Top-Sprinter Thomas Barthel spricht im AZ-Interview vor dem Saisonstart über seine Ziele

„Die EM in Berlin wäre ein Traum“

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Auf Thomas Barthel (l., hier mit der DLV-U20-Staffel) wartet die erste Leichtathletik-Saison im Herrenbereich.

Magdeburg/Stendal. Thomas Barthel aus Neuermark-Lübars geht in diesem Jahr in seine erste Leichtathletik-Saison im Herrenbereich. Der Sprinter des SC Magdeburg hat sich dazu jüngst im Trainingslager auf Teneriffa vorbereitet.

Ob er dort an seinen Schwächen arbeiten konnte, welche Ziele er sich für diese Saison gesteckt hat und wie er die Doppelbelastung aus Abitur und Leistungssport wegsteckt, verriet der 19-Jährige im Gespräch mit Sport-Redakteur Tobias Haack.

AZ-Interview

Thomas, Du warst zwölf Tage im Trainingslager auf Teneriffa. Es gibt wahrscheinlich schlechtere Aufenthaltsorte im Januar, oder?

„Ja, auf jeden Fall. Es war mal wieder eine Wettkampfvorbereitung unter anderen Bedingungen. Im Freien ist es dann doch was anderes als immer in der Halle. Da bekommt der ein oder andere im Winter auch schon mal einen Hallenkollaps.“

Hattest du diesen ominösen Hallenkollaps auch schon mal?

„Nein, ich würde das nicht bekommen. Ich nehme die Dinge so wie sie kommen. Aber wenn die Möglichkeit auf ein Trainingslager besteht, nehme ich das natürlich auch gerne mit.“

Deine Leistungen in den vergangenen Jahren waren durchweg positiv, trotzdem hast du immer wieder betont, beim Start noch Luft nach oben zu haben. Konntest du daran auf Teneriffa arbeiten?

„Ja, wir hatten dort ein sehr intensives Starttraining. Es waren Bio-Mechaniker vor Ort. Die Starts wurden mit Kameras gefilmt und professionell ausgewertet. Ein erstes Feedback gab es dann sofort auf der Bahn und eine ausführliche Auswertung am Abend in Sitzungen.“

Wie sahen die Ergebnisse konkret aus, was konntest Du mit auf die Heimreise nehmen?

„Wir wissen, wo die Schwächen liegen und können jetzt daran in Magdeburg konkret mit meinem Heim-Trainer, Eik Ruddat, arbeiten. Auf Teneriffa haben uns die Bundestrainer betreut. Sie stehen aber auch im ständigen Austausch mit meinem Trainer.“

Was nimmt man von so einem Trainingslager noch mit, außer die rein sportlichen Ergebnisse?

„Das Gute dort ist, dass auch viele Sportler aus anderen Nationen vor Ort sind. Das ist natürlich interessant. Das Hotel war voll und beim Essen musste ich auch schon mal eine dreiviertel Stunde anstehen. Ansonsten hat man neben dem Training nur wenig Freizeit. Es gab an all den Tagen nur einen Nachmittag, an dem ich mal meine Ruhe hatte.“

In diesem Jahr startest Du erstmals nicht mehr in der Jugend, sondern bei den Herren. Was hast du Dir für konkrete Ziele gesetzt?

„Es geht jetzt am Sonnabend mit der Hallen-Landesmeisterschaft in Halle/Saale los. Ich starte dort über die 60 Meter und die 4x200 Meter. Ziel ist es erstmal, sich mit einer guten Zeit für die Deutschen Meisterschaften in Position zu bringen.“

Lässt sich das auch an Platzierungen festmachen?

„Das ist schwierig. Man muss auch sehen, wer mit dabei ist. Wenn Rico Freimuth dabei ist, wäre das schon mal eine schöne Erfahrung. Mir ist es aber wichtig, in Halle an meine 6,74 Sekunden aus dem Vorjahr heranzukommen, um mit einem guten Gefühl in die Saison zu starten.“

Welche Highlights stehen für Dich in diesem Jahr an?

„Im Sommer ist die Europameisterschaft in Berlin. Dort mindestens als Ersatzläufer in den Pool der Staffel zu kommen wäre mein Ziel und Traum.“

Wie realistisch ist das im Moment?

„Es ist auf jeden Fall nicht unrealistisch und kann sich mitunter sehr schnell entscheiden. Die Leistungsdichte im Herrenbereich ist sehr eng. Im letzten Jahr war ich mit meiner Zeit schon in den Top Ten.“

Deine 100 Meter-Bestzeit liegt aktuell bei 10,35 Sekunden. Aufgestellt letztes Jahr in Mannheim.

„Genau und ich möchte sie natürlich weiter verbessern. Je näher man aber an diese magischen zehn Sekunden herankommt, desto kleiner muss man sich die Ziele setzen. Es wird dann immer schwieriger. Wenn ich in Halle unter 6,9 Sekunden komme, bin ich aber schon mal auf dem richtigen Weg.“

Auf Deinen Social Media-Kanälen ist auch immer wieder etwas von deinem großen Fernziel Olympia 2020 in Tokio zu lesen.

„Ja, genau. Es ist mein großes Ziel. Ich möchte mich langfristig für die Staffel dort präsentieren.“

Im Frühjahr stehen für Dich aber erstmal die Abiturprüfungen an. Wie verkraftest Du diese Doppelbelastung aus Leistungssport und Schulstress?

„Ich kann mich ganz gut organisieren und teile mir die Zeit gut ein. Wenn ich so weitermache wie bisher, sollte das kein Problem sein. Ich bekomme das hin.“

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