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Flug buchen: vorher Browser-Verlauf löschen – werden Flugpreise dadurch günstiger?

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Von: Franziska Kaindl

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Wer oft nach bestimmten Flugverbindungen sucht, bekommt bald teurere Preise angezeigt – so lautet ein Mythos rund um die Flugbuchung. Was steckt dahinter?

Ein Flug wird meistens nicht spontan gebucht. Stattdessen tauschen sich Reisende zuerst noch mit ihren Reisepartnern aus, vergleichen Preise oder lassen sich erst einmal nur für den nächsten Urlaub inspirieren. Genau das soll den Airlines allerdings zu mehr Geld verhelfen – zumindest, wenn man einem Buchungs-Mythos Glauben schenkt. Dieser besagt, dass Airlines die Preise anhand des Suchverlaufs ihrer Kunden nach oben schrauben. Wer schließlich oft nach derselben Flugverbindung sucht, könnte schon bald die Strecke buchen, so die Annahme. Um diese Falle zu umgehen, löschen daher viele Kunden vor einer Buchung zuerst ihren Browserverlauf. Aber bringt das wirklich etwas?

Steigende Flugpreise bei wiederholten Suchanfragen? Wohl eher ein Mythos

Wenn es nach Webseiten geht, die sich auf die Suche von günstigen Flügen für ihre Kunden spezialisiert haben, dann handelt es sich schon bei den steigenden Preisen um einen Mythos. „Wir führen jeden Tag Tausende von Suchvorgängen durch, Tag für Tag. Wenn die Preise auf der Grundlage dieser früheren Suchvorgänge steigen würden, würden wir das sehen“, sagte Scott Keyes, Gründer und Flug-Experte von Scott‘s Cheap Flights laut Travel + Leisure. Airlines und Online-Reiseanbieter würden sich zwar die IP-Adressen der Webseiten-Besucher merken, allerdings nur, um genaue standortbezogene Details wie Sprache oder Währung bereitzustellen.

Ein Flugzeug hebt von der Landebahn ab.
Fliegen ist in diesem Jahr teurer als sonst – aber hilft es zu sparen, indem man den Browserverlauf vor der Buchung löscht? (Symbolbild) © Cavan Images/Imago

Ähnlich sieht das Kyle Potter in einem Blog-Beitrag von Thrifty Traveler, einem Unternehmen, das ebenfalls günstige Angebote für Reisende sucht: „Wir suchen den ganzen Tag, jeden Tag nach Flügen. Würden die Fluggesellschaften unsere Suchanfragen verfolgen, könnten wir niemals günstige Flüge finden. Und glauben Sie mir, das tun wir.“ Seiner Meinung nach würde es nichts bringen, im Inkognito-Modus nach Flügen zu suchen, genauso wenig, wie das Löschen von Cookies.

„Flugpreise sind unglaublich volatil“: Wenige Sekunden können Unterschied ausmachen

Die US-Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports untersuchte vor einigen Jahren die Flugpreise mehrerer Vergleichsportale, indem sie auf verschiedenen Browsern Suchanfragen stellten – mit und ohne Browser-Historie. Tatsächlich wurden auf allen untersuchten Webseiten mindestens einmal unterschiedliche Flugpreise in verschiedenen Browsern zur selben Zeit angezeigt. Am häufigsten habe es preisliche Unterschiede bei Google Flights und Kayak gegeben. Die Preise schwankten bei den Browsern, in denen alle Cookies gelöscht wurden, jedoch sowohl nach oben als auch nach unten.

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„Cookies hin oder her, es ist für uns unmöglich, verschiedenen Nutzern unterschiedliche Preise anzuzeigen“, sagte damals ein Sprecher von Kayak zu den Ergebnissen. Die Unterschiede bei den Preisen müssen demnach entstanden sein, weil die Suchen nicht exakt gleichzeitig, sondern mit wenigen Sekunden Abweichung gestartet wurden. Auch aus Sicht von Scott Keyes von Scott‘s Cheap Flights können Preise innerhalb weniger Minuten ansteigen – allerdings läge es eher daran, dass die Nachfrage gestiegen sei. Wenn ein Sitzplatz verkauft wurde, steige der Preis in die nächste Stufe. „Flugpreise sind unglaublich volatil“, so Scott.

Die US-Verbraucherschützer schlossen ihren Bericht mit dem Fazit, dass nicht nachzuvollziehen sei, ob die Preisgestaltung der Anbieter tatsächlich auf der Browser-Historie basiere. Aber: „Um Ihre Chancen zu erhöhen, die niedrigsten Flugpreise zu finden, sollten Sie mehrmals und über mehrere Tage hinweg nach Flügen suchen, und zwar sowohl mit als auch ohne gelöschte Cookies in Ihrem Browser.“ Es kann sich also trotzdem lohnen, den Browserverlauf zu löschen – nur eben aus anderen Gründen.

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