Ein Tropfen auf dem heißen Stein

DFB-Krise beschäftigt auch die altmärkischen Verantwortlichen – und die haben eine Meinung

Der Mann in der Mitte ist zurückgetreten. Wolfgang Niersbach ist nicht mehr Chef des DFB, das übernahmen Rainer Koch (links) und Reinhard Rauball.
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Der Mann in der Mitte ist zurückgetreten. Wolfgang Niersbach ist nicht mehr Chef des DFB, das übernahmen Rainer Koch (links) und Reinhard Rauball.
  • VonFalk-Stéphane Dezort
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  • Benjamin Post
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Altmark. Schwarze Kassen, Steuerrazzien und diese ominösen, verschwundenen 6,7 Millionen Euro. All das ist ziemlich weit entfernt vom altmärkischen Amateurfußball, wo Woche für Woche Ehrenamtliche helfen, den Spielbetrieb am Laufen zu halten.

Die Krise im Deutschen Fußball-Bund (DFB) hat am Montagabend ihren vorläufigen Höhepunkt mit dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Niersbach erreicht.

Auch wenn nicht klar ist, inwieweit der ehemalige Chef des größten Sportverbandes der Welt in die seit Wochen schwelenden Vorwürfe um die Vergabe der Weltmeisterschaft 2006 involviert ist, findet Dieter Förster dass das Ende der dreijährige Niersbach-Ära kommen musste. „Das war sicherlich der richtige Schritt“, sagt der Fußball-Trainer. Er zieht den Vergleich mit der Abhängigkeit des Daseins als Coach: „Wenn die Mannschaft gut spielt, hat die Mannschaft alles richtig gemacht, spielt sie schlecht, hat der Trainer alles falsch gemacht.“

Förster ist seit Jahrzehnten einer an der Basis der Millionen Amateure im Land, in Heide Letzlingen trainiert Förster derzeit einen Landesligisten. Für ihn bleibt bei der WM-Geschichte ein „fader Beigeschmack.“ „Ich bin da zu weit weg, um mir eine Meinung zu bilden, ob es die richtige Entscheidung war“, sagt hingegen Kreisfachverband Fußball Altmark-Ost-Präsident (KFV) Werner Meinschien, der sich „auf dem Weg zum Skat spielen“ befand, als der Rücktritt Niersbachs durch die Medien ging. Dennoch ist sich Meinschien sicher, dass es nicht der einzige war, der seinen Posten räumt: „Ich glaube, dass da noch andere folgen werden.“

Nun steht der DFB zunächst ohne echten Präsidenten da. Bis ein Nachfolger gewählt wird übernehmen die beiden Vize-Präsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch interimsmäßig die Geschicke in der Frankfurter Zentrale. Letzterer gilt bei Meinschien als Topanwärter auf den frei gewordenen Posten. „Ich glaube es wird Herr Koch.“ Dennoch hat Meinschien Wünsche und Anforderungen, die der neue DFB-Präsident mit sich bringen müsste: „Es sollte jemand werden, der nicht vorbelastet ist.

Jemand der 2006 noch nicht beim DFB gearbeitet hat.“ Sein Amtskollege aus der Westaltmark, Heinrich Piep, glaubt dass die ganze Geschichte nie vollständig geklärt wird. „100 prozentige Wahrheit gibt es nicht“, so der Chef des KFV Altmark West. Was auch kommt: Personen werden auch zukünftig in der Verantwortung, wie zuletzt Niersbach, stehen. Neben Rauball und Koch wird auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff als möglicher Nachfolger gehandelt. Wäre es beim DFB mal an der Zeit einen jüngeren Präsidenten zu haben? – für Meinschien spielt das nicht unbedingt eine Rolle und Bierhoff wäre keine Lösung. „Er ist in der Öffentlichkeit nicht so sympatisch. Ein gewisses Anforderungspotenzial in der Hinsicht sollte es geben.“ Zumindest erwartet der KFV-Präsident keine Änderungen für den Verband und die Vereine der Altmark: „Wir werden seit Theo Zwanziger mit Geldern bedacht. Das wird sich nicht ändern.“ Trainer Förster merkt an, dass mit den dubiosen 6,7 Millionen Euro, die den DFB beschäftigen, auch anders hätte umgegangen werden können. „Die Gelder hätte man auch in den Amateurfußball stecken können“, betont Förster. „Das kann ich so unterschreiben“, ergänzt KFV-Präsident Meinschien. Jedoch fügt er noch ernüchternd an: „Die 6,7 Millionen sind weg. Das Geld wäre bei uns aber auch nie angekommen.“

Von Benjamin Post und Falk-Stéphane Dezort

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