Eurovision Song Contest

Malmö macht Musik

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Straßenmusikanten: Diese Künstler in Gamla Staden, der Altstadt von Malmö, nehmen nicht am Eurovision Song Contest teil.

Der 58. Eurovision Song Contest findet vom 13. bis 18. Mai 2013 in Malmö statt. Für die drittgrößte Stadt Schwedens ist das eine Chance, denn immer noch steht sie im Schatten von Stockholm und Göteborg.

Morgens fährt Eva mit dem Zug von Kopenhagen aus über die Öresundbrücke zur Arbeit nach Malmö. Das spektakuläre, acht Kilometer lange Bauwerk hat Symbolcharakter – Verbindung über die Meerenge zwischen Schweden und Dänemark. „Durch die Brücke sind wir viel näher ans südliche Europa gerückt. Außerdem ist der Flughafen Kopenhagen keine 20 Minuten mit dem Zug von Malmö entfernt“, fügt die junge Pendlerin an.

Mit der schnellen Verbindung zum Flughafen, den kurzen Wegen von der Eventhalle Malmöarena in die City und einem eigenen Bahnhof an der Arena überzeugte Malmö die Veranstalter des Eurovision Song Contests (ESC) und ist nun zum zweiten Mal nach 1992 Austragungsort des Gesangwettstreits. Malmös große Rivalen Stockholm und Göteborg hatten das Nachsehen. Eine Woche im Mai wird die 300.000 Einwohner zählende Metropole im Zeichen des Musikwettbewerbs stehen.

Singt für Deutschland: Natalie Horler von der Band Cascada.

Jeweils mehr als 10.000 Zuschauer werden die Bühnenacts in der Malmöarena verfolgen. Anna-Maria Havskogen, ESC-Projektleiterin des Schwedischen Fernsehens (SVT), lässt keinerlei Zweifel daran aufkommen, dass im Mai die Musik in Malmö spielt: „Auch für die Musikfans, die keine der begehrten Eintrittskarten mehr ergattern konnten, lohnt die Tour nach Malmö.“ An mehreren Plätzen in der Stadt werde die Shows auf Großbildwände live übertragen.

Die Provinzstadt am Öresund hat sich in den vergangenen 20 Jahren vom grauen Industriestandort zu einer lebendigen Kulturmetropole und zum wichtigsten Hochschulzentrum Südschwedens entwickelt. „In den 1990er Jahren war der Ruf von Malmö wirklich nicht sehr gut“, gibt Stadtführerin Mia Klatte beim Rundgang durch die Altstadt freimütig zu. Damals hatte die Krise Malmö voll im Griff: Die Kockums-Werft machte 1998 dicht, tausende Beschäftigte wurden arbeitslos. Die Kriminalitätsrate war hoch, soziale Probleme mit Zuwanderern aus dem Ausland kamen hinzu.

Diese düsteren Zeiten sind überwunden. Heute gilt Malmö als umweltbewusste und grüne Stadt. Auf 300 Parks und Grünanlagen weist die Stadtverwaltung stolz hin, darunter ist mit dem 1891 gegründeten Folkets Park auch der älteste Vergnügungspark Schwedens. Hotels und Restaurants in Malmö setzen auf Nachhaltigkeit.

Mit dem Fahrrad lassen sich die Altstadt (Gamla Staden) und das etwa einen Kilometer entfernte moderne Westhafen-Quartier (Västra Hamnen) am besten erkunden. „Wir sind die Fahrradhauptstadt Schwedens. Stockholm kann von uns lernen“, unterstreicht Mia Klatte. Das Radwegenetz ist vorbildlich, in den nächsten sechs Jahren sollen 400 Millionen Schwedische Kronen (rund 48 Millionen Euro) in den weiteren Ausbau von Radwegen und Stellplätzen für Bikes investiert werden. Touristen können an mehreren Verleihstationen Zweiräder mieten.

Malmöarena: Hier findet der Musikwettbewerb statt.

In der Altstadt Gamla Staden verläuft das Leben ruhig und beschaulich. Hektik? In Malmö ein Fremdwort. Am Platz Lilla Torget mit Häusern aus dem 16. bis 18. Jahrhundert genießen Einheimische nach dem Einkaufsbummel auf der Södergatan in den Terrassencafés die ersten warmen Sonnenstrahlen. Nebenan auf dem Stortorget-Platz erinnert das Reiterstandbild von Karl X. Gustav an die Eroberung Malmös durch die Schweden im 17. Jahrhundert. Bis dahin gehörte Malmö zu Dänemark. Und nur wenige Schritte weiter erhebt sich mit der St. Petri Kyrka eines der ältesten Gebäude der Stadt.

Das über 800 Jahre alte Malmö steckt voller Kontraste. Auf Radwegen geht es schnell aus der Altstadt hinüber ins schicke Västra Hamnen (Westhafen). Der weitgehend autofreie Stadtteil entstand auf dem Gelände der ehemaligen Kockums-Werft. Weithin sichtbares Symbol von Västra Hamnen ist das vom spanischen Stararchitekt Santiago Calatrava entworfene Wohnhochhaus Turning Torso. Mit 190 Meter Höhe ist der spektakuläre Wolkenkratzer Skandinaviens höchstes Gebäude, dessen 54 Etagen sich um sich selbst zu drehen scheinen.

Turning Torso und die im Juli 2000 eröffnete Öresundbrücke setzen für Malmö wichtige Zeichen: Der Wolkenkratzer steht für den Wandel, die weltweit längste Schrägseilbrücke für den Straßen- und Eisenbahnverkehr für die enge Anbindung ans Nachbarland Dänemark. „Die Brücke hat für uns eine historische Dimension“, sagt Klatte. „Schließlich gehörten Malmö und die Provinz Skåne bis zum Jahr 1658 zu Dänemark.“ Für viele Bürger Malmös ist das 27 Kilometer entfernte Kopenhagen deshalb nicht nur geografisch nah, die 515 Kilometer entfernte schwedische Hauptstadt Stockholm aber ziemlich weit entfernt.

Bernd F. Meier

DIE REISE-INFOS ZU MALMÖ

REISEZIEL Malmö liegt im Süden Schwedens in der Provinz Skåne (Schonen) und ist mit rund 300.000 Einwohnern drittgrößte Stadt des Landes.

ANREISE Von München aus gibt es mit Lufthansa und SAS mehrmals täglich Direktverbindungen nach Kopenhagen. Von dort weiter mit dem Zug über die Öresundbrücke nach Malmö-Centralstation. Mit dem Auto beträgt die Entfernung von München rund 960 Kilometer. Von Lübeck-Travemünde gibt es eine direkte Fährverbindung.

ESC Der Eurovision Song Contest ESC findet vom 13. bis 18. Mai in der Malmöarena statt. Das Finale (17. und 18. Mai) ist ausverkauft, zu den Proben und Halbfinals gibt es noch Karten zum Preis ab 170 SEK (rund 20 Euro) unter www.ticnet.se. Weitere Infos zum ESC unter www.eurovision.de.

ÜBERNACHTEN Das Angebot in Malmö reicht von Campingplätzen über Hostels bis hin zu Hotels der Luxuskategorie. Wegen der guten Verkehrsanbindung sollte man auch eine Übernachtung in Kopenhagen in Betracht ziehen (Info: VisitDenmark, Hamburg, www.visitdenmark.com).

AUSKUNFT Deutsches Büro von VisitSweden, Tel. 069/22 22 34 96, www.visitsweden.com; Touristinformation Malmö im Hauptbahnhof, Malmö, Tel. 00 46/40/34 12 00, Internet: www.malmotown.com.

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