Frust mit gefälschten Bewertungen

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Frust mit gefälschten Bewertungen

Hotelportale bieten die bequeme Möglichkeit, sich bereits daheim am am Computer ein Hotel auszusuchen. Doch bei den Bewertungen im Netz sollten Interessenten misstrauisch bleiben.

Das von einem angeblichen Gast im Internet in den höchsten Tönen gelobte, liebevoll geführte Stadthotel erweist sich als billige Absteige. So etwas kann einem durchaus den im Internet gebuchten Urlaub vergällen. Immer mehr Reisende, die sich Hotel und Flug individuell heraussuchen, machen schlechte Erfahrungen bei Hotelbewertungen. Bis zu einem Drittel der abgegebenen Bewertungen seien „Fakes“, sagt der Touristik-Experte Roland Conrady von der Fachhochschule Worms. Allerdings versuchen die meisten Hotel- Portale, die Schwarzen Schafe unter ihren Besuchern herauszufinden. Mit unterschiedlichem Erfolg, wie die Zeitschrift „Test“ herausfand, als sie Hotelbuchungsportale im Internet unter die Lupe nahm (Mai-Ausgabe).

Wie Portalbetreiber ihre Kunden schützen

Es gibt zwei unterschiedliche Strategien der Portalbetreiber, sich vor Fälschungen zu schützen. Die Erste ist der Aufbau hoher Hürden, bevor man Noten an Hotels vergeben darf. Einige Seiten verlangen einen Buchungsnachweis. Das soll Trickser fernhalten. Zoover, Tripadvisor und Booking, sind hier besonders gut und erhalten in dieser Teildisziplin die Note sehr gut. Der zweite Weg ist ungleich aufwendiger: Mitarbeiter suchen gezielt nach Fälschungen und nehmen Verdachtsfälle zügig aus dem Netz. Dabei erreichen Holidaycheck und Hotelclub die besten Ergebnisse und die Note gut. Doch kein einziges der untersuchten Portale ist bei beiden Wegen gleichermaßen erfolgreich. So sind gefälschte Bewertungen nicht auszuschließen.

Wenn der Hotelier sich selbst benotet

Wenn der Betreiber eines Hotels seinen Freundeskreis zu Bewertungen anstiftet, verzerrt das das Ergebnis. Also sollte man nur auf schlechte Bewertungen achten? Auch da gibt es Fälschungen, deren Urheber ein Konkurrent sein könnte, ergab eine Umfrage, die Conradi seine Studenten durchführen ließ.

Immer mehrere Portale nutzen

Der einzige Ausweg aus dem Benotungsfrust bei Hotel- Portalen für die Kunden ist, die Vielfalt zu nutzen. „Wenn Sie ein Hotel suchen, sollten Sie immer mehrere Portale konsultieren“, empfiehlt „Test“. Stark voneinander abweichende Meinungen seien noch kein Hinweis Fälschungen. Dazu seien Ansprüche und Erwartungen zu unterschiedlich. Wichtig ist es auch, auf Fotos zu achten, die Nutzer eingestellt haben. „Diese seien oft aussagekräftiger als lange Texte“, heißt es in „Test“. Doch auch Bilder können trügerisch sein, warnt Tourismus- Experte Conradi. Ein auf Bild vom weitgehend geplünderten Frühstücksbuffet wirkt abschreckend, der Blick vom Balkon aufs Meer dagegen macht sich hübsch. Natürlich nur dann, wenn die Baustelle ausgeblendet wird, die in Wirklichkeit zwei Drittel des Blickfeldes verstellt.

Suchfunktionen manchmal dürftig

Erstaunlich viele Portale patzen in einem Bereich, in dem die Betreiber die Vorteile des Mediums Internet eigentlich besonders gut ausspielen könnten: bei der Suche und der Darstellung der Ergebnisse. Vorbildlich beim Suchen ist Holidaycheck. Das Portal erhält in dieser Disziplin die Note „sehr gut“. Mit einem „gut“ bei Ergebnisdarstellung ist HRS in diesem Bereich Spitzenreiter. „Test“ lobt die vielen Sortiermöglichkeiten und die ausführlichen Angaben zu den Hotels.

Fallstricke beim Buchungsklick

Bevor man die Buchung mit einem letzten Klick bestätigt, sollte man auf jeden Fall alle Daten noch einmal überprüfen: Stimmt der Buchungszeitraum? Entspricht die Zimmerkategorie der gesuchten? Auch ein Blick auf die Stornierungsbedingungen kann späteren Enttäuschungen vorbeugen. Wichtig ist außerdem die Prüfung, ob irgendwelche Versicherungen oder andere Zusatzangebote von einem Portal voreingestellt worden sind, die man nicht will, die aber nach einer Buchung bezahlt werden müssen. Am besten gleich wegklicken.

Auch die Datenschutzbestimmungen des Anbieters sollte man nicht nur einfach zur Kenntnis nehmen, sondern auch wenigstens einmal kritisch durchlesen. Sonst wird man schnell zum Spam- Opfer. Und nur wenn beim Buchen die Internetadresse mit „https://“ beginnt, kann man sich sicher sein, dass nicht in wenigen Sekunden die eigenen Kreditkartenoder Kontodaten für andere ohne Weiteres einsehbar durchs weltweite Netz reisen.

Guter Rat ist Mangelware

Beim Punkt Beratung war „ausreichend“ noch die beste Note. Bei offenen Fragen zu einem Hotel, sollte man sich nicht mit teuren Hotlines herumschlagen, sondern zur Klärung und Buchung besser ins Reisebüro gehen.

Hotelportale im Test: Sieger und Verlierer

Unter den Hotelvermittlungsportalen ist Holidaycheck.de laut „Test“ die beste Wahl. Beim Erkennen fingierter Bewertungen erreichte es ein „gut“, bei der Suchfunktion ein „sehr gut“ – Note 2,4.

  • Zoover.de fordert für Bewertungen einen Buchungsnachweis – Note 2,8. Trivago.de glänzt nicht, zeigt aber auch keine gravierenden Schwächen – Note 3,1.
  • Tripadvisor.de schwächelt bei der Hotelinformation – Note 3,6.
  • Google.de schnitt als einziger Anbieter mit mangelhaft ab – Note 4,9.

Buchungsportale im Test

  • Booking.com ist Sieger bei den Bewertungen, leistet sich aber kleine Schwächen bei der Hotelinformation – Note 2,3.
  • HRS.de liegt bei den Hotelinformationen vorn, erreicht aber beim Erkennen fingierter Bewertungen nur ein „ausreichend“ – Note 2,4.
  • Hotelclub.com führt das Mittelfeld an, Hotelinformationen sind nur „ausreichend“ – Note 3,0.
  • Hotels.com zeigt Schwächen bei der Bewertung – Note 3,6.
  • Hotel.de wurde wegen Mängeln bei der Bewertung abgewertet – Note 3,6.
  • Hotelreservierung.de hat die Tester über eine voreingestellte, aber in den meisten Fällen sinnlose Stornoversicherung verärgert – Note 3,8.
  • Venere.com veränderte einmal während der Buchung den Preis. Das Hotel wurde teurer – Note 4,1.

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