Urlauber willkommen

Reisen nach der Flut

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Helfer oder Hochwasser-Touristen: Wer jetzt in die betroffenen Gebiete reist, unterstützt die im Fremdenverkehr Beschäftigten.

Vor gut vier Wochen öffnete der Himmel seine Schleusen über Mitteleuropa. Und danach kam die Flut. Die schlimmsten Schäden sind inzwischen beseitigt...

...beseitigt, doch viele Urlauber fragen sich, ob Reisen in die betroffenen Gebiete derzeit überhaupt möglich sind.

Optimismus hilft: Alexandra Hollweck und Rudi Ammer vom Bastenhaus am Tegernsee.

Das Wochenende war gut gebucht, so gut wie alle Zimmer im Hotel Bastenhaus am See waren reserviert. Aber dann kam die Flut. „Das hat uns überrascht, wie schnell das Wasser gestiegen ist“, sagt Rudi Ammer. Sein Haus, das direkt in Tegernsee am Tegernsee liegt, soff ab. „Wir hatten 80 Zentimeter Hochwasser in den Wirtschaftsräumen“, Kühlung und Heizung fielen aus. Er musste allen Gästen absagen und fünf Tage lang schließen.

Fast alle, die reserviert hatten, zeigten Verständnis für die Ausnahmesituation, nur ein paar meckerten, weil ihr Urlaub ins Wasser fiel. Einige Stammgäste dagegen würden explizit jetzt buchen, um ihn zu unterstützen. Solche Solidarität tut gut. „Jetzt ist wieder Normalität eingekehrt“, sagt Rudi Ammer.

„Wir sind bereit für die Sommersaison!“

Das sagt auch die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), die als Marketingorganisation im Ausland für das Reiseland Deutschland die Werbetrommel rührt. „Die touristische Infrastruktur ist zum größten Teil wieder hergestellt“, heißt es im aktuellen Bericht zur Hochwassersituation in Deutschland. Umfassende Information sei jedoch dringend notwendig, so die DZT, denn es habe wegen der Flut auch schon Stornierungen für Silvesteraufenthalte in Hochwassergebieten gegeben.

Claudia Hinnerkopf vom Bayern Tourismus Marketing kann auch von einzelnen Stornierungen in Regionen berichten, die überhaupt nicht vom Hochwasser betroffen waren. Dabei helfe jede Übernachtung. „Wir brauchen jetzt Gäste, die die Zimmer in Anspruch nehmen“, sagt sie. Einschränkungen gebe es nur noch vereinzelt an der Donau in Niederbayern. „Wir sind bereit für die Sommersaison!“

Das ist auch das Bundesland Sachsen-Anhalt, wo nur noch bei den Radwegen direkt an Saale und Elbe mit Einschränkungen und Umleitungen zu rechnen ist, da Deiche gesperrt oder Wege beschädigt sind. Darüber hinaus ist nach Angaben der Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalts lediglich die Region Altmark noch teilweise von den Hochwasserfolgen betroffen und einzelne touristische Ziele können nicht besucht werden.

Fast Normalität vermeldet auch Sachsen: 95 Prozent der über 2000 Unterkünfte stünden Urlaubern zur Verfügung, meldet die Tourismus-Marketing-Gesellschaft des Freistaates. Ebenso könnten die meisten Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele ohne Einschränkungen besucht werden. Details sind auf speziell eingerichteten Seiten im Internet zu erfahren (Adressen siehe Info-Kasten unten).

Trotz der Schäden, die das Hochwasser in Niederbayern angerichtet hat, findet das europäische Kulturfestival „Zwischen den Horizonten“ in Passau, Oberösterreich und Tschechien statt. Ein Teil der Einnahmen fließt als Spende direkt an Flutopfer. Bis zum 28. Juli finden zahlreiche Konzerte, Vernissagen, Vorträge und Vorstellungen statt, einige Veranstaltungsorte müssen jedoch geändert werden. Infos unter www.ew-passau.de.

Vergleichsweise glimpflich ist Niedersachsen davongekommen. Nur am Elberadweg sind einzelne Abschnitte – vor allem solche, die auf Deichen entlangführen – noch nicht wieder befahrbar. Ähnliche Einschränkungen müssen Radler derzeit auch noch in Österreich in Kauf nehmen, wo es am Donauweg R1 noch zu Umleitungen kommen kann. Nachdem die Folgen des Hochwassers beseitigt wurden, „ist hier sehr schnell der Alltag eingekehrt“, sagt Markus Aspetzberger vom deutschen Büro der Österreich Werbung.

Dass derzeit an einigen der Fernradwegen mit Einschränkungen zu rechnen sei, hält Wolfgang Richter, Tourismusreferent des ADFC, für kein großes Problem. In den heißen Sommermonaten seien sowieso eher weniger Radler auf diesen Strecken unterwegs, „bis Herbst müssten die meisten Wege wieder befahrbar sein.“

Etwas Geduld brauchen auch noch Gäste der Deutschen Bahn sowie Urlauber auf Flusskreuzfahrten. Züge verkehren wegen der Hochwasserschäden stellenweise noch mit Einschränkungen, die Schiffe auf der Donau werden derzeit noch von einer nicht befahrbaren Schleuse zwischen Passau und Wien aufgehalten. „Langfristig wird sich der Markt wieder normalisieren“, beurteilt Andreas Rodenfeld, Marketingchef des Europäischen Flussreise-Marktführers Arosa, die Lage, „das wird aber noch einige Wochen dauern.“ Sein Unternehmen verzeichnet jedoch unverändert Neubuchungen.

So mancher Gast habe, so heißt es in der Branche, nach der Stornierung der Reise sofort für einen neuen Termin gebucht. Solche Urlauber braucht das Reiseland Deutschland. „Diejenigen, die kommen, helfen uns am meisten“, sagt Rudi Ammer. Optisch sei die Überschwemmung überstanden, meint der Hotelier vom Tegernsee. „Aber das Finanzielle müssen wir aufarbeiten“, sagt er leise.

Volker Pfau

Hier können sich Urlauber informieren

TOURISMUS Die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT) bietet Informationen zur aktuellen Situation und weitere Links zu regionalen Tourismusbüros im Internet unter www.germany.travel/de.

Informationen über die Situation in einzelnen Bundesländern:

BAYERN: Bayern Tourismus Marketing, Tel. 089/212 39 70, www.bayern.by.

NIEDERSACHSEN: Flusslandschaft Elbe Tourismus-Gesellschaft, Tel. 058 52/ 951 98 80, www.erlebnis-elbe.de.

SACHSEN: Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen, Tel. 03 51/49 17 00, www.sachsen-tourismus.de.

SACHSEN-ANHALT: Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt, Tel. 03 91/568 99 80, www.sachsen-anhalt-tourismus.de.

HOCHWASSER Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes informiert zu den Wasserständen unter www.wsa-magdeburg.de/service/wasserstaende oder unter www.pegelonline.wsv.de.

Der Hochwassernachrichtendienst für Bayern mit Lagebericht und Meldestufen steht im Internet unter www.hnd.bayern.de.

BAHN Die Folgen des Elbe-Hochwassers sorgen auch noch in den kommenden Wochen für Beeinträchtigungen im Fernverkehr der Bahn. Aktuelle Informationen unter www.bahn.de/aktuell oder der kostenlosen Hotline 08 00/99 66 33.

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