Fußball – Oberliga: Lok Stendals Rückkehr zum Chaos-Klub / Baustellen auf allen Ebenen

Die Blase ist geplatzt

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Von Kapitän Philipp Groß (links) und den Spieler des 1. FC Lok Stendal wird viel verlangt: Sie sollen am Wochenende die Kurve kriegen, obwohl ihr Trainer freigestellt wurde. 

Stendal. Der 1. FC Lok Stendal stand in den vergangenen Jahren für Ruhe, Kontinuität und Stabilität. Fans und vor allem Sponsoren wähnten sich glücklich, dass der Verein die chaotischen Zeiten endgültig hinter sich gelassen hatte.

Doch spätestens seit dieser Saison ist diese Seifenblase geplatzt. Nach dem freiwilligen und noch immer nicht ganz aufgeklärten Rücktritt von Sportvorstand und Vize-Präsident Ralf Troeger musste am Sonntag auch Trainer Sven Körner seinen Hut nehmen – laut Vereinsangaben aus rein sportlichen Gründen. Fünf verlorene Spiele zum Saisonstart hatten Körners Kredit nach fünf Jahren erfolgreicher Arbeit in Windeseile aufgebraucht. Der Verein steht nun vor der Herkulesaufgabe, einen neuen Trainer zu finden, der die zutiefst verunsicherte Mannschaft wieder zum Erfolg führen kann. Ganz nebenbei müssen auch noch die beiden offenen Stellen im Vorstand seriös besetzt werden.

Zumindest für Ersteres scheinen die noch verbliebenen Verantwortlichen des 1. FC Lok Bewerber gefunden zu haben. Laut AZ-Informationen soll sich der Verein bereits mit zwei Trainer-Kandidaten in konkreten Gesprächen befinden, einer von ihnen stammt aus der Region. Auf der Hand liegt, dass der neue Trainer eine preisgünstige Lösung sein muss, da Sven Körner lediglich freigestellt wurde und sein Vertrag unlängst erst bis zum 30. Juni 2020 verlängert wurde. Die vereinbarten Gehaltszahlungen laufen demnach noch knapp zwei Jahre weiter. Zudem schuldet der Klub seinem Kader der Vorsaison noch immer die versprochenen Prämienzahlungen für Klassenerhalt, Pokalfinale und DFB-Pokal-Einzug.

Auf dem Tisch liegen diese ganzen Themen beim fast schon bemitleidenswerten Präsidenten Ulrich Nellessen. Er und Schatzmeister Torsten Pfeiffer sind die beiden letzten verbliebenen Mitglieder eines Präsidiums, das laut Satzung aus vier Personen (Präsident, Schatzmeister, Vizepräsident Marketing, Vizepräsident Sport und Organisation) bestehen muss. Da das Gremium seine Beschlüsse mit einfacher Mehrheit fasst und bei Stimmgleichheit der Präsident die Entscheidungsgewalt hat, ist der Vorstand des 1. FC Lok Stendal derzeit zwar noch beschlussfähig, viel mehr aber auch nicht. Entsprechend emotional wurde am Montagabend auch auf einer Versammlung des Fördervereins des 1. FC Lok Stendal debattiert. Dieser gab Nellessen und Pfeiffer sein Unverständnis bezüglich der Trainerentlassung mit auf den Weg. Zudem wurde die künftige Besetzung des Lok-Präsidiums diskutiert. Mit Spannung wird nun die nächste Mitgliederversammlung des 1. FC Lok Stendal e.V. am 19. Oktober erwartet. Spätestens dort werden Nellessen und Pfeiffer Lösungen präsentieren müssen.

Von einer ebenso langen Schonfrist kann die Mannschaft des 1. FC Lok nur träumen. Sie sollte bereits am Sonnabend in Torgelow beginnen, Punkte gegen den Abstieg zu sammeln. „Wir müssen dort für 90 Minuten versuchen, den Kopf freizubekommen, was nicht einfach wird. Schließlich wissen wir ja auch nicht, wie es weitergeht“, sagt Kapitän Philipp Groß. Auch er wirkt im Gespräch mit der Altmark Zeitung – ähnlich wie tags zuvor bereits Sven Körner – emotional angegriffen. Die Entlassung des beliebten Trainers hat der Mannschaft zweifelsfrei einen schweren Schlag versetzt. Da im Moment auch noch kein neuer Coach auf dem Platz steht, der die Stimmung ändern und einen Neustart einläuten kann, bleiben der kickenden Zunft nichts als Durchhalteparolen. „Der Trainer hat bei seinem Abschied zu uns gesagt, dass wir als Mannschaft zusammenhalten und das jetzt durchstehen sollen“, schildert Groß, „die Saison ist schließlich noch jung.“

Korrekt. Dennoch haben diese paar Wochen gereicht, um am „Hölzchen“ das in den vergangenen Jahren Erreichte nahezu komplett zum Einsturz zu bringen.

Von Tobias Haack

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