Vom Torhüter und Schiedsrichter zum Chef

Martin Retzlaff: Auf und neben dem Platz engagiert

Martin Retzlaff mit Mirko Völkel (l.) und Marian Falkenhagen (r.)
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Martin Retzlaff pfiff einst auch ein Spiel mit seinen Arbeitskollegen Mirko Völkel (l.) und Marian Falkenhagen (r.).
  • Renee Sensenschmidt
    vonRenee Sensenschmidt
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Arendsee - Der Fußballsport an der Basis lebt von engagierten Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären, weiblich wie männlich, die das Training und den Spielbetrieb organisieren sowie die Vereine am Laufen halten. Einer von diesen engagierten Sportfreunden ist Martin Retzlaff, der sich als Spieler und Schiedsrichter bereits große Anerkennung erworben hat und aktuell als Vereinsvorsitzender des SV Arendsee auch neben dem Platz Verantwortung für 151 Mitglieder trägt.

Vor fast 40 Jahren in Osterburg geboren, begann Martin Retzlaff in der Jugend des Kreveser SV mit dem Fußballspielen. Erst als rechter Verteidiger, später folgte der Wechsel ins Tor. Mit der B-Jugend des KSV gewann er 1996 durch einen 7:1-Finalsieg gegen den VfB Elbe Uetz den Kreispokal. „In diesem Wochenende wurde Deutschland Europameister, durch das Golden Goal von Oliver Bierhoff“, erinnert sich „Retze“, der mit der A-Jugend des Vereins zudem Kreismeister wurde. Zu dieser Zeit war Martin Retzlaff bereits als Schiedsrichter im Einsatz, gemeinsam mit seinem Teamkameraden Clemens Schultes legte der damals 15-Jährige bei Dieter Marks im Stendaler „Hölzchen“ seine Schiedsrichter-Prüfung ab.

Große Anerkennung

„Gleich in meinem ersten Männer-Spiel musste ich eine Rote Karte wegen Schiedsrichter-Beleidigung zeigen“, erinnert sich Martin Retzlaff, der sich durch diese Aktion aber den notwendigen Respekt bei den älteren Sportfreunden verschaffte. Denn anschließend hatte der junge Schiedsrichter diese Probleme nicht mehr. in seiner Zeit als Unparteiischer erwarb sich Martin Retzlaff durch gute Leistungen große Anerkennung. „Ich habe viele Situationen mit Worten geregelt. Ich musste daher nur ganz selten eine Rote Karte ziehen.“ Und so stieg er schnell als Schiedsrichter in die Landesklasse (1999) und Landesliga (2001) bis hin in die Verbandsliga (2002) auf. Am 10. März 2001 pfiff Martin Retzlaff die Lk-Partie SV Arendsee gegen den SV Oebisfelde (0:1). Der SR-Beobachter war voll des Lobes. „In einem schnellen Kampfspiel war SR Retzlaff der Beste auf dem Platz.“ 47 von 50 Punkte so die damalige Bewertung.

Im Osten unterwegs

Zudem gehörte er mit Clemens Schultes dem Gespann des Osterburgers Gunnar Melms an, was zahlreiche Einsätze in der Oberliga Nordost bis hin zu Aufstiegsspielen zur Regionalliga zur Folge hatte. „Wir waren im gesamten Osten unterwegs, von Rostock bis Pößneck.“ Zwei Begegnungen sind bei Martin Retzlaff noch fest im Gedächtnis. 2005 besiegte der SV Babelsberg daheim Union Berlin mit 3:2 durch einen Treffer in der Nachspielzeit. Aufgrund einer Liveübertragung im Fernsehen waren nur 9000 Zuschauer anwesend, die aber mächtig für Stimmung sorgten. „Die Union-Fans haben in der Pause eine Pyroshow veranstaltet, dadurch begann die zweite Halbzeit mit Verspätung.“ Beim Spiel VfB Pößneck gegen Sachsen Leipzig im Jahr 2007 musste Martin Retzlaff an der Seitenlinie den damaligen Sachsen-Trainer Eduard „Ede“ Geyer kompromisslos entgegentreten, eine Videosequenz von dieser Situation ist auf seiner Facebook-Seite zu sehen.

Besondere Spiele

Mehrfach hatte Martin Retzlaff die Ehre, bei besonderen Begegnungen als Unparteiischer oder Assistent dabei zu sein. 2006 war die Altmark Spielort für die Vorrundenspiele der Gruppe D im Rahmen der INAS-Fußball-Weltmeisterschaft. Bei dieser WM der mental Behinderten stand der Krumker in Osterburg beim Spiel Polen – Australien (24:0) und in Arendsee beim Spiel von Polen gegen den späteren Weltmeister Saudi-Arabien (2:0) an der Linie. In der Seestadt leitete das Trio Melms-Schultes-Retzlaff auch die Partie zwischen dem SV Arendsee und dem Bundesligisten VfL Wolfsburg anlässlich der Einweihung des neuen Sportplatzes. Später war Martin Retzlaff Schiedsrichter bei zwei Benefizbegegnungen der Wolfsburger in Oebisfelde und Kalbe. Auch beim Re-Match in Erinnerung an das legendäre DFB-Pokal-Viertelfinale von 1995 (4:5 nach Elfmeterschießen) zwischen den Traditionsteams von Lok Stendal und Bayer Leverkusen 2010 in Bismark „tanzten alle Spieler nach seiner Pfeife.“ Aufgrund einer beruflichen Veränderung und der dadurch fehlenden Zeit verlor das Schiedsrichterwesen für Martin Retzlaff dann jedoch an Bedeutung, 2011 hängte er seine Pfeife an den Nagel.

SVA-Vorsitzender

Zu diesem Zeitpunkt hütete er bereits das Tor des SV Arendsee. „Gleich in meinem ersten Spiel mussten wir gegen meinen alten Verein ran, wir verloren 1:3“, blickt Martin Retzlaff auf ein Spiel beim Kreveser SV zurück. Sportlich ging es mit den Seestädtern in der Folge stetig bergab. Es fehlte einfach der Nachwuchs, der die Talfahrt hätte stoppen können. „Die Spielgemeinschaft ABMS war für Arendsee nicht gut. Die guten Nachwuchsspieler von uns blieben in Mechau oder Sanne hängen“, stellte der Hertha-Fan, der 2012 zum Kassenwart des SVA gewählt wurde, fest. Seit 2017 ist Martin Retzlaff nun Vorsitzender des SV Arendsee, der sich bei der Organisation von zwei Kreis-Pokalendspielen die Anerkennung der KFV-Verantwortlichen erworben hat. 2019 verfolgten 852 zahlende Zuschauer das Spiel zwischen Eintracht Salzwedel und dem SV Liesten (1:2). Im Vorjahr wurde das Sportlerheim umfangreich saniert. Zwei tolle Rasenplätze, eine gepflegte Anlage, ein tolles Umfeld mit dem See und gute Übernachtungsmöglichkeiten haben dafür gesorgt, dass die Seestädter in diesem Jahr noch Gastgeber für zwei internationale Jugendturniere sein werden, auf die sich der Vorsitzende bereits jetzt freut.

Tiefe Wunde befürchtet

Alles super beim SVA könnte man meinen, zumal es im Nachwuchsbereich und bei den Männern auch sportlich wieder aufwärts geht. Die Corona-Pandemie und das derzeitige Betätigungsverbot nagen aber auch an den Nerven von Martin Retzlaff, der seit 2019 Mitglied im Arendseer Stadtrat und nebenbei auch in der Feuerwehr aktiv ist. „Von 2020 haben wir noch einen Kratzer am Körper. Aber wenn das 2021 so weiter geht, wird eine tiefe Wunde draus. „Es bleibt zu hoffen, dass sich die Situation bald ändert und die Sportler*innen wieder zum Training und zum Spiel auf die Plätze dürfen. Damit auch Martin Retzlaff wieder öffentlich zeigen kann, worauf es an der Basis ankommt. Auf engagierte Spieler, Schiedsrichter und Funktionäre.

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