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Die geheimen Orte der Päpste

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Vatikanische Gärten
Die Vatikanischen Gärten sind ein grüner Hügel der Stille. © Christoph Driessen/dpa-tmn

Petersdom und Sixtinische Kapelle sind bekannte Touristenziele im Kirchenstaat. Aber es gibt auch einen Vatikan für Entdecker. Dazu muss man eine Losung kennen. Und die gilt nur auf Deutsch!

Rom - Wenn sich die Touristen ihren Weg über den Petersplatz bahnen, werden sie von den sakralen Prachtfassaden des Vatikans umschlossen. Auf den ersten Blick ist es eine Steinwüste. Die wenigsten Besucher ahnen wohl, dass sich gleich hinter dem Petersdom ein Art Garten Eden verbirgt.

Die Rückseite des Vatikans ist grün. Mehr als die Hälfte der 44 Hektar großen Staatsfläche inmitten von Rom besteht aus Natur. Es ist der geheimnisvolle Garten der Päpste.

Um hier hineinzukommen, muss man sich anmelden - in der Regel mit einem Vorlauf von einigen Monaten, denn das Interesse ist riesig und das Angebot begrenzt. Auch das macht das Besondere aus.

Hier drängt man sich nicht im Pulk durch die Gänge und Säle, so wie in den Vatikanischen Museen auf dem Weg zu Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle. Die Vatikanischen Gärten zu besuchen, hat noch immer einen Hauch von Exklusivität.

Die Anlage lässt sich als ein in den Süden verlegter englischer Landschaftsgarten beschreiben. Eine künstliche Grotte, ein Rosengarten, eine alte Villa und ein verwunschenes Waldstück mit antiken Statuen aus der Römerzeit sorgen dafür, dass es nie langweilig wird. Zur Tiberseite hin erhebt sich die mächtige Kuppel des Petersdoms über die Palmenwipfel. Ein spektakulärer Anblick.

Mögliche Begegnungen mit dem Heiligen Vater

Die eigentliche Attraktion aber spielt sich in den Köpfen der Besucher ab. Es ist die Vorstellung, dass hier jederzeit der weiße Mann um die Ecke kommen kann - der Heilige Vater höchstpersönlich.

Zumal Altpapst Benedikt XVI. die Gärten zu seinem Wohnsitz gemacht hat: Seit seinem Rücktritt 2013 verbringt Joseph Ratzinger seinen Lebensabend in dem hier gelegenen Kloster Mater Ecclesiae. Es ist ein großzügiger, villenartiger Bau samt Privatkapelle, dessen Gemüsegarten von einer hohen Hecke blickdicht abgeschlossen wird.

Kloster Mater Ecclesiae
Das Kloster Mater Ecclesiae in den Vatikanischen Gärten ist der Wohnsitz des emeritierten Papstes Benedikt XVI. © Christoph Driessen/dpa-tmn

Touristenführerin Kinga erzählt, dass einer ihrer Kollegen ihn noch kürzlich gesehen hat. Nonnen schoben ihn im Rollstuhl über die Wege. „Er hat sofort alle Leute gesegnet.“

Zugang zum Friedhof nur mit einem bestimmten Spruch

Ein noch exklusiverer Ort als die Vatikanischen Gärten ist der Campo Santo Teutonici e dei Fiamminghi, der Friedhof der Deutschen und Flamen. Um ihn zu erreichen, muss man links an den Kolonnaden des Petersplatzes vorbeigehen bis zu einer Kontrollstation der Schweizer Garde. Dort tritt man auf den wachhabenden Gardisten in seiner prächtigen Uniform zu und richtet an ihn die Worte: „Ich begehre Einlass zum Campo Teutonico!“ Alsdann wird man durchgelassen.

Friedhof Campo Santo Teutonico
„Ich begehre Einlass zum Campo Teutonico!“: Mit dieser Losung kommt man auf den Friedhof im Schatten des Vatikan. © Christoph Driessen/dpa-tmn

Spricht man ihn dagegen etwa auf Englisch an, wird der Gardist fragen: „Sprechen Sie Deutsch?“ Verneint man das, wird der Zutritt verweigert. Nur Niederländer und Belgier dürfen noch passieren, sofern sie sich ausweisen können.

Das liegt daran, dass die Niederlande und das spätere Belgien bis zum Westfälischen Frieden 1648 noch zum Heiligen Römischen Reich deutscher Nation gehörten. Und für dessen Einwohner wurde der Friedhof ursprünglich gegründet.

Der in einem Innenhof gelegene Friedhof, der nur vormittags für Besucher geöffnet ist, ist ein Kleinod, ein verwunschener Ort der Stille, der zur Meditation einlädt. Eine große Palme und Zypressen ragen vor der blendend weißen Fassade des Petersdoms auf und machen den Friedhof auch im heißesten Sommer zu einem schattigen Platz.

Als die Landknechte den Papst laufen ließen

Danach noch schnell ein Abstecher zur benachbarten Engelsburg, der traditionellen Festung der Päpste, in die sie sich bei Gefahr zurückziehen konnten. So rettete sich Papst Clemens VII. 1527 durch den bis heute bestehenden Fluchtgang Passetto di Borgo in das als uneinnehmbar geltende Kastell.

Damals wurde Rom von einem nicht mehr kontrollierbaren, weil schlecht bezahlten Söldnerheer gestürmt. Zwei Drittel der Schweizer Garde kam um, als sie sich todesmutig den weit überlegenen Angreifern entgegenstellte. In der Villa des päpstlichen Bankiers hinterließ ein Landsknecht die Inschrift: „Was soll ich nit lachen - di Landsknechte haben den Babst laufen machen.“

Der „Sacco di Roma“, die Plünderung Roms, war eines der traumatischsten Ereignisse in der Geschichte der Ewigen Stadt. Die Schweizer Garde gedenkt der 147 Toten bis heute jedes Jahr mit einer Zeremonie am 6. Mai.

Ausblicke auf den Vatikan und die alte Wohnung des Altpapstes

Die Engelsburg hat eine Aussichtsplattform mit unschlagbarem Blick auf den Vatikan und ein Stockwerk tiefer ein zauberhaftes Café mit Außengastronomie. Ein weiterer sehr guter Aussichtspunkt mit Vatikan-Panorama ist die Dachterrasse des Hotels Atlante Star. Zudem geht hier oft ein laues Lüftchen, was im heißen Sommer sehr willkommen ist.

Vatikan
Blick von der Engelsburg auf den Vatikan. © Christoph Driessen/dpa-tmn

Auf dem Weg dorthin kann man die Piazza della Città Leonina passieren. Im Haus Nummer 1 lebte von 1982 bis zu seiner Wahl zum Papst 2005 Kardinal Joseph Ratzinger. dpa

Auf den Spuren der Päpste

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