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Jetzt mal ganz schön langsam

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Von: Christine Hinkofer

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Entspannen im Urlaub in der Hängematte.
Urlaub ohne Zeitdruck: Ruhe und Muße statt Action und Adrenalinkick lautet die Devise. © dpa/dpaweb

Internet, E-Mail, Handy, der Zwang, ständig erreichbar zu sein: Je mehr der Alltag an Geschwindigkeit zulegt, umso wichtiger wird es, im Urlaub runterzuschalten. Slow Tourism ist das neue Schlagwort.

Ruhe und Muße statt Action und Adrenalinkick lautet die Devise. Autor Andreas Heimann hat sie nach Sinn und Inhalt hinterfragt. Und Christine Hinkofer traf in München den Mann, für den Slow Life, das langsame Leben, schnell zu einer erfolgreichen Geschäftsidee wurde.

Caspar David Friedrich war ein überzeugter Slow Traveller – er wusste es nur noch nicht. Bei seinen Aufenthalten auf der Ostseeinsel Rügen war der berühmte Maler der Romantik grundsätzlich zu Fuß unterwegs – mit häufigen Stopps für seine Skizzen. Fahrten mit der Kutsche waren ihm zu schnell.

Loblied auf die Langsamkeit

Dan Kieran ist eine Art moderner Geistesverwandter. Kieran fliegt nicht. Selbst wenn er von England nach Marokko will, nimmt er den Zug. Das hat mit seiner Flugangst zu tun, aber mehr noch mit seiner Abneigung gegen hektische, flüchtige Eindrücke. Kieran ist überzeugter Anhänger des bewussten, langsamen Reisens. Sein Buch „Slow Travel“ ist ein Loblied auf die Langsamkeit. Wobei damit nicht nur die Geschwindigkeit beim Reisen gemeint ist, sondern vielmehr die Haltung, die dahinter steht: Das Bewusstsein, Eindrücke nicht flüchtig vorüberhuschen zu lassen. In der modernen Reiseindustrie sieht Kieran dafür wenig Chancen.

Dabei wäre der Bedarf durchaus vorhanden. „Slow Tourism hat viel Potenzial, es passt perfekt in unsere Zeit“, sagt Professor Ulrich Reinhardt, Leiter der Stiftung für Zukunftsfragen in Hamburg. „Da sind zum einen die Vielbeschäftigten, die sonst immer mit Smartphone und iPad durch die Gegend laufen und im Urlaub runterkommen wollen, aber auch Ältere, die grundsätzlich alles etwas ruhiger angehen möchten und vielleicht nicht mehr so gerne in den Flieger steigen. Und all die, die einfach Genuss schätzen und keinen Stress wollen.“

Langsamkeit statt Leistung

Das sind viele. „Es gibt in unserer Leistungs- und Erlebnisgesellschaft eine gewachsene Sehnsucht nach Entschleunigung“, weiß Susanne Leder, Professorin für Tourismusmanagement an der Fachhochschule in Meschede. „Die zunehmende Komplexität und Geschwindigkeit in der Arbeitswelt macht mental erschöpft“, erläutert die Wissenschaftlerin. „Mein Gehirn ist gar nicht darauf ausgelegt, was ich ihm alles zumute.“ Mancher würde da am liebsten sein Leben komplett ändern – das ist allerdings schon psychologisch meist eine Nummer zu groß. „Aber beim Reisen kann ich ausprobieren, wie das geht. Da darf ich mich trauen. Da kann ich sagen, ich muss runterfahren, ich gehe für eine Woche ins Kloster.“

Slow-Tourism-Angebote können sehr unterschiedlich sein: „Das reicht vom Almurlaub über das Meditationsseminar bis zur Wüstenwanderung“, sagt Susanne Leder. Viele Trends im Tourismus hätten damit zu tun, das Wellnesswochenende genauso wie die Pilgerreise. Dass die Schweiz das Netz an Winterwanderwegen ausbaut, hängt ebenso damit zusammen wie das Bemühen des Ferienorte-Verbundes Alpine Pearls, das Autofahren im Urlaub verzichtbar zu machen. Eine Reihe kleiner italienischer Städte hat sich darauf besonnen, dass beim Reisen Genuss und nicht Tempo im Vordergrund stehen sollte. Greve in der Toskana war 1999 die erste „Cittáslow“. Bald folgten weitere „langsame Städte“ wie Orvieto oder Positano.

Slow Cities: Entschleunigen im Urlaub

Slow Cities gibt es heute auch in Deutschland. Es sind nicht die Metropolen, sondern die Tourismusorte aus der zweiten Reihe wie Deidesheim oder Überlingen. Gerade solche Ziele sind dafür

Slow Travel – Die Kunst des Reisens von Dan Kieran.
Slow Travel – Die Kunst des Reisens von Dan Kieran. © Rogner & Bernhard

besonders geeignet, die man nicht per Flugzeug erreichen muss und in deren Altstadt Autos am besten gar nicht rein dürfen. Aber ist Slow Tourism vielleicht nur ein Modewort? „Man kann nicht jedes Angebot als Slow Travel verkaufen, bei dem es nur darum geht, entspannt durch Kohlfelder zu wandern“, sagt Martin Lohmann, dessen Institut in Kiel jährlich für die Reiseanalyse ermittelt, warum Menschen in den Urlaub fahren. „Der Begriff wird sicher inflationär verwendet“, ergänzt sein Professoren-Kollege Reinhardt, „genau wie Wellness.“ Aber der Trend zur Entschleunigung im Urlaub sei gegeben: „In den 80ern war Urlaub eine Imagefrage“, sagt Professor Leder – man prahlte mit den Urlaubszielen, je weiter, desto besser. Heute blamiert sich auch nicht, wer im Urlaub nur wandern geht.

C.H.

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