Stille Tage in Venedig

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Stille Tage in Venedig

Ihr Terminkalender ist voll, übervoll. Der Karneval ist gerade vorbei und am 7. Mai kommt der Papst nach Venedig. Zwischen solchen Großereignissen hat die Lagunenstadt mal wieder Zeit, richtig durchzuatmen.

Wer ihren Charme wirklich spüren will, entdeckt sie jetzt, abseits der ausgetretenen Touristenpfade. In den Gassen flattert die Wäsche, im Schatten dösen Hunde und aus den Häusern dringen Stimmen. Während die Touristenmassen über den Markusplatz rollen, gibt es nur wenige Gehminuten entfernt ein ungewöhnlich gemütliches Venedig.

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Dafür muss man allerdings nach Castello, Dorsoduro oder Cannaregio schlendern. Castello ist einer der originärsten Stadtteile. Hierhin verirren sich nur wenige Touristen, obwohl vom Markusplatz aus eine breite Promenade mit einem wunderschönen Blick über den Lido herführt. Verlässt man die Wasserseite und wendet sich über die Via Garibaldi dem Stadtinneren zu, taucht man in eine andere Welt ein: Waren eben noch tausende Touristen um einen herum, so ist von dieser beengenden Hektik plötzlich nichts mehr zu spüren.

Stattdessen treffen sich ältere Damen und Herren für einen Plausch auf den Bänken in den Gassen. Und Kinder spielen in den Fußgängerzonen Fangen. Das auffälligste Kennzeichen von Castello sind die Wäscheleinen, an denen vor den Fenstern und zwischen den Häusern weiße Unterhemden, blaue Hosen und rote Bettbezüge hängen. Das ist in den Touristenzentren der Stadt zwar verboten, weil die Wäsche dem Image schaden könnte, doch hier in Castello lassen sich die Bewohner diese Gewohnheit nicht nehmen.

Ruhe auf dem Canal Grande  

Venedig

Ähnlich entspannt geht es im Bezirk Dorsoduro südlich des Canal Grande zu. Die Pestkirche Santa Maria della Salute und die Peggy-Guggenheim-Sammlung sind nur wenige Minuten entfernt, doch von dem Trubel ist hier in den Gassen ebenfalls nichts zu spüren. Zur Mittagszeit läuft man meist alleine an den Kanälen, den Geschäften und unzähligen Kirchen entlang. Am Nachmittag erwacht aber auch in Dorsoduro wieder das Leben. Männer reparieren ihre Boote, Hausfrauen erledigen in den kleinen Tante-Emma-Läden ihre Einkäufe, und die Handwerker tuckern mit ihren voll beladenen Kähnen durch die Kanäle.

Wer Glück hat, kann bei seinem Spaziergang auch einen Blick in einen der Privatgärten ergattern. Oder man beobachtet an einer verborgen gelegenen Werft den Baufortschritt an einer venezianischen Gondel. Entgegen anderslautender Pläne werden sie bis heute aus Holz gefertigt, die Gondoliere haben die Plastik-Version erfolgreich boykottiert. Omnipräsent sind in Venedig die Kirchen, die die Stadt einst in kleine soziale Einheiten unterteilten und die noch immer bei vielen Gläubigen fest zum Alltagsleben gehören.

Wäscheleinen zwischen den Häusern - das ist in den Touristenzentren von Venedig zwar verboten, doch in Castello lassen sich die Bewohner die Gewohnheit nicht nehmen.

Über den Platz Santa Margherita und das sich anschließende Universitätsviertel geht es über den Canal Grande in den Stadtteil Cannaregio. Rund um den Hauptbahnhof Venedigs drängeln sich die Besucher durch die Gassen, doch etwas weiter östlich erstreckt sich die Einkaufsstraße der Venezianer – die Strada Nova. In kleinen, oft noch familienbetriebenen Geschäften werden Kaffeespezialitäten, frische Wurstwaren und selbst gebundene Blumensträuße verkauft.

Wenn es etwas später geworden ist und die Tagestouristen die Stadt verlassen haben, kann man vom Canal Grande aus in Ruhe die ansonsten überlaufenen Attraktionen zumindest von außen bewundern. Dafür steigt man am besten in ein Vaporetto, sichert sich einen Platz an der Spitze und lässt sich über den Canal fahren, in dem das Licht der untergehenden Sonne schimmert. Während am Ufer die leeren Gondeln schaukeln, ziehen die Rialto-Brücke, das herrschaftliche Hotel Gritti-Palace und der Markusplatz vorbei.

Aliki Nassoufis

REISE-INFOS ZU VENEDIG

ANREISE Lufthansa fliegt mehrmals täglich ab München nach Venedig. Ab ca. 125 Euro. Mit der Bahn (City Night Line) ab München in neun Stunden über Nacht; einfache Fahrt ab 43 Euro. Wer mit dem PKW anreist, muss das Auto auf dem Festland, z.B. in Mestre, auf Großparkplätzen abstellen. 

WOHNEN Besondere Hotels, die nicht besonders teuer sind, empfiehlt der Reiseführer „Kleine Hotels mit Charme in Venedig“, erschienen im Christian Verlag, ISBN 978-3-88472-553-5, Wer im Buchhandel nicht mehr fündig wird: Restposten über amazon.de ab 3 Euro.

MEHR INFOS Tourismuszentrale Venedig, Castello 5050, I-30122 Venedig; Italienische Zentrale für Tourismus ENIT, Kaiserstraße 65, 60329 Frankfurt; www.enit-italien.de

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