HANDBALL – VERBANDSLIGA Stendaler Traumstart mit Ausrufezeichen

HV Lok berauscht sich selbst

Ekstase auf und neben der Platte: Der HV Lok Stendal um Torhüter Frank Nagel (vorn) hat zum Auftakt der neuen Saison zwei Handball-Feste gefeiert. 
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Ekstase auf und neben der Platte: Der HV Lok Stendal um Torhüter Frank Nagel (vorn) hat zum Auftakt der neuen Saison zwei Handball-Feste gefeiert.

Stendal – In der Hierarchie der höherklassig aktiven altmärkischen Handball-Vereine war der HV Lok Stendal lange Zeit eher unten angesiedelt. Aktuell hat sich das Blatt jedoch gewendet. Der Saisonstart der Rolandstädter war mit 4:0-Punkten perfekt.

Und was noch viel bedeutender ist: Ihre ersten beiden Siege haben die Stendaler ausgerechnet gegen Rivalen aus der Region gefeiert. Die HSG Altmark West wurde ebenso deutlich aus der Stendaler Halle gefegt (29:19) wie die SG Seehausen (32:21) am vergangenen Sonntag. Die altmärkische Kräfteverteilung in der Handball-Verbandsliga, der HV Lok schickt sich in diesem Herbst an, sie neu zu ordnen.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Attraktiven Handball spielen konnten die Eisenbahner an guten Tagen schon immer, erst Recht in eigener Halle. In den ersten 120 Minuten der neuen Saison präsentierte sich die Sieben von Trainer Frank Ziekau zudem aber auch noch mental stabil. Bestes Beispiel: Die frühe Rote Karte (3.) von Chris Rosentreter im Derby gegen Seehausen. „Chris ist eigentlich ein Führungsspieler bei uns. Es hat mich ein bisschen gewundert, dass die Mannschaft diesen Ausfall so gut wegsteckt, ohne einen Bruch im Spiel zu haben“, staunte Ziekau.

Doch seine Mannschaft behielt in ihrer gut gefüllten und lautstarken Halle die Nerven. Rosentreter ging, Robert Stephan kam und glänzte auf der Spielmacher-Position mit starken Ideen. Kurz vor der Pause ging es dann auch für Stephan nicht mehr weiter. Nun drehte plötzlich Youngster Arno Görnemann auf. Der Stendaler Umgang mit personellen Rückschlägen am vergangenen Sonntag, er war ein Musterbeispiel für die viel zitierte Floskel von der „mannschaftlichen Geschlossenheit.“

Dabei trat unter dem Strich nur das ein, was Ziekau immer schon von seinem Team behauptet hat: Tritt der HV Lok mit einem ordentlichen Kader an, kann er in der Verbandsliga gegen jeden Gegner glänzen. Am Sonntag waren es immerhin zwölf Mann. „Wenn mal einer wegfällt, können wir Spieler adäquat ersetzen. Wir haben nicht nur drei Leistungsträger, ohne die alles zusammenbrechen würde. Wir haben genügend Leute, auch von der Qualität her“, verweist Ziekau auf eine gute Mischung in seinem Kader.

Die hat die SG Seehausen unter ihrem Trainer Frank Leo in der Regel auch. In Stendal kamen die Wischestädter allerdings nie ins Spiel, was Ziekau in der guten taktischen Einstellung seines Teams begründet sah: „Wir wollten, dass sie vor unserer Deckung stehen und sich Chancen erspielen müssen. Das können sie nämlich nicht so gut.“ Der Plan griff und Stendal marschierte zielsicher zum zweiten Sieg im zweiten Spiel.

Was die Eisenbahner, aktuell auf Rang zwei liegend, nun mit ihrem Traumstart anfangen, wissen sie selbst noch nicht so recht. Ziekau ist bezüglich eines reibungslosen Saisonverlaufs aufgrund der Corona-Pandemie ohnehin skeptisch. „Unser Ziel war es von Anfang an, die ersten drei Spiele zu gewinnen und das mit möglichst vielen Toren. Wenn die Liga dann wieder abgebrochen wird, haben wir immerhin 6:0-Punkte.“ Aus Stendaler Sicht darf aber wohl auch ruhig ein bisschen länger gespielt werden. Mindestens bis zum 20. Dezember, dann nämlich reist mit der HSG Osterburg der nächste Konkurrent aus der Altmark zum Derby in die Kreisstadt. VON TOBIAS HAACK

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