Fußball-Historie

Der FCM und das Rotlichtmilieu

In der Saison 2012/13 spielte der 1. FC Magdeburg in der Regionalliga. Christian Beck war damals neu dabei.
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Kam zur Saison 2012/13 zum 1. FC Magdeburg: Christian Beck. Er und seine Teamkollegen trugen das Logo einer Magdeburger Firma auf der Brust.
  • Sabine Lindenau
    vonSabine Lindenau
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Magdeburg – Harte Zeiten nach der politischen Wende, der Absturz in den Amateurfußball, der Coup gegen Bayern München, die Insolvenz, die Rückkehr in den Profifußball: Die Fans des 1. FC Magdeburg haben schon schlechte, aber auch gute Zeiten mit ihrem Verein erlebt. Und sind ihm stets treu geblieben. Genau wie Partner in der Wirtschaft.

Kann der FCM ab Sommer die Trikotwerberechte neu vergeben, musste er in Zeiten der Regionalliga auf die Suche gehen. In unserer Serie „FCM-Trikottausch“ blicken wir auf Anekdoten und Ereignisse zurück, in denen die Spieler unterschiedliche Logos auf der Brust hatten. Heute erinnert sich Geschäftsführer Mario Kallnik an den Sommer 2012.

Es war die Zeit des Umbruchs. Kallnik war im April 2012 ins Präsidium gekommen, verantwortlich für Sport und Finanzen. Die Mannschaft hatte die Saison 2011/12 auf dem letzten Platz abgeschlossen, war nur nicht abgestiegen, weil die Regionalliga reformiert wurde. Die Saison ging sportlich als die schlechteste in die Vereinsgeschichte ein. Mit Andreas Petersen von Germania Halberstadt wurde auch ein neuer Trainer verpflichtet. Das Team wurde nahezu komplett umgebaut. „Und wir haben einen Trikotpartner gesucht.“ Heute kann Kallnik schmunzeln, wenn er an diese Zeit zurückdenkt. Dass der FCM seinerzeit beinahe ein dubioses Unternehmen mit Kontakten ins Rotlichtmilieu zum Sponsor gemacht hätte, war vor neun Jahren allerdings alles andere als lustig.

Der heutige Geschäftsführer kann sich an den Namen der ominösen Firma zwar nicht mehr erinnern. Wohl aber an die Gespräche. Das Unternehmen war damals auf den Verein zugekommen, wirkte zunächst auch seriös. „Die Firma gab es auch, wir haben recherchiert.“ Nach einem ersten Termin, in dem es um Eckdaten ging, wurde alsbald ein zweiter festgelegt. „Da kam eine größere Delegation.“ Nun ging es an die Details der geplanten Trikotpartnerschaft. „Dann hieß es, wir sollten den Vertrag fertigmachen.“ Doch Kallnik und Mitstreiter hatten zu diesem Zeitpunkt bereits kein gutes Gefühl mehr. Doch sie wollten sich andererseits nicht nachsagen lassen, einen potenziellen Sponsor zu verprellen. Und so bauten sie in den Vertrag eine Klausel ein. Demnach wäre dieser erst zur Geltung gekommen, wenn die schon recht hoch angesetzte Anzahlung auf dem FCM-Konto eingegangen wäre.

Mir war dann schon klar, wie schwierig es ist und wie windig es zugehen kann.

Mario Kallnik (Geschäftsführer 1. FC Magdeburg, über die Trikotpartnerverhandlungen vor der Saison 2012/13)

Und das schlechte Gefühl sollte sich letztendlich bestätigen. Statt der Zahlung gab es einen Anruf eines Journalisten. Seinem Medium wurden gegen die Zahlung einer fünfstelligen Summe Details aus dem Vertrag angeboten. Nun sickerte auch durch, dass die Firma ohnehin nicht ganz sauber und wohl sogar im Rotlichtmilieu unterwegs war. Kallnik war deshalb froh, dass die Anzahlung ausblieb. „Mir war dann schon klar, wie schwierig es ist und wie windig es zugehen kann.“ Dass er aber kurz nach Amtsantritt schon auf dubiose Unternehmer treffen würde, damit hatte der einstige FCM-Spieler nicht gerechnet. Doch Ende gut, alles gut. Mit eab Solar konnte rechtzeitig vor dem Start der Saison 2012/13 ein seriöses Magdeburger Unternehmen gewonnen werden, dessen Logo zwei Jahre lang auf der Brust der Spieler glänzte. Sportlich ging es wieder aufwärts. Durchschnittlich kamen 6.000 bis 8.000 Fans zu den Heimspielen ins Stadion. „Es war für beide Seiten eine fruchtbare Sache.“ Während sich der FCM durch die Einnahmen weiterentwickeln konnte, erreichte der Trikotpartner seine Werbeziele. „Das war ein wichtiger Baustein in der Entwicklung des 1. FC Magdeburg.“ Die Mannschaft wurde am Saisonende Sechster, gewann zudem den Landespokal und sicherte sich das Startrecht für den DFB-Pokal in der darauffolgenden Spielzeit.

2013/14 wurde der Aufstieg knapp verfehlt, der FCM wurde Zweiter. Ein Jahr später war es dann aber soweit. Magdeburg wurde unter dem neuen Trainer Jens Härtel Meister der Regionalliga Nordost, gewann die beiden Aufstiegsspiele gegen Kickers Offenbach und kehrte 2015 in den Profifußball zurück.

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