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Jobs in Krisenzeiten: Kompetenzen, die Chefs jetzt von Ihnen erwarten

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Von: Carina Blumenroth

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Kompetenzen, die in Stellenausschreibungen stehen, variieren immer wieder. Auch von äußeren Faktoren, wie beispielsweise Krisen, hängen die Anforderungen ab.

In Krisenzeiten sind andere Herangehensweisen gefragt – im Alltag kennen Sie das. Sie reagieren auf die hohen Gas-, Strom- und Lebensmittelpreise, indem Sie Ihr Konsumverhalten ändern. In einer Studie haben zwei Drittel der Befragten angegeben, dass das Gehalt nicht mehr reicht, um die Lebenshaltungskosten zu begleichen. Aber auch der Arbeitsmarkt ist nicht von Krisen befreit – sei es die Corona-Pandemie oder der Fachkräftemangel. Darauf müssen Unternehmen sowie Personalerinnen und Personaler reagieren. Und zwar, indem sie den Aufbau der Stellenanzeigen ändern. Welche das sind, hat die Bertelsmann Stiftung untersucht.

Ein frustrierte Mann am Laptop.
Die Anforderungen an Arbeitnehmer haben sich durch die Corona-Pandemie und dem Fachkräftemangel verändert. (Symbolbild) © Simona Pilolla/Imago

Jobs in Krisenzeiten: Diese Kompetenzen sind jetzt gefragt

Mit dem Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung wird untersucht, wie sich die Nachfrage nach Berufen entwickelt. Dafür werden Daten von mehr als 48 Millionen Online-Jobanzeigen berücksichtigt. Dabei ist herausgekommen, dass die Top-Kompetenzen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern derzeit auch in der Sozialkompetenz liegen.

  1. Einsatzbereitschaft: 47,5 Prozent
  2. Teamfähigkeit: 34,4 Prozent
  3. Selbstständigkeit: 26,3 Prozent
  4. Deutschkenntnisse: 23,6 Prozent
  5. Verlässlichkeit: 21,7 Prozent
  6. Planungsfähigkeit: 19,3 Prozent
  7. Kommunikationsfähigkeit: 19 Prozent
  8. Kritisches Denken: 18,9 Prozent
  9. Organisationsfähigkeit: 17,5 Prozent
  10. Englischkenntnisse: 17,2 Prozent

Laut der Untersuchung fordern die Krisenzeiten allerdings auch eine positivere Grundeinstellung, mehr Einfühlungsvermögen und eine höhere Frustrationstoleranz von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Beispielsweise die Frustrationstoleranz ist im Zeitraum von 2018 bis 2021 um rund 71 Prozent angestiegen. Das Einfühlungsvermögen ist im selben Zeitraum um 39 Prozent angestiegen. Die Verantwortlichen der Studie ziehen aus diesen Erkenntnissen folgendes Zwischenfazit:

Krise ist nicht mehr die Ausnahme, sondern die neue Normalität. Das erfordert von Mitarbeiter:innen einen resilienten Umgang sowohl mit den eigenen Gefühlen als auch mit den Gefühlen anderer. 

Studie Kompetenzwandel in Krisenzeiten, Bertelsmann Stiftung, September 2022

Gerade das dezentrale Arbeiten, was für viele Unternehmen mit Beginn der Corona-Pandemie zunehmend an Relevanz gewonnen hat, hat Anforderungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gestellt, die vorher nicht in dieser Ausprägung vorhanden waren. Beispielsweise ist ein sicherer Umgang mit Daten in den letzten Jahren viel wichtiger geworden, es gab ein Plus von 62 Prozent. Das passe in die Zeiten der Videokonferenzen und Onlinetagungen. Auf jede/n Einzelne/n zielt der Punkt der digitalen Identität ab, die mit Onlinekommunikationsmechanismen eine größere Bedeutung gewonnen hat.

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Anforderungen im Job: Digitalisierung immer noch keine Selbstverständlichkeit

Die digitalen Anforderungen sind in Teilen durch die Corona-Pandemie verstärkt worden. Allerdings schreiben die Verantwortlichen auf der Webseite der Bertelsmann-Stiftung, dass dies für die meisten Jobs nur eine „vermeintliche Selbstverständlichkeit“ sei: „Digitale Grundkompetenzen sind zwar besonders wichtig bei Finanzen, Recht und Management, in mehr als der Hälfte aller Berufsgruppen spielt der kompetente Umgang mit klassischen Office-Programmen dagegen nicht einmal in jeder zehnten Jobanzeige eine Rolle.“

Jobs in Krisenzeiten: Zugewanderte mit Deutschkenntnissen könnten jetzt gute Chancen haben

Den Fachkräftemangel gibt es in vielen Unternehmen, infolgedessen wurden auch die Anforderungen an die Jobs immer wieder angepasst. Beispielsweise hat vor vier Jahren jede fünfte Stellenanzeige Deutschkenntnisse gefordert, jetzt steht die Forderung in jeder vierten Anzeige.

In Zeiten des Fachkräftemangels ist das gleichzeitig eine große Chance für Zugewanderte. Besitzen sie die benötigten Fachkompetenzen und sprechen zusätzlich die deutsche Sprache, steht ihnen ein Drittel mehr Arbeitsplätze offen.

Martin Noack, Bildungs- und Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung

Die Autorinnen und Autoren der Studie teilen weiter mit, dass ein Fachkräftemangel sich ohne qualifizierte Zuwanderung kaum noch decken lasse. Weiter seien alle Anforderungen, die gestellt werden, auch davon abhängig, welche Berufsgruppe man sich anschaue. Beispielsweise seien Kenntnisse in Office-Programmen vor allem bei Finanz-, Management- und Rechtsberufen gefragt. Wohingegen Verlässlichkeit besonders wichtig in Reinigungs-, Fahrzeugführungs- und Ausbauberufen ist.

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