Reaktionen auf Saison-Abbruch

Handball-Vereine zeigen Verständnis für Annullierung

Benjamin Mittag und Damian Klappoth im Zweikampf um den Ball.
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In der Zwangspause: Benjamin Mittag (rechts, SG Seehausen) und Damian Klappoth (links, SV Oebisfelde II).
  • Tobias Haack
    vonTobias Haack
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Der Handballverband (HVSA) hat die Saison 2020/21 annulliert. Die Entscheidung kam wenig überraschend und sorgt in der Altmark für eine Mischung aus Trauer und Verständnis.

  • Ergebnisse werden nicht gewertet
  • Keine Auf- und Absteiger zur neuen Saison
  • Schwerwiegende Folgen für den Breitensport befürchtet

Altmark ‒ Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Das haben sich die Verantwortlichen des Handballverbands Sachsen-Anhalt (HVSA) gedacht und die Saison 2020/21 am Mittwoch aufgrund der geltenden Corona-Einschränkungen für beendet erklärt. Das Spieljahr wird annulliert, es gibt weder Auf- noch Absteiger. Die bisher absolvierten Partien hat es offiziell nie gegeben. Überrascht hat dieser Schritt niemanden mehr. Auch nicht in der Altmark, wo die ersten Reaktionen verständnisvoll ausfallen.

„Das war die beste Entscheidung, die man treffen konnte. Nichts wäre schlimmer gewesen, als irgendwas zu erzwingen und immer weiter zu warten, dass es irgendwann vielleicht doch wieder etwas wird. Die Annullierung war aus meiner Sicht die einzige Option“, sagt Frank Leo, Trainer der SG Seehausen.

Vor Pfingsten hätte sich hier doch sowieso nichts mehr gedreht und dann ist es auch zu spät, eine Saison fortzusetzen.

Frank Ziekau (HV Lok Stendal)

Das haben auch die HVSA-Oberen so eingeschätzt und eine Fortführung der jungen Saison - manche Vereine hatten bis dato gerade einmal zwei Punktspiele absolviert - für nicht mehr darstellbar erachtet. „Gedanken und Szenarien, die bisher von einer Wiederaufnahme der Spiele bis zur Mitte des März 2021 ausgegangen sind, können nun aufgrund der am 10. Februar durch Bund und Länder verabredeten weiteren Maßnahmen und Schritte zur Bekämpfung des Coronavirus SARS-CoV-2 und der somit anhaltenden fehlenden Planbarkeit für die kommenden Wochen und Monate nicht weiter verfolgt werden. Der HVSA sieht sich nicht mehr in der Lage, den Spielbetrieb der aktuellen Punktspielserie sportlich fortzuführen und mit verwertbaren Ergebnissen im Hinblick auf Auf- und Abstieg zu beenden“, heißt es in der entsprechenden Presseerklärung des HVSA zur Begründung des Abbruchs.

Man muss abwarten, wie sich das alles auswirkt, aber ich sehe schon die Möglichkeit, dass einige Mannschaften sich auflösen.

Tobias Stefani (SV Oebisfelde)

„Mit jeder Verlängerung des Lockdowns war es absehbar, dass es so kommt. Es gibt wichtigere Dinge als ein bisschen Handball zu spielen, von daher macht es schon Sinn jetzt abzubrechen“, kommentiert Tobias Stefani vom SV Oebisfelde. Ein wenig ärgerlich sei die Situation dennoch, schließlich waren Stefani und seine SVO-Reserve mit zwei Siegen aus drei Spielen sehr gut in die Verbandsliga-Saison gestartet. Und auch für den HV Lok Stendal konnte sich der Saisonstart sehen lassen. Einen Groll, dass die bisher erzielten Ergebnisse nichtig sind, hegt in der Altmark aber niemand. „Es ist schade, aber vor Pfingsten hätte sich hier doch sowieso nichts mehr gedreht und dann ist es auch zu spät, eine Saison fortzusetzen“, meint Lok-Trainer Frank Ziekau und führt fort: „Sportler sind auch Menschen mit einem Jahresplan. Wir haben viele Studenten, es gibt Familienväter. Die wollen alle irgendwann auch in den Urlaub fahren. Wenn du dann im Sommer Nachholspiele ansetzt, hast du gar keine Leute da.“

Das war die beste Entscheidung, die man treffen konnte. Nichts wäre schlimmer gewesen, als irgendwas zu erzwingen.

Frank Leo (SG Seehausen)

Die Handballsaison 2020/21 wird nun als ein eher verunglücktes Experiment in die Geschichte eingehen. Dem Start im September folgten gerade einmal ein Handvoll Spiele, ehe erneut unterbrochen und nun abgebrochen werden musste. Den Versuch sei es dennoch wert gewesen, meinen Leo, Ziekau und Stefani unisono. „Die Möglichkeit war ja da und mit den Hygienekonzepten hat es auch funktioniert, so lange es ging. Vielleicht hätte man die Saison aber früher beginnen sollen“, schätzt Frank Leo ein. Tobias Stefani haben die Begleitumstände der Spiele im vergangenen Herbst zwar „ein wenig genervt“, eine Fehlentscheidung sei der Start in die Saison aber nicht gewesen. „Niemand konnte wissen, dass es jetzt so kommt“, meint der Oebisfelder. Frank Ziekau sieht es ähnlich und spricht von einer „höheren Gewalt, für die niemand etwas kann.“

Wie es mit dem Handball in Sachsen-Anhalt nun weitergeht, steht in den Sternen. Angedacht ist eine reguläre Durchführung der Saison 2021/22. Sollte der Sport früher wieder geöffnet werden, unterstützt der HVSA die Vereine auch bei der Durchführung von Freundschaftsspielen oder kleinen Turnieren. In Seehausen hofft Frank Leo mit seinem Team im Sommer wieder eine unbeschwerte Beachsaison spielen zu können. Tobias Stefani fürchtet derweil schmerzhafte Nachwehen der jüngsten Entwicklungen für den Amateurhandball: „Im Breitensport geht mit solchen Entscheidungen immer ein bisschen was kaputt. Man muss abwarten, wie sich das alles auswirkt, aber ich sehe schon die Möglichkeit, dass einige Mannschaften sich auflösen.“

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