Action pur, aber ganz entspannt

Komm mit uns ins Abenteuerland!

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Glenns Welt: Der Jetbootpilot aus Queenstown schleust Urlauber auf einem wilden Wellenritt durch die tiefen Schluchten des Shotover River.

20 Stunden im Flieger und noch kein Ankommen in Sicht: Ein Trip nach Neuseeland ist im wahrsten Sinne des Wortes eine beinharte Angelegenheit. Ob sich das lohnt?

Darauf gibt unser Autor Wolfgang Deponte, auch privat ein eingefleischter Neuseeland-Fan, eine klare Antwort: Ja, unbedingt! Wegen der großartigen Landschaften Aotearoas, dem Land der weißen Wolke, wie Neuseeland bei seinen Ureinwohnern heißt. Und wegen der Begegnung mit den Menschen. Die Kiwis sind das, wofür man auf den Inseln den Begriff „laid back“ benutzt. Übersetzen lässt sich das in etwa mit entspannt, unaufgeregt, zurückgelehnt – in sich ruhend eben. Umso aufregender ist das, was man mit ihnen erleben kann. Sechs Beispiele:

Lucy und die Naturwunder

Lucy und die Naturwunder

Lucy ­Hodgson begegnet man im Abel Tasman National Park – auf einer der spektakulären Hängebrücken über dem Urwald etwa. Lucy ist so etwas wie die weibliche Ausgabe von Crocodile Dundee, nur dass die Füße der jungen Rangerin in Wandersandalen statt Krokostiefeln stecken. Sie kennt jeden Winkel des 225 Quadratkilometer großen Schutzgebietes an der Nordküste der Südinsel. Käfer, Pilze, Bäume, Vögel – Lucy ist ein wandelndes (oder besser wanderndes) Naturlexikon. Und eine Motivationskünstlerin. Es gibt Menschen, die würden freiwillig nie im Leben ein Kajak besteigen. Nach fünf Minuten mit Lucy im Boot erklären sie Paddeln glatt zu ihrem Lieblingssport. Und wenn man dann abends nach einer langen Wanderung in einer der komfortablen Lodges im Nationalpark beim gemeinsamen Essen in der großen Küche sitzt und später vor dem Kamin, dann nimmt einen Lucy mit auf eine Zeitreise – mit Geschichten von den ersten Siedlern in der Bay. Manche endet tragisch. Denn das wilde Paradies am anderen Ende der Welt hat auch seine Tücken. Aber mit Lucy an der Seite kann einem ja praktisch nichts passieren ...

Kontakt Lucy Hodgson: www.abeltasman.co.nz, Reservierungen unter Tel. 0064/3-528-2027.

Nervenkitzel mit Glenn

Ein Date mit Glenn Scott, dem smarten Sonnyboy aus Queenstown im Süden der Südinsel, verspricht Nervenkitzel. Glenn war früher Polizist im Streifenwagen. Heute ist er Jetboot-Pilot und rast täglich mit einer Ladung voll abenteuerlustiger Touristen durch die Canyons des Shotover River. Das ist Millimeter-Arbeit in Höchstgeschwindigkeit zwischen felsigen Schluchten. Aber Glenn gibt einem das Gefühl, dass das Ganze auch nicht gefährlicher ist, als ein Ausflug mit der Bayerischen Oberlandbahn. Nur wenn er den Finger hebt und kreiseln lässt, wird’s einem flau in der Magengegend, denn das ist die Ankündigung, dass er das Boot gleich einmal um den eigenen Rumpf über die Wellen rotieren lässt.

Rund 5500 wilde Wasserritte hat Glenn seit seinem Jobwechsel 2008 absolviert. Ob da nicht jemand um ihn Angst hat? „No wife, no kids“, lacht Glenn – und lässt den Finger kreiseln.

Kontakt Glenn Scott: Shot-over Jet, Tel. 0064/3-4428570, www.shotoverjet.com.

Schafe zählen mit Regina

Reginas Welt: Die Freisingerin lebt auf einer Schaffarm mit 25000 Tieren, drei Autostunden von Queenstown entfernt.

„Servus mitanand!“ Ja gibt’s denn so was! Da radelt man quer durchs Hochland hinter Queenstown, den schneebedeckten Mount Earnslaw im Blick, und dann begrüßt einen auf der Walter Peak Farm am Ufer des Lake Wakatipu jemand in bestem Bairisch: „Wo kommt’s Ihr denn her?“ fragt Regina Bernbeck. Sie selbst stammt aus der Nähe von Freising. Vor ein paar Jahren hat sie im Urlaub den Neuseeländer Dave kennen- und lieben gelernt – und Deutschland den Rücken gekehrt. Das Paar lebt auf der Mt. Nicholas Farm am Fuße der Südalpen, drei Autostunden von Queenstown entfernt. Regina führt ein neuseeländisches Landleben, mit Pferd und Hirtenhund Bess und 25.000 Schafen. Rund 9000 Deutsche leben derzeit in Neuseeland – und fast alle sagen, wenn man sie trifft, dasselbe wie Regina: „Ich bin hier bei mir selbst angekommen.“ Ob sie was vermisst? Die Familie und die Freunde daheim natürlich. Aber ab und an kommen ja ein paar Bayern vorbei…

Kontakt Regina Bernbeck: Tel. 0064/3-4090712, www.mtnicholas.co.nz

Wale schauen mit Lisa

Lisas Welt: Das Unternehmen Whale Watch Kaikorua verspricht seinen Kunden eine fast 100-prozentige Erfolgsgarantie.

Wer die Südinsel Neuseelands bereist, darf Kaikoura nicht auslassen. Das kleine Städtchen liegt einmalig schön direkt am Meer, zehn Kilometer entfernt von der bis zu 2600 Meter hohen Kaikoura Range. Die Küste hat hier eine geologische Besonderheit: Vom Ufer geht es extrem steil 1400 Meter in die Tiefe. Das sind ideale Bedingungen, um Pottwale zu beobachten. „Ihre Chance liegt bei 96 Prozent, dass Sie einen in nur zehn, fünfzehn Metern Entfernung vor die Kamera kriegen“, verspricht Lisa Bond („Mein Name ist Bond, Lisa Bond …“). Lisa war 19, als sie von der High School ins Unternehmen kam. Sie steht für das neue, wiedergewonnene Selbstbewusstsein vieler Maori, jener ersten Siedler Neuseelands, die vom Aufschwung des Landes am wenigsten profitiert hatten und immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Bill Salomon, einer der Maori-Chiefs, hat Whale Watch Kaikoura gegründet. Das Unternehmen, das zu 100 Prozent den Maori gehört, ist der größte Arbeitgeber in der Region. 100.000 Passagiere werden jedes Jahr begleitet. Und der Pottwal ist fast immer garantiert.

Kontakt Lisa Bond: The Whaleway Station, Tel. 0064/3-319-6767, www.whalewatch.co.nz.

Einladung bei Maurice

Einladung bei Maurice

Wer mehr über die Geschichte der Maori wissen will, der sollte in Kaikoura unbedingt auch Maurice treffen. Eigentlich heißt er Manawatu Te Ra, was so viel heißt wie: der Mittelpunkt (das Herz) jeden Tages. Und das ist Maurice (47) tatsächlich – als Oberhaupt eines 116-köpfigen Familienclans und Boss der Maori Tours Kaikoura. Menschen wie Maurice ist es zu verdanken, dass Kultur und Sprache der Maori wieder aufleben. Mit viel Humor bringt Maurice Touristen die alten Maori-Lieder bei, lehrt die Begrüßungsrituale – man reibt die Nasen aneinander – und berichtet von Legenden. Und am Ende einer Führung lädt er jeden Touristen zum Essen in sein Haus ein. Sie werden dabei ein paar seiner 116 Verwandten kennen lernen.

Kontakt Maurice Manawatu: Maori Tours Kaikoura, Tel. 0064/3-3195567, www.maoritours.co.nz.

Comfort Stops mit Roger

Sie können Neuseeland auf eigene Faust entdecken. Sie können sich das Land aber auch zeigen lassen. Zum Beispiel von Roger Thomas (50), der eigentlich in Karlsruhe geboren und aufgewachsen ist, aber seit seiner Studienzeit in Christchurch lebt und mit einer Neuseeländerin verheiratet ist. Roger hat schon über 8000 Touristen durchs Land begleitet – immer mit dem Ziel, ihr Herz für die Schönheiten der Inseln zu öffnen. Roger ist perfekt für eine Tour, weil er deutsche Planung mit neuseeländischer Gelassenheit verknüpft und jede Busfahrt mit spannenden Geschichten füllen kann. Zudem ist Roger sehr diskret. Pinkelpause – bei Roger heißt das: Comfort Stop. Und – kein Witz – auch öffentliche Toiletten gehören in Neuseeland zur Landeskunde. Und Roger kennt sie alle: Die landschaftlich schönste liegt am Pleasant Flat östlich des Haast Passes, das einladendste Ambiente bietet das Häusl am Benmore-See und ein regelrechter Touristenmagnet ist die Toilette, die Friedensreich Hundertwasser in Kawakawa gestaltet hat.

Kontakt Roger Thomas: Tel. 0064/3-3149518, Handy: 0064/21-1283327, www.heartlandtours.com.nz.

DIE REISE-INFOS ZU NEUSEELANDS SÜDEN

Neuseeland

REISEZIEL Neuseeland liegt im Südpazifik und besteht aus zwei Hauptinseln (Nord- und Süd-) und mehreren kleineren Inseln, die teils auf der australischen, teils auf der pazifischen Platte liegen. Weder geografisch noch kulturell lässt sich das Land einem bestimmten Kontinent zuordnen. Mit 268.000 Quadratkilometern ist Neuseeland kleiner als Deutschland (356.000 Quadratkilometer), hat aber nur 4,4 Millionen Einwohner (Deutschland: 82 Millionen).
ANREISE Von München aus fliegt Singapore Airlines täglich nach Auckland oder Christchurch (Hin-/Rückflug ab 1215 Euro im Reisezeitraum 1. April 2013 bis 31. März 2014). Bei An- und Rückreise empfiehlt sich ein Stopover in Singapur. Mit Übernachtung, Transfer und Eintritt zu diversen Sehenswürdigkeiten kann das Paket zu einem Flug mit Singapore Airlines bis 31. März 2013 bereits ab 20 Euro/Person gebucht werden. Im Reisebüro oder unter www.singaporeair.de.

REISEZEIT Neuseelands Klima verhält sich umgekehrt zu den europäischen Jahreszeiten. In Neuseeland beginnt der Frühling im September und der Sommer im Dezember. Generell herrscht auf den Inseln ein windiges, maritimes Klima mit sonnigen Sommern (Höchsttemperaturen um die 24 Grad) und milden Wintern (durchschnittlich 15 Grad).

VERANSTALTER Ein umfangreiches Programm für Neuseeland (Reisen auf alle Arten, 72 Hotels von der Drei- bis Fünf-Sterne-Kategorie sowie kleine, privat geführte Lodges) hat Dertour. Beispiel: „Neuseeland aktiv“, Flugpauschalreise inklusive Mietwagen, 24 Tage/20 Nächte ab/bis München ab 3169 Euro mit Übernachtung in Mittelklassehotels, Ausflügen (z.B. Schifffahrt in den Bay of Islands, Abel Tasman National Park, Radltour in Queenstown und Fähre Wellington-Picton). Buchung im Reisebüro oder im Internet unter www.dertour.de.

INSIDER-TIPP von Maori-Chief Maurice: Rakirura (Stewart Island) im Süden der Südinsel – weil es immer noch ein fast unberührtes Paradies ist.

LESETIPP „Was scheren mich die Schafe“: Auslandskorrespondentin Anke Richter enthüllt, wie die Kiwis wirklich sind. Kiwi-Verlag, ISBN: 978-3-462-04289-4, 14,99 Euro.

WEITERE INFOS über die Website von Neuseeland Tourismus unter www.tourism-newzealand.com/de.

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