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Firma zahlt Praktikanten 2.000 Euro: „Ich finde es klasse“

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Von: Carina Blumenroth

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Berufserfahrung durch Praktika – das setzen viele Unternehmen voraus. Praktika sind oft kaum bezahlt – das bringt Schwierigkeiten für meist junge Menschen mit.

Für viele, gerade junge Menschen, gehören bei der beruflichen Findungsphase Praktika dazu. Seien es Pflichtpraktika, die sie im Laufe des Studiums absolvieren müssen oder freiwillige Praktika, weil sie einfach schon ein bisschen Berufserfahrung in dem Wunschbereich sammeln wollen. Beides ist für einige Praktikantinnen und Praktikanten gar nicht so einfach – denn der Faktor Geld kommt ins Spiel und die Frage: ‚Kann ich mir ein Praktikum überhaupt leisten?‘

Gehalt für Praktikanten: Unternehmen zahlt Mindestlohn

Junge Menschen vor einem PC.
Volle Arbeitskraft, wenig Bezahlung? So ist das für einige Praktikantinnen und Praktikanten. © Goodluz/Imago

Letzte Woche hat eine neue Praktikantin bei uns gestartet. Sie wird uns im Rahmen ihres Pflichtpraktikums für ihr Studium im kommenden halben Jahr verstärken. Sie hat sich neben dem Jobprofil auch aufgrund der Bezahlung für das Praktikum bei uns entschieden, weil kaum ein anderer Betrieb annähernd so viel zahlt für ein Praktikum.

Johannes Lutz via LinkedIn, 21.02.2023

Der Start-Up-Gründer Johannes Lutz teilt in einem LinkedIn-Post seine Gedanken zum Thema Bezahlung von (Pflicht-)Praktika. Dabei wird deutlich, dass er die Meinung vertritt, dass Praktikantinnen und Praktikanten für die Arbeit entlohnt werden sollten, egal ob das Praktikum freiwillig oder Pflicht sei. In dem Start-Up Duschbrocken würden Praktikantinnen und Praktikanten rund 2.000 Euro verdienen. „Wir sind damit keine Gönner, das ist bei einer 40-Stunden-Woche Mindestlohn“, ordnet Lutz die eigenen Gedanken ein. Als Begründung für wenig Bezahlung wird, wie Lutz weiter schreibt, meist genannt, dass ein Mehraufwand für das Unternehmen vorhanden sei und die Praktikantinnen und Praktikanten Praxiserfahrung bekämen.

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Bezahlung im Praktikum: Was rechtlich geregelt ist und wo es Lücken gibt

Die Bezahlung von Praktikantinnen und Praktikanten ist nicht erst seit der Einführung des Mindestlohns im Jahr 2015 ein Thema. Trotzdem hat sich seitdem etwas geändert, nämliche die Angebote und Länge der Praktika in Unternehmen. Einige Praktika müssen nach Mindestlohn bezahlt werden, andere nicht. Beispielsweise Pflichtpraktika, die in manchen Studienordnungen vorgesehen sind, um ein Studium beginnen zu können oder abzuschließen. Diese sind von der Bindung an den Mindestlohn ausgeschlossen, informiert das Portal Arbeitsrechte.de. In diesem Fall sei die Länge des Praktikums unerheblich. Mitgemeint sind auch Vorbereitungen auf eine Ausbildung oder andere Einstiegsqualifizierungen.

Freiwillige Praktika und Mindestlohn: Zwei Bedingungen müssen erfüllt sein

Wenn man zur beruflichen Orientierung ein freiwilliges Praktikum anstrebt, muss unter zwei Bedingungen der gesetzliche Mindestlohn von 12 Euro die Stunde gezahlt werden:

  1. Das Praktikum gilt nicht als Bestandteil einer Ausbildung.
  2. Das Praktikum geht länger als drei Monate.

Bei freiwilligen Praktika unter drei Monaten liege es im Ermessen des Arbeitgebers, wie hoch die Vergütung ausfalle. Sollte allerdings das Praktikum in Nachhinein nach drei Monaten verlängert werden, fällt das Recht auf Mindestlohn rückwirkend an, so sieht es das Mindestlohngesetz vor.

Bezahltes Praktikum: Zwischen Chancengleichheit, Diversität und Glück

Die eigenen beruflichen Chancen mit Erfahrung und Qualifikation verbessern, das streben viele Menschen an. Manchen gelingt dies einfacher als anderen und oft ist das Thema Geld ein ausschlaggebender Faktor. Der kann den sozialen Aufstieg antreiben oder verhindern. Für ein Praktikum in eine andere Stadt ziehen – das ist für viele Menschen bei einer geringen Vergütung nicht drin. Bafög kann eine Option sein, die allerdings auch mit Einschränkungen verbunden ist. Oft sei die Frage: Hat man Unterstützung von der Familie? Falls ja, wäre ein Praktikum ohne oder mit geringer Vergütung machbar. Anders kann es schwer sein. Das fördert die Chancenungleichheit in der Gesellschaft und betrifft letztendlich auch Unternehmen, die auf Vielfalt und Diversität verzichten (müssen).

Bezahlung von Praktika: LinkedIn User reagieren auf den Post von Johannes Lutz

Der Start-Up-Gründer Johannes Lutz ermöglicht Praktikantinnen und Praktikanten mit seinem Unternehmen Duschbrocken eine Vergütung von 2.088 Euro pro Monat bei einer Vollzeitbeschäftigung von 40 Stunden pro Woche. Allgemein sieht er allerdings auch die Politik in der Pflicht, weil sich das nicht alle Unternehmen leisten könnten: „Wenn Praktika mit Mindestlohn vergütet werden, können viele kleinere Betriebe weniger Praktika anbieten, die es aber braucht, um Praxiserfahrungen zu sammeln. Ich halte es für wichtig, dass hier übergreifend Lösungen gefunden werden.“ Sein LinkedIn-Post wurde bisher rund 4.400 Mal geliket und über 200 Mal kommentiert. Hier eine Übersicht einiger Reaktionen:

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