Fußball – Oberliga: Interimstrainer Daniel Fest möchte mit Lok einen mutigeren Weg gehen

„Aktiver am Spiel teilnehmen“

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Die Spieler des 1. FC Lok Stendal haben sich in der vergangenen Woche in einer mannschaftsinternen Sitzung auf die neue Situation eingeschworen. Am Wochenende gelang mit dem ersten Punkt ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. 

Stendal. Es gehört zu den Mechanismen des Fußballgeschäfts, dass bei anhaltendem Misserfolg ein Trainerwechsel die Trendwende zum Guten herbeiführen soll. Nicht immer geht der Plan auf, hin und wieder bringt er jedoch die Rettung.

So geschehen beim Bundesligisten VfB Stuttgart, der im Winter den durchaus beliebten Hannes Wolf vor die Tür setzte und durch den arg umstrittenen Tayfun Korkut ersetzte. Die Schwaben trotzten allen Widerständen, spielten eine überragende Rückserie und kämpften am Ende sogar noch um die Europacup-Plätze. Ganz so weit wird es für Fußball-Oberligist 1. FC Lok Stendal nicht gehen können, die Hoffnungen am „Hölzchen“ ruhen aber darauf, mit der Freistellung Sven Körners vor einer Woche den richtigen – vielleicht rettenden – Impuls im Abstiegskampf gesetzt zu haben. Das erste Spiel der Post-Körner-Ära endete mit einem 1:1-Remis in Torgelow und ließ zumindest den Glauben an die eigene Stärke zurückkehren.

Torwart Bryan Giebichenstein (links) muss nicht mehr auf der Bank schmollen. Er hat seinen Platz zwischen den Pfosten zurück.

Interimstrainer Daniel Fest hatte im Vorfeld der Partie drei einschneidende Änderungen vorgenommen. Zum einen machte er Bryan Giebichenstein zur neuen Nummer eins und verbannte Lukas Kycek auf die Bank. „Lukas wirkte zuletzt nicht mehr so stabil. Wir hatten das Gefühl, dass wir im Tor eine Veränderung brauchten. Außerdem hat Bryan zuletzt gut trainiert“, erklärt Fest die Hintergründe. Sein Mut sollte sich auszahlen. Giebichenstein lieferte in Torgelow eine starke Partie ab und durfte sich mit zwei Glanzparaden auszeichnen. Beim Gegentreffer – einem Sonntagsschuss – war er machtlos. „Er hat sich bewährt und ich gebe zu, dass ich da nicht ganz unglücklich drüber bin“, so Fest, „ein Torwartwechsel ist schließlich immer ein Risiko.“

Daniel Fest hat mutige Entscheidungen getroffen.

Umstellung Nummer zwei betraf Marcel Werner. Der etatmäßige Innenverteidiger wurde vom Interimscoach auf die Sechserposition beordert. Der Hintergedanke: Als einer der besten Fußballer im Team sollte der 30-Jährige spielerische Impulse setzen. „Das lief eher durchwachsen. Seine spielerische Qualität hat uns offensiv zwar gutgetan, aber defensiv hatten wir im Zentrum nicht immer den Zugriff. Wir müssen mal abwarten, ob das dauerhaft eine Variante ist“, resümierte Fest.

Gänzlich ausgeschlossen scheint Werners Verbleib im Mittelfeld aber nicht, denn Fest deutet nach gut einer Woche in Hauptverantwortung an, die Mannschaft offensiver und mutiger ausrichten zu wollen. Die von seinem Vorgänger praktizierte Fünferkette spielt in Fests Planungen keine Rolle mehr. „Ich gebe zu, dass ich ein Freund der Viererkette bin. Sie gibt einem mehr Möglichkeiten im Spiel nach vorne“, erklärt der 45-Jährige. Gegen Torgelow vertraute der ehemalige Co- und Cheftrainer des Haldensleber SC auf ein 4-2-3-1-System. Der erste Punktgewinn der Saison gab ihm recht. Voreilige Schlüsse lehnt Fest nach seinem ersten Spiel als Chefcoach aber ab: „Der Vorteil dieses Systems ist, dass wir aktiver am Spiel nach vorne teilnehmen. Ob das aber das Allheilmittel ist, müssen wir abwarten.“

Bereits am kommenden Sonntag wird die neue Stendaler Spielidee auf eine harte Probe gestellt. Dann gastiert Regionalliga-Absteiger TSG Neustrelitz am „Hölzchen“. Ein echter Härtetest für Fest und sein Team. Ein Überraschungserfolg gegen den Titelanwärter würde nicht nur die noch immer prekäre Situation im Abstiegskampf verbessern, sondern auch die Position von Daniel Fest. Hat er in den kommenden Wochen Erfolg, gilt eine dauerhafte Beförderung zum Cheftrainer des 1. FC Lok als sicher. „Ich bin für alles offen, aber ich habe mich bis jetzt noch überhaupt nicht damit beschäftigt. Ich konzentriere mich voll auf die Mannschaft und muss mich bedanken, dass sie es mir bis jetzt sehr leicht macht“, wiegelt er derartige Gedankenspiele ab.

Von der Interims- zur Dauerlösung: So begann vor fünf Jahren auch die Ära Sven Körner. Seit einer Woche ist sie Vergangenheit. Ob der Trainerwechsel in Stendal eine Erfolgsgeschichte nach Stuttgarter Vorbild einleiten kann, ist eine der spannendsten Fragen der kommenden Wochen.

Von Tobias Haack

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