Amerikas Pfad der Tränen

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Mit dem Bärentanz lassen die Cherokee beim Big Island Festival ihre Kultur wieder aufleben.

Die 900 Meilen Route war brutal. Doch der Treck der Cherokee hatte damals keine Wahl. Lange wurde die Tragödie verdrängt, doch heute erinnern mehrere Museen in Tennessee an den “Trail of Tears“.

Im Cherokee Museum in Blythe's Ferry zeigt eine Landkarte aus Marmor, auf welchen Wegen die Cherokee von Tennessee nach Oklahoma getrieben wurden.

Auf der Wiese im regenverhangenen Tal des Tennessee River tanzen Indianer. Rhythmisches Kriegsgeheul ertönt. Die Männer tragen Leder-Gamaschen, Mokassins, und sie haben Federn im lackschwarzen Haar. Die Gesichter sind bunt bemalt, der Ausdruck grimmig. Sie tanzen den Bärentanz - zur Musik von Trommeln und Flöten, geduckt umeinander schleichend, kraftvoll, beeindruckend. Und das hier im tiefen Süden der USA, der für Country Musik, Gospel und Elvis Presley berühmt ist.

Aber im “Sequoyah Birthplace Museum“ nahe der Kleinstadt Vonore am Cherokee National Forest erinnern die Cherokee-Indianer von Tennessee an ihre Vergangenheit. Dieses Fleckchen Erde war einst ihr Stammesland. Heute tanzen sie in traditioneller Jagd-Kleidung, in der sie vor mehr als 175 Jahren durch die Smoky Mountains streiften.

Im 900-Meilen-Treck gen Westen

“Normalerweise tragen wir keine Indianer-Tracht“, sagt Sony Ledford, ein Baum von einem Mann. Er ist in Jeans und Lederjacke mit dem Motorrad hierher gefahren, arbeitet als Automechaniker und lebt in einem kleinen Farmhaus. Nur für das Big Island Festival legen er und seine Stammesbrüder die traditionelle Kluft der Vorfahren an.

Schon vor 8000 Jahren besiedelten Einwanderern aus Asien die heutigen Bundesstaaten Georgia, North Carolina und Tennessee. Sie waren die Ahnen der Cherokee und anderer Stämme wie der Creeks, Choctaw und Chicasaw. Im 16. und 17. Jahrhundert kamen Spanier und Franzosen, und mit ihnen kamen Krankheiten wie Masern und Pocken, die die Indianer schnell dahinrafften. Als die Engländer um 1800 von der Atlantikküste ins Landesinnere vordrangen, wurden die dramatisch dezimierten Stämme weiter nach Westen verdrängt.

Nur einmal im Jahr legt Sony Ledford die Indianer-Tracht seiner Ahnen an - zum Big Island Festival. Sonst trägt der Automechaniker Jeans und Lederjacke.

Der Mocassin Bend in der Stadt Chattanooga, Drehkreuz und größter Handelsplatz des Südens, war der Ort, von dem sich die Cherokee nicht weiter nach Westen drängen lassen wollten. Damit wurde Chattanooga zum Ausgangspunkt ihres “Trail of Tears“, des “Pfades der Tränen“. Der damalige Präsident Andrew Jackson setzte den Indian Removal Acts gnadenlos um. Das Gesetz von 1836 sah die Zwangsumsiedelung der Stämme aus Tennessee und Georgia ins dünn besiedelte Oklahoma vor. Die Mehrheit der Cherokee stimmte gegen das Gesetz, das Ultimatum für den Exodus lief 1838 aus.

Soldaten zwangen die Cherokee in Sammellager, rissen Familien auseinander, trieben sie mit Waffengewalt in teils überladene Boote an die Anlegestellen in Chattanooga, Charleston und Blythe's Ferry. Die Cherokee wurden gezwungen, mitten im Winter den 900-Meilen-Treck gen Westen anzutreten. Ausgemergelte Ponys zogen die Planwagen. Viele Menschen, vor allem Frauen und Kinder, starben auf der dreieinhalb Monate dauernden Reise durch unwegsames Gelände nach Oklahoma. Es gab einen Nord- und einen Südweg, dazu eine Wasserroute. Alle waren gleich brutal. Ein Viertel der Vertriebenen habe die Tortur nicht überlebt, steht heute in den Geschichtsbüchern. “Nunna daul Isunyi“ nannten die Cherokee diese Tragödie, “der Weg, auf dem wir weinten“.

In die Gedenkstätte am Ufer des Tennessee River in Chattanooga sind die sieben Wappen der Clans eingelassen, die hier auf Boote gezwungen wurden.

Daryl Black steht am Ufer des Tennessee River in Chattanooga und erklärt die Gedenkstätte, die hier an den schmerzvollen Weg der Cherokee erinnert. Sie besteht aus einer Treppe mit Wasserfall, die direkt vom Stadtzentrum hinunter an den Fluss führt, an die ehemalige Anlegestelle Ross's Landing. In die Wand sind sieben große Wappen aus Keramik eingelassen - die Symbole der verschiedenen Clans, die hier auf die Boote gezwungen wurden.

Viele Gemeinden in Tennessee haben mittlerweile Geld gesammelt, um Gedenkstätten zu errichten wie das Cherokee Removal Museum in Blythe's Ferry. Hier spielt Shirley Hoskins eine wichtige Rolle. “Ich wusste immer, dass ich Cherokee-Blut in mir habe“, sagt Shirley, “aber ich wusste nichts über die Deportation“. Die kohlschwarzen Augen im faltigen Gesicht der Dame lassen die indianische Herkunft erahnen. Sie sind voller Tränen.

Im Red Clay State Park brennt das ewige Feuer der Cherokee, die dort im 19. Jahrhundert ihre Hauptstadt und ihren Regierungssitz hatten. Die Flamme nahmen die Indianer auf ihrem Marsch nach Oklahoma mit.

Die 75-Jährige wurde in Oklahoma geboren. Erst spät erfuhr sie nach ihrem Umzug nach Tennessee von dem traurigen Schicksal ihrer Vorfahren. Seitdem hat sich Shirley dafür eingesetzt, an einem Stausee in der Nähe von Dayton ein Museum zu bauen. Im Inneren der Blockhütte sind indianische Keramik, Waffenteile und Küchenutensilien in Vitrinen ausgestellt. Draußen ist der “Trail of Tears“ in einem begehbaren Steingarten und auf einer riesigen Landkarte aus Marmor nachgezeichnet. Ein Wanderweg führt zu einem spektakulären Aussichtspunkt, ein anderer an die Anlegestelle Blythe's Ferry, von der die Cherokee damals abtransportiert wurden.

Die Reise durch die Vergangenheit der Cherokee führt weiter zum Red Clay State Park in der Nähe von Collegedale. Hier brennt das ewige Feuer als Erinnerung an den Treck. “Die Cherokee nahmen das Feuer, das hier an ihrem Versammlungsort immer brannte, mit auf die Reise“, erklärt Park Rangerin Erin Medley. In einem Eisentopf trugen sie es bis nach Oklahoma.

Tina Eck, dpa

REISE-INFOS ZU TRAIL OF TEARS

REISEZIEL: Der Südosten von Tennessee ist am besten über einen Direktflug nach Atlanta mit Anschlussflügen nach Chattanooga oder Knoxville zu erreichen. Die Autofahrt ab Atlanta dauert gut zwei Stunden. Mietwagen sind in den Bundesstaaten Georgia und Tennessee preiswert.

ANREISE: Für eine weniger als drei Monate dauernde Reise in die USA brauchen Deutsche kein Visum. Sie müssen aber unter https://esta.cbp.dhs.gov eine elektronische Einreiseerlaubnis einholen (ESTA-Verfahren). Diese kostet 14 US-Dollar (etwa 9,65 Euro) und gilt zwei Jahre lang.

REISEZEIT: Beste Reisezeiten für den Süden der USA sind Frühjahr und Herbst mit Durchschnittstemperaturen um 25 Grad. Im Sommer wird es oft subtropisch heiß und schwül.

WOHNEN: Vom Luxushotel in Chattanooga mit Preisen von 150 Dollar pro Nacht bis zu preiswerten Herbergen in den Orten Etowah und Cleveland mit Zimmern für 40 Dollar ist im Südosten von Tennessee alles vorhanden. Restaurants bieten zum Teil echte US-Südstaatenküche: große Portionen Catfish, Bohnen, Biscuits und Maisbrot zum kleinen Preis.

MEHR INFOS: Der USA-Spezialveranstalter AAR Reisen organisiert Touren in die Region, speziell zu den Attraktionen der Cherokee (www.aartravel.com). Tennessee Tourism, http://de.tnvacation.com// Horstheider Weg 106a, 33613 Bielefeld (Tel.: 0521/986 04 15, E-Mail: info@tennesseetourism.de)

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