-Abstiegssaison noch Zahlen aus dem Gruselkabinett ab (101 Gegentreffer in 31 Spielen), so stellen sie nach ihrem Neustart in der Verbandsliga mittlerweile die zweitbeste Abwehr in Sachsen-Anhalts Oberhaus. Lediglich 15 Mal musste Torhüter Philip Poser in 16 Partien hinter sich greifen, sechs Mal hielten die Eisenbahner die Null, zuletzt gelangen drei Zu-Null-Siege in Serie. Nur zwei Mal (beim 1:3 gegen Weißenfels und beim 0:4 gegen Fortuna Magdeburg) kassierte Stendal mehr als einen Gegentreffer. Es sind Statistiken, die jedem Trainer Spaß machen. Denn, dass eine stabile Abwehr der Schlüssel zu einer konstant erfolgreichen Saison ist, gehört zum kleinen Fußball-Einmaleins.

Wir haben jetzt mehrmals mit der selben Viererkette gespielt. Ich glaube, dass wir uns von Woche zu Woche besser festigen, dass die Abstimmungen besser stimmen.

Jörn Schulz (Trainer, 1. FC Lok Stendal)

Um diese Stabilität zu erreichen, haben die Stendaler im vergangenen Sommer einen Umbruch vollzogen. Mit Torhüter Poser, Innenverteidiger Florian Stark und Rechtsverteidiger Alexander Schleicher wurden drei Positionen des Defensivverbunds neu besetzt. Hinzu kommt mit Elias Säyniö ein weiterer neuer Innenverteidiger, der sich im Moment aber in der Rolle des Backups befindet. Jörn Schulz hat sich seit einigen Wochen auf eine Stamm-Verteidigung festgelegt.

„Wir haben jetzt mehrmals mit der selben Viererkette gespielt. Ich glaube, dass wir uns von Woche zu Woche besser festigen, dass die Abstimmungen besser stimmen“, erklärt Stendals Trainer. „Es hat auch etwas mit Zeit zu tun. Es wächst langsam zusammen. Es ist eine neue Kette hinten, in der sich die Jungs erst finden mussten. Jetzt machen sie es ganz gut.“ Neben den drei Neuen komplettieren Kapitän Johannes Mahrhold und Linksverteidiger Felix Knoblich das aktuell perfekt harmonierende Defensiv-Ensemble. Auf seine letzte Reihe kann sich Lok verlassen.

Gibt es dann doch mal Unwägbarkeiten wie beispielsweise personelle Probleme, greift Stendals Stärke Nummer zwei: Die Breite des Kaders. „Die Jungs, die reinkommen, greifen sofort. Das hat etwas mit Qualität zu tun. Wenn wir wechseln, können wir nochmal eine Schippe draufpacken, das hat man auch wieder gesehen. Nils Breda kommt rein und macht das Tor. Wenn wir Wechsel durchführen, gibt es keinen Leistungsabfall. Das macht die Mannschaft stark“, freut sich Jörn Schulz über Variationsmöglichkeiten von der Bank, „der Sportliche Leiter und der Vorstand haben vieles richtig gemacht!“

Die Jungs, die reinkommen, greifen sofort. Das hat etwas mit Qualität zu tun. Wenn wir wechseln, können wir nochmal eine Schippe draufpacken.

Jörn Schulz (Trainer, 1. FC Lok Stendal)

Als Tabellenvierter befindet sich der 1. FC Lok Stendal inzwischen auf einem richtig guten Weg. Um den Aufstieg werden die Rolandstädter in dieser Spielzeit aber wohl nicht mehr mitreden können. Zu konstant treten Magdeburg und Weißenfels auf, während Lok in der einen oder anderen Partie zu Saisonbeginn noch Lehrgeld zahlen musste. „Wenn Fehler passiert sind, wurden wir sofort bestraft. In Amsdorf oder bei Preussen (jeweils 0:1, Anm. d. Red.), in Spielen, die du eigentlich nicht verlieren darfst“, blickt Schulz auf die unnötigen Punktverluste dieser Spielzeit zurück. Sie taten weh und tun es beim Blick auf die Tabelle noch immer.

Der nächste Entwicklungsschritt des 1. FC Lok kann es daher nur sein, solche Ausrutscher in Zukunft zu vermeiden und zu lernen, auch nach Gegentoren gegen tief stehende Gegner noch besser zurückzukommen. Hierzu wird vor allem die Offensive noch ihre Zeit brauchen. In Stendal bekommt man sie. Anders als Armin Veh vor elf Jahren beim Hamburger Sportverein.

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