Zauberer Achim Biewald: Zement verwandelt er beim Stendaler Leichtathletikverein in ganze Anlagen

AZ-Serie Heimliche Stars: „Ich möchte etwas zurückgeben“

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Mit dem klubeigenen Trecker hat das „Mädchen für alles“ wahrscheinlich schon jeden einzelnen Grashalm auf dem Gelände des Stendaler LV befahren.

Stendal. Im Jahr 2005 hieß es kurz und knapp: Die Maßnahme des Arbeitsamtes „Aktiv zur Rente“ werde nicht verlängert, Herr Biewald könne nicht länger für die Tätigkeiten beim Stendaler Leichtathletikverein gefördert werden, die Gelder seien erschöpft.

Rumms, das hatte gesessen. Was hier als bloße Formalie daherzukommen scheint, war für den Stendaler Leichtathletikverein und insbesondere Achim Biewald ein mittelschwerer Schock.

Er sollte aufhören, sich um die Vereinsbelange zu kümmern? Da hatte das Land die Rechnung aber ohne Biewald gemacht. „Das war formell zu Ende. Ich habe dann aber gemeinsam mit den Verantwortlichen des Vereins abgemacht, dass ich bleibe“, strahlt der 66-Jährige. Seit 2001 ist er dem Verein nun treu, in jenem Jahr geriet er über angesprochene Maßnahme des Arbeitsamtes in den Dunstkreis des SLV – und will nun nicht mehr gehen. Und darüber freuen sich alle Vereinsmitglieder. Biewald ist das typische „Mädchen für alles“, wie es Vereinspräsident Peter Ludwig treffend formuliert. Oder wie es Siegfried Wille, langjähriger Weggefährte Biewalds und des SLV auf den Punkt bringt: „Aus einem Sack Zement macht Achim eine Bewegungsanlage.“

In der Tat: Das Gelände an der Arneburger Straße hat Biewald mit auf den Weg gebracht. „Da war Anfang 2000 fast überall nur Wald und Steppe“, erinnert er sich. „Da habe ich erstmal die Begehbarkeit wieder hergestellt und die Begrünung neu aufgearbeitet. Außerdem entstand die Beach-Volleyball-Anlage. Das habe ich natürlich nicht alleine gemacht.“ Darauf legt er stets Wert, dass er nie alleine im Mittelpunkt steht. Wenn er von seinen Tätigkeiten erzählt, huscht grundsätzlich ein Lächeln über sein Gesicht. Er ist so etwas wie der Hausmeister des Vereins, besitzt für jedes Türchen einen Schlüssel. „So etwas Einfaches wie ein Schlüsselbrett hat Achim erfunden“, sagt Wille. Das habe es vorher nie gegeben. Biewald hat sich mittlerweile einen Arbeitsplatz eingerichtet. Doch als sein Büro würde er es nie bezeichnen. „Das ist unser Materiallager und da ist dann auch ein Schreibtisch“, so Biewald. Hier grübelt er, schaut, was man verbessern könnte und setzt es meist direkt in die Tat um. „Wenn wir Ideen aussprechen, ist der Achim schon wieder mit einem Spaten in der Hand unterwegs. Da muss man ihn manchmal auch bremsen“, sagt Wille lachend. Eine Biewalder Auswahl gefällig? Hier: Die einzelnen Räume beschriftet (Biewald: Da musste System rein.“), Car-Port gebaut, die Gewichte in unterschiedliche Farben eingesprüht, Pflasterung der Wege, alle Türschlösser repariert, Unterstand für die Schiedsrichter gebaut und, und, und ...

Biewald lächelt – wie fast immer. Man merkt ihm den Spaß an der Gesamtaufgabe an. „Das ist hier wie eine Familie für mich geworden“, seufzt er.

Für den SLV ist Biewald vor allem deswegen wichtig, weil er einfach immer da ist. „Die Präsidiumsmitglieder arbeiten alle außerhalb Stendals, sind nicht immer präsent. Wenn irgendetwas vor Ort anliegt: Achim ist da und kontrolliert alles, leitet die entsprechenden Schritte ein“, weiß auch Ludwig, wie unentbehrlich Biewald für den Klub ist. Dies führt zwangsläufig dazu, dass die Klubmitglieder stets mit Fragen zu Achim Biewald kommen. Auch, weil der gelernte Autoschlosser stets eine Antwort parat hat. Bleibt die Frage, was ihn motiviert? „Zuhause fällt mir die Decke auf den Kopf“, lautet die einfache Antwort des rüstigen Rentners fast flapsig. Im nächsten Moment schiebt er sein Lächeln hinterher. Der Verein zeigte sich aber im Laufe der Jahre durchaus dankbar gegenüber Biewald, nahm ihn unter anderem mit zu Wettkämpfen nach Polen in die Region Polawi. Neben der kostenfreien Teilnahme passte er da gemeinsam mit den Verantwortlichen auf 40 Jugendliche auf, was für ihn eine „tolle Geschichte“ war. Biewald wird wohl von alleine nicht beim SLV aufhören. Man merkt ihm das innere Lodern in jeder Sekunde an. Fast schon bescheiden sagt er: „Man hat sich mit mir die größte Mühe gegeben. Davon will ich auch etwas zurückgeben. Für mich ist es das Schönste, wenn Leute von außerhalb zu uns kommen und sagen, dass es ihnen hier gefällt.“

Von Timo Lämmerhirt

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