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Anwohner beschweren sich über „Sachentziehung“ – weil Nachbarn ihre Katze füttern

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Von: Franziska Kaindl

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In den sozialen Medien kursiert aktuell ein Zettel, der für Diskussionsstoff sorgt. Darin beschwert sich eine Familie über die „unrechtmäßige Aneignung“ ihrer Katze.

Wenn die eigene Katze plötzlich fremdelt und sich kaum noch blicken lässt, ist das meist eine große Enttäuschung für die Besitzer. Schließlich soll sich der pelzige Mitbewohner zu Hause wohlfühlen und von Streicheleinheiten verwöhnen lassen. Oft liegt es daran, dass auch die Nachbarn Gefallen an der Samtpfote gefunden haben und deshalb Futter für das Tier bereitstellen – was über kurz oder lang dazu führen kann, dass sich die Mieze plötzlich nebenan viel heimischer fühlt. Wie so etwas ausgehen kann, zeigt ein Zettel, der aktuell auf Twitter von sich reden macht. Dieser wurde offenbar von einer Familie verfasst, die ihre Nachbarn in die Schranken weisen wollte.

Nachbarn füttern Katze – zum Ärger der Besitzer

„Liebe Nachbarn, leider wird unsere Katze fremd gefüttert“, heißt es auf dem Zettel, der vom Twitter-Nutzer „Roter Pander“ geteilt wurde. „Wir bitten Sie hiermit, dies zu unterlassen. Es handelt sich hierbei um Diebstahl! Wir verbieten hiermit die Fütterung unserer Katzen und behalten uns weitere rechtliche Schritte vor“. Des Weiteren weisen die Katzenbesitzer darauf hin, dass der Eigentümer durch das Weglocken der Katze geschädigt werde und somit die Straftatbestände der „Sachentziehung“ und der „unrechtmäßigen Aneignung“ erfüllt würden. Auf diese stünden Freiheits- oder Geldstrafen.

„Das ist mein Deutschland“, meint der Twitter-Nutzer „Roter Pander“ trocken. Für ihn und für viele andere Nutzer steht dieser schriftliche Ausbruch sinnbildlich für den „Alman“ – den spießigen, kleinkarierten Deutschen. „Ich stelle mir gerade folgende Situation vor: Richter und die Geschworenen kommen rein. Alle stehen auf. Richter verkündet: „Der Angeklagte wird wegen Fütterns einer fremden Katze zu 10 Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt“. Alle seufzen erleichtert. Ein gerechtes Urteil!“, schreibt eine Nutzerin sarkastisch. Aber es geht auch anders, wie ein Nutzer witzelt: „Eine Freundin von mir hat das anders gesehen: Die Katze hat fast keine Kosten mehr produziert und ihr billiges, verschmähtes Futter hat Füchse und Igel als neue Haustiere angezogen.“ Leider lässt sich nicht wirklich sagen, ob es sich bei dem Zettel um einen Fake handelt oder wie alt er tatsächlich ist. Allerdings wurde er mittlerweile über 4.500 Mal geliked.

Eine Katze sitzt vor einem Futternapf in einer Wiese.
Fremde Katzen zu füttern, kann für Sie Ärger mit dem Besitzer bedeuten. © Imago

Dass Haustiere unter Nachbarn für Feindschaften sorgen können, zeigte im Übrigen auch ein anderer Zettel, der kürzlich im Netz kursierte. Hier ärgerte sich ein Anwohner aber eher über die Anwesenheit der streunenden Nachbarskatze.

Darf der Nachbar meine Katze füttern?

Rechtlich gesehen haben Halter meistens keine Handhabe, wenn die Katze freiwillig zum Nachbarn läuft, um sich von ihm füttern zu lassen. Wird die Katze regelrecht angelockt oder gar von Fremden beherbergt, dann haben Besitzer unter Umständen einen Anspruch auf Unterlassung, wie die Ergo-Versicherung auf ihrer Webseite informiert. Allerdings lässt sich dies in der Praxis relativ schwer umsetzen, da der Halter nachweisen muss, dass der Nachbar ihm das Eigentum an der Katze entziehen will. Das Amtsgericht München entschied vor wenigen Jahren, dass Besitzer eines frei laufenden Katers das eigenbestimmte Verhalten des Tieres akzeptieren müssten (Az.: 132 C 14338/17). Das Tier war immer wieder von einem Nachbarn gefüttert und teils über Nacht in dessen Unterkunft beherbergt worden. (fk)

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