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Arbeitszeiterfassung: Umfrage zeigt, wer dafür ist – und wer sich vorm Arbeitgeber fürchtet

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Von: Carina Blumenroth

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Das Bundesarbeitsgericht (BAG) entschied im September, dass die komplette Arbeitszeit erfasst werden muss. Eine Umstellung für Arbeitnehmer und Betriebe.

Morgens einstempeln, abends ausstempeln – das könnte so ähnlich für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland in Zukunft der Fall sein. Richterinnen und Richter des Bundesarbeitsgerichts (BAG) Erfurt haben diesen Monat Fakten geschaffen, wo Verantwortliche aus Wirtschaft und Politik noch diskutierten: Die Stunden werden wieder aufgeschrieben. Es könnte zurück an die Stechuhr gehen. „Ein Paukenschlag“, sagt Arbeitsrechtsprofessor Gregor Thüsing. Was aber sagen die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer? Die Jobplattform Indeed hat in einer Umfrage rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zur Arbeitszeiterfassung gebracht.

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Arbeitszeiterfassung: Das denken Arbeitnehmer darüber

Arbeitszeiterfassung 'eher wichtig'30,5 Prozent
Arbeitszeiterfassung 'sehr wichtig'40,4 Prozent

Rund 71 Prozent der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben an, dass die Erfassung Ihrer Arbeitszeit sinnvoll und wichtig ist. Viele (36,5 Prozent) glauben, dass die Entlohnung der Überstunden so besser funktionieren kann, 23 Prozent erhoffen sich einen besseren Abbau der Überstunden. Allerdings wurden Überstunden und Arbeit am Sonntag laut deutschem Gesetz auch vor dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts im September schon erfasst.

Die Ergebnisse waren teils auch überraschend für die Verantwortlichen, wie Indeed-Arbeitsmarktökonomin Dr. Annina Hering in einer Pressemitteilung sagt: „Die Entscheidung zur verpflichtenden Zeiterfassung am Arbeitsplatz schien zunächst auf ein geteiltes Echo zu stoßen. Unsere aktuelle Umfrage lässt jedoch vermuten, dass sie von den meisten Arbeitnehmer*innen begrüßt wird. In unseren Jobanzeigen lässt sich zudem ein klarer Trend erkennen: Unternehmen nennen zunehmend Zeiterfassung als Benefit.“ Besonders in den vergangenen drei Jahren sei der das Schlagwort ‚Zeiterfassung‘ in den Stellenanzeigen und knapp sechs Prozent gestiegen.

Die Vorteile durch die Arbeitszeiterfassung

Die Hauptvorteile, die die befragte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Erfassung der Arbeitszeit gewinnen, sind, dass sie selbst einen Überblick über ihre Wochen bzw. Monatsarbeitszeit haben und auch der Arbeitgeber nachvollzieht, wie viele Stunden gearbeitet wurden.

Sorgen durch Arbeitszeiterfassung?

Mehraufwand durch system. Erfassung11,5 Prozent
Verlust der Zeiteinteilung und mehr Kontrolle durch Arbeitgber15,4 Prozent
Erschwerte Zeiterfassung bei mobilem Arbeiten15,4 Prozent

Kritisch sehen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Hürden, die für sie selbst mit der Erfassung der Arbeitszeit dazukommen. Neben Mehraufwand und einem möglichen Verlust der freien Zeiteinteilung und des mobilen Arbeitens fürchten einige auch die Kontrolle durch den Arbeitgeber.

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Digitale Stempeluhr als App auf einem Smartphone zur genauen Arbeitszeiterfassung.
Ein Beispiel einer digitalen Erfassung der Arbeitszeit. Einige halten die Arbeitzeit noch manuell fest. © K.M.Krause/Imago

Arbeitszeiterfassung: Wie gelingt das aktuell?

Arbeitszeit wird erfasst63,1 Prozent
Keine Erfassung oder keine Angabe36,9 Prozent

Bei knapp zwei Drittel der befragten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird die Arbeitszeit bereits jetzt erfasst. In der Handhabe, wie das vermerkt wird, gibt es allerdings deutliche Unterschiede. Bei rund 19,7 Prozent wird die Arbeitszeit manuell mit Stift und Zettel erfasst. Rein elektronisch per Karte oder Chip klappt das „einstempeln“ bei 16,7 Prozent. Über ein digitales Zeiterfassungssystem können 26,7 Prozent ihre Arbeitszeit erfassen. Gerade, wenn mobiles Arbeiten weiterhin möglich sein soll, wird der die Herangehensweise mit einem digitalen Tool wohl für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ausgebaut werden müssen. Flexibles Arbeiten und neue Arbeitsmodelle müssen mit der Arbeitszeiterfassung verknüpft werden: „Für die weitere Umsetzung und Akzeptanz der Zeiterfassung ist es sicherlich wichtig, die Vorteile der Regelung mit neuen Arbeitskonzepten und -modellen in Einklang zu bringen“, sagt Dr. Annina Hering.

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