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Flugtickets: Findet die Vorkasse bald ein Ende?

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Von: Franziska Kaindl

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Beim Kauf von Flugtickets ist es üblich, den Preis bereits bei der Buchung zu zahlen. Das Verbraucherschutzministerium stellt die Vorkasse-Praxis nun infrage.

Der durch die Corona-Pandemie verursachte Personalmangel in der Luftfahrtbranche sorgt derzeit für viel Chaos an den Flughäfen – auch in Deutschland. Flüge werden kurzfristig gecancelt, Koffer gehen verloren und an den Check-in-Schaltern bilden sich lange Warteschlangen. Das Verbraucherschutzministerium spricht schon jetzt eine Warnung an die Fluggesellschaften aus, die Ticketkosten bei einer Flugannullierung rechtzeitig zu erstatten. Zu der Corona-Pandemie hat sich nämlich bereits gezeigt, dass viele Kunden mehrere Monate auf ihr Geld warten mussten – dabei sollten sie Ihre Kosten laut Fluggastrechteverordnung innerhalb von sieben Tagen erstattet bekommen. Und zwar dann, wenn der Flug ersatzlos gestrichen wurde.

Warteschlangen vor dem Sicherheits-Check.
Viele Reisende treffen aktuell auf ein ausgedünntes Flughafenpersonal. © Arnulf Hettrich/Imago

Verbraucherministerium droht mit Prüfung der Vorkasse-Praxis

Bei Flugbuchungen ist es üblich, dass Kunden die Tickets im Voraus bezahlen. Doch eigentlich müssen Verbraucher für eine Leistung erst dann zahlen, wenn diese auch erbracht wurde. „Bei der Vorkasse-Praxis haben Fluggäste ein hohes Risiko, wenn es zu Flugausfällen oder Insolvenzen von Fluggesellschaften kommt“, so ein Sprecher des Verbraucherschutzministeriums dem ARD-Hauptstadtstudio. „Wir haben die klare Erwartung, dass Airlines ihre gesetzlichen Pflichten erfüllen“, lautet daher die Forderung aus dem Ministerium.

Auch eine Sprecherin von Ministerin Steffi Lemke (Grüne) erklärte laut dem WDR gegenüber der „Welt am Sonntag“, dass Flugunternehmen gesetzlich dazu verpflichtet seien, sich „proaktiv“ um die Rückerstattung innerhalb der Frist zu kümmern: „Sonst wird man die Vorkasse-Praxis in ihrer jetzigen Form überprüfen müssen.“ In der Praxis bleibt es meist an den Passagieren hängen, die Erstattung ihrer Ticketkosten einzufordern.

Luftfahrtbranche reagiert auf Kritik an Vorkasse-Modell

„Selbstverständlich haben Passagiere ein Anrecht auf fristgerechte Rückerstattung ihres Ticketpreises, wenn sie ihren annullierten Flug nicht umbuchen wollen“, sagte Matthias von Randow, der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, hinsichtlich der Debatte laut dem ARD-Bericht. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass Kunden bei Vorkasse den Vorteil von Frühbucherrabatten hätten. Die Bundesregierung hingegen prüft aktuell, ob eine automatisierte Auszahlung der Ticketpreise bei einer Annullierung möglich sei. (fk)

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