Falsche Formulierungen

„Durchsetzungsstark“, „aktiv“: Die Hälfte aller Stellenanzeigen zielt auf Männer ab – Frauen bewerben sich erst gar nicht

Trotz Gendersternchen: Die Hälfte aller Stellenanzeigen richtet sich in ihrer Ansprache an Männer – zumindest unbewusst.
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Trotz Gendersternchen: Die Hälfte aller Stellenanzeigen richtet sich in ihrer Ansprache an Männer – zumindest unbewusst.

Trotz Gendersternchen & Co. halten viele Stellenbeschreibungen Frauen von einer Bewerbung ab. Der Grund ist der sogenannte „Unconscious Bias“.

Fachkräfte werden gerade überall händeringend gesucht, sei es im Bereich Gesundheit, in Lehre und Erziehung, Bau oder Gebäudetechnik. Da ist eine geschlechtergerechte Ansprache in Stellenanzeigen wichtig, um möglichst viele qualifizierte Bewerber* für die Unternehmen gewinnen zu können. Doch leider scheinen Firmen in diesem Bereich noch ordentlich Nachholbedarf zu haben.

Formulierungen in Stellenanzeigen: Frauen fühlen sich nicht angesprochen

Wie eine neue Studie des Jobportals Stepstone herausgefunden hat, verwenden die Hälfte aller untersuchten Stellenanzeigen Formulierungen, die vor allem männliche Bewerber anspricht (einen sogenannten „männlichen Bias“). Zwar geschieht dies meist unbewusst. Doch viele Frauen werden dadurch entmutigt und bewerben sich erst gar nicht – ohne, dabei zu ahnen, dass die Sprache ihr Verhalten beeinflusst hat.  

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Beispiele für „Unconscious Bias“ in Stellenanzeigen

So ist etwa der Satz „Wir suchen eine durchsetzungsstarke Persönlichkeit“ in einer Stellenanzeige ein typisches Beispiel für eine Formulierung, von der sich Männer eher angesprochen fühlen können als Frauen. Grund dafür ist der sogenannte „Unconscious Bias“ (zu deutsch: „unbewusste Vorurteile“), wie Stepstone in einer Pressemitteilung erklärt. „Gemeint sind Annahmen oder Stereotype über Frauen und Männer, die Menschen unbewusst verinnerlichen und die auch unsere Sprache beeinflussen“. Studien zufolge sollen solche Formulierungen insbesondere Frauen abschrecken.   

Männliche Bias vor allem in Führungspositionen

Nahezu alle Branchen haben einen starken männlichen Bias in ihren Stellenanzeigen, wie die Analyse von Stepstone belegt, besonders die Telekommunikations- und Finanzbranche. Dahingegen verwenden nur drei Branchen mehr weiblich als männlich kodierte Wörter: Die Hotellerie und Gastronomie, das Gesundheitswesen und der Bildungsbereich. In diesen Jobs sind häufig auch mehr Frauen tätig, das Lohnniveau ist niedriger. „Noch deutlicher zeigt sich der männliche Bias in Stellenanzeigen für Management-Positionen: 62 Prozent adressieren in ihren Formulierungen mehr Männer als Frauen“, teilt Stepstone mit. 

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Wie sollte eine richtige Ansprache in Stellenanzeigen aussehen?

Anstelle der Formulierung „Wir suchen ein leistungsstarkes Teammitglied“ wäre beispielsweise „Wir suchen ein talentiertes Teammitglied“ eine Formulierung, die gerade Frauen motivieren könnte, sich zu bewerben, rät das Jobportal. Um Unternehmen bei der richtigen Formulierung ihrer Stellenanzeigen zu unterstützen, hat StepStone den „Genderbias Decoder“ entwickelt. Das Tool soll erkennen, ob eine Stellenanzeige geschlechtsspezifische Formulierungen enthält und schlägt automatisch auch Alternativen für ausgeglichenere Formulierungen vor. (as) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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