Fackelumzug aufgeschoben

Analyse: Warum das Stendaler Remis kein Volksfest ausgelöst hat

Tim Seidel-Holland (links) bekam überraschend viel Spielzeit, konnte sich aber nicht nachhaltig aufdrängen. Das Stendaler Offensivspiel bleibt eine Großbaustelle. 
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Tim Seidel-Holland (links) bekam überraschend viel Spielzeit, konnte sich aber nicht nachhaltig aufdrängen. Das Stendaler Offensivspiel bleibt eine Großbaustelle.

Stendal – Punktgewinn oder Punktverlust? Darüber lässt sich nach dem torlosen Unentschieden des 1. FC Lok Stendal gegen Blau-Weiß Berlin trefflich streiten. Für Trainer Jörn Schulz überwiegt trotz der ersten Enttäuschung das Positive.

Erkenntnisse dürfte ihm die Partie obendrein genügend geliefert haben, schließlich war der Lok-Coach zu einigen Experimenten gezwungen. Eine Analyse.

Die erste Baustelle, so offenbarte es Schulz auf der Pressekonferenz, tat sich für ihn bereits im Vorfeld der Begegnung auf. So habe es innerhalb der Mannschaft „Reibereien“ gegeben, die zunächst einmal geklärt werden mussten. Was im Abstiegskampf eher nach einem Alarmsignal klingt, war für den Stendaler Trainer an sich kein größeres Problem. „Man muss sich auch mal die Meinung sagen können“, erklärte er. „Vor dem Spiel haben wir dann klare Worte gefunden und die Mannschaft hat eine Reaktion gezeigt.“ Worum es bei den Streitigkeiten konkret ging, verriet Jörn Schulz freilich nicht.

Wenn es auf und neben dem Platz brennt, sind Führungsspieler für eine Mannschaft von besonderer Bedeutung. Gegen Blau-Weiß traten vor allem Kapitän Philipp Groß, dessen Vize Martin Gödecke und Abräumer Steven Schubert als Leader in Erscheinung. Das Problem: Schubert musste in der 35. Minute mit Oberschenkelproblemen vom Platz. Ein weiterer personeller Rückschlag für die gebeutelten Altmärker. Für ihn kam Stürmer Tim Seidel-Holland aufs Feld, Gödecke rückte auf die Sechs und wusste dort besser zu gefallen als in vorderster Linie. Martin Gödecke als Spielgestalter vor der Abwehr? Jörn Schulz sollte über diese Option für die Zukunft zumindest nachdenken.

Festzuhalten bleibt rückblickend jedoch, dass eine klare spielerische Linie bei beiden Mannschaften nur schwer zu erkennen war. Als Ursache für den mauen Kick hoben beide Seiten die Platzverhältnisse hervor. „Dass der Ball auf diesem Platz viel in der Luft ist, viele Zweikämpfe geführt werden und es eklig wird, war klar. Es war kein schönes Spiel zu erwarten“, meinte Philipp Groß. Berlin-Trainer Marco Gebhardt erklärte zu Gast an alter Wirkungsstätte: „Wir haben das Pech, die ganze Woche auf Kunstrasen trainieren zu müssen. Dass es für den einen oder anderen eine Umstellung war, hat man dann gesehen.“

Loks Linksverteidiger Felix Knoblich hatte keinerlei Probleme mit dem Untergrund. Seine linke Bahn bekam er defensiv gut zu und offensiv gab er für Lok die meisten Torschüsse ab. Der 26-Jährige hat eine Bewerbung für einen Stammplatz abgeliefert und um ein Haar auch noch den Siegtreffer erzielt. Dass dieser nicht gelang, kommentierte Jörn Schulz mit einem Augenzwinkern: „Wenn Felix Knoblich heute das Tor schießt, machen die in Badingen einen Fackelumzug und das hätte man bei Corona ja anmelden müssen.“

Dass mit Knoblich ein Linksverteidiger die größte Gefahr ausstrahlte, offenbarte aber auch, dass das ohnehin schon krankende Stendaler Offensivspiel ohne den verletzten Denis Neumann noch mehr leidet. Gödecke, Lukas Pfeiffer und Seidel-Holland waren als Spitzen nahezu gar nicht ins Spiel eingebunden. Druckvoller wurde es erst nach Berlins Platzverweis, als Niclas Buschke und Maurice Schmidt ihr Tempo ausspielen konnten. Ein Tor gelang dennoch nicht und das Problem in vorderster Front lebt weiter. VON TOBIAS HAACK

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