Joballtag

Rettungskraft offenbart: "Schließen schon mal Wette ab, ob er es schafft"

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Rettungskräfte erleben jeden Tag tragische Schicksale - sind aber auch Anfeindungen ausgesetzt.

Rettungskräfte arbeiten jeden Tag am Limit und sind für viele Menschenleben verantwortlich. Eine Mitarbeiterin erzählt, welche Dramen sie jeden Tag erlebt.

Herzinfarkt, Geburt, Verkehrsunfall: Wenn Rettungskräfte ihren Dienst antreten, wird es in der Regel ernst. Menschen brauchen dringend Hilfe, ihr Leben steht mitunter auf dem Spiel. Was das für Rettungskräfte jeden Tag bedeutet, schildert nun eine Betroffene.

24-Stunden-Schichten, Übergriffe: So hart ist der Job als Notfallsanitäter

"Wir wissen nie, was der Tag bringt, noch nicht einmal, was uns in der nächsten Stunde erwartet", erzählt eine Notfallsanitäterin in einem anonymen Job-Protokoll des Spiegels. Doch genau das reize sie auch an diesem Beruf.  

Der Preis für ihren Traumjob ist jedoch hoch: Das Wochenende mit der Familie verbringen? Kaum möglich, denn  Notfallsanitäter arbeiten in 24-Stunden-Schichten. Im Idealfall; denn meist dauert es länger: "Ich kann ja nicht mitten im Einsatz sagen: Feierabend, danke, tschüs." Einmal sei sie sogar 40 Stunden im Einsatz gewesen – weil so viel zu tun war. An Schlaf sei in solchen Schichten kaum zu denken, obwohl der Arbeitgeber einen Ruheraum bereitstellen muss. 

Auch die körperliche Belastung sei in diesem Beruf extrem hoch: "Wenn Patienten im vierten Stock wohnen, natürlich ohne Aufzug, müssen wir sie durchs Treppenhaus zum Wagen tragen. Und wenn die dann 100 Kilo wiegen, frage ich mich schon, wie lange mein Körper das mitmacht."

Übergriffe auf Rettungskräfte erlebe die Notfallsanitäterin außerdem immer häufiger. "Am schlimmsten sind Besoffene, die meinen, Freund oder Freundin schützen zu müssen", berichtet die Sanitäterin. "Die fassen uns an, wollen uns wegziehen oder behindern einfach unsere Arbeit." Deshalb habe sie auch am liebsten immer eine Mann im Team, denn wenn nur Frauen arbeiten, werde ihr Job "ganz schwierig".   

Als Frau muss sich die Notfallsanitäterin aber auch von Kollegen einiges gefallen lassen, besonders frauenfeindliche Sprüche. "Wenn es gewollt wäre, dass Frauen Rettungswagen fahren, hätte man hinten eine Küche eingebaut", bekomme sie schon mal zu hören. Doch durch den generell rauen Tonfall im Einsatz sei sie einiges gewohnt.

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Notfallsanitäter: So läuft die Ausbildung ab und so viel verdienen sie

Eigentlich wollte sie ja Medizin studieren. Doch die lange Studienzeit und Facharztausbildung habe sie abgeschreckt. Stattdessen wollte sie gleich loslegen, anderen Menschen in ihrer Not helfen. Deshalb entschied sie sich eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin zu machen – dem höchsten medizinischen Abschluss, der in Deutschland ohne Studium erreicht werden kann. Übrigens: Rettungssanitäter sei wiederum ein anderer Beruf, was viele verwechseln würden: "Den Rettungssanitäter-Schein macht man in drei Monaten, unsere Ausbildung dagegen dauert drei Jahre." 

Hier erfahren Sie, wie Sie Notfallsanitäter werden.

Obwohl das Einstiegsgehalt von 2.000 Euro brutto monatlich überschaubar ist, müssen Notfallsanitäter viel Verantwortung übernehmen – gerade, wenn sie mit dem Rettungswagen noch vor dem Notarzt eintreffen. "Dann muss ich entscheiden, was wir machen – im Extremfall auch Maßnahmen einleiten, die sonst den Ärzten vorbehalten sind, etwa Medikamente verabreichen", berichtet sie.

So gehen Rettungskräfte mit dem Tod um

Besonders schlimm seien für sie auch Momente, in denen sie machtlos ist. Wenn sie etwa zu einer Familie gerufen wird, in der das Kind offensichtlich verprügelt worden ist. Doch "wir sind nicht die Polizei, wir können nur versuchen, die Eltern zu überreden, das Kind zu einem Arzt oder ins Krankenhaus bringen zu dürfen." 

So sehr sie es liebt, anderen Menschen zu helfen – irgendwann kommt der Punkt, an dem auch Rettungskräfte nicht mehr helfen können. Um mit dem Tod besser umzugehen, helfe den Rettungskräften oft nur noch Zynismus: "Wenn wir jemanden in kritischem Zustand im Wagen haben, schließen wir schon mal eine Wette ab, ob er es bis zum Krankenhaus schafft. Wer verliert, zahlt den nächsten Burger." Anders, so meint sie, könnten sie ihren Job vielleicht gar nicht machen.

Auch Notärzte berichten immer wieder von ihrem schwierigen Joballtag. Hier beschreibt ein Arzt, welche Menschen ihn täglich zur Weißglut treiben.

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Von Andrea Stettner

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