Mitarbeiter-Rechte

Hitzefrei im Büro: Ab wie viel Grad darf ich heimgehen?

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Hitzefrei im Büro? Welche Temperaturen am Arbeitsplatz herrschen dürfen, ist in Deutschland rechtlich geregelt.

Im Sommer fragen sich viele: Gibt es Hitzefrei im Büro? Und wenn ja, ab wie viel Grad? Wir verraten Ihnen, welche Rechte Sie als Arbeitnehmer haben.

In Deutschland rollt die Hitzewelle 2018 und Angestellte fragen sich, wie sie die steigenden Temperaturen bei der Arbeit ertragen sollen. Das Finale der Hitzewelle wird zwar noch für diese Woche erwartet - doch bis dahin ist es vielerorts brütend heiß. Da stellt sich schnell die Frage, ob man mit dem Chef bei 30 Grad über eine Hitzefrei im Büro reden kann. Vorher ist es aber gut zu wissen, wie die Rechte des Arbeitnehmers aussehen.

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Hitzefrei im Büro - gibt's das wirklich?

An besonders heißen Sommertagen steigen die Temperaturen auch im Büro oft auf scheinbar unerträgliche Werte. Wer wünscht sich da nicht an einen kühlen Baggersee oder am besten gleich in die nächste Eisdiele? Und tatsächlich muss man nicht jede Raumtemperatur bei der Arbeit ertragen. Aber gibt es wirklich einen Punkt, ab dem man pauschal nach Hause gehen darf - und was muss mein Chef tun, um die Situation am Arbeitsplatz zu verbessern? Gibt es überhaupt "Hitzefrei" im Büro? 

Hitzefrei bei der Arbeit: Ab wann sind heiße Räume unzumutbar?

Um es kurz zu sagen: Die Chancen auf Hitzefrei stehen sehr schlecht. Die "Technischen Regeln für Arbeitsstätten", welche die Raumtemperaturen am Arbeitsplatz seit 2010 regeln, sehen lediglich vor, dass Büros ab 35 Grad nicht als Arbeitsräume geeignet sind. Und auch nur dann, wenn entsprechende Kühlmaßnahmen (etwa Luftduschen, Wasserschleier, Entwärmungsphasen oder Hitzeschutzkleidung) keine Milderung verschaffen. 

"Kann der Arbeitgeber keine der oben genannten Schutzmaßnahmen bereitstellen, muss der Arbeitgeber seine Mitarbeiter nach Hause schicken und 'hitzefrei' geben", bestätigen die Rechtsanwälte der Kanzlei Mingers & Kreuzer. Da jedoch viele moderne Arbeitsplätze heutzutage klimatisiert sind, fällt diese Aussicht auf ein Hitzefrei im Büro wohl eher in die Kategorie "Wunschträume".

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Raumtemperatur im Büro: Ab 26 Grad sollte der Chef handeln

Trotzdem gibt es natürlich nach wie vor Büroräume, die mit riesigen Fensterfronten nach Süden hin ausgerichtet sind - und so schon in den frühen Morgenstunden Schweißperlen auf die Stirn treiben. In diesem Fall müssen Sie nicht jede Temperatur in Kauf nehmen. 

Die Richtlinien besagen, dass der Arbeitgeber bereits ab Raumtemperaturen von 26 Grad entsprechende Maßnahmen ergreifen "soll", um die Temperaturen zu senken. Dazu gehören vor allem Sonnenschutz-Systeme wie Jalousinen, Markisen oder eine spezielle Verglasung an Oberlichtern, Fenstern und Glaswänden.  Sonnenschutzmaßnahmen können Arbeitgeber sogar beim Vermieter rechtlich einfordern

Wenn die Sonne direkt auf Ihren Arbeitsplatz knallt, ist dies jedoch nicht zumutbar. Müssen Sie außerdem  schwere Arbeiten bei diesen Temperaturen verrichten oder warme Schutzkleidung tragen, muss die Firma dafür sorgen, dass Ihre Gesundheit nicht gefährdet wird. Dasselbe gilt für gesundheitlich vorbelastete und schutzbedürftige Personen wie Schwangere, stillende Mütter, Jugendliche oder ältere Mitarbeiter. In Einzelfällen kann Ihnen Ihr Chef dann hitzefrei geben. 

Lesen Sie hier, an welche Regeln sich Arbeitgeber sonst noch halten müssen.

Hitzefrei im Büro oder weniger strenge Kleiderordnung

Steigen die Raumtemperaturen sogar auf bis zu 30 Grad muss die Firma handeln und weitere Maßnahmen überlegen, damit Mitarbeiter so weinig wie möglich belastet werden. Von gelockerten Kleidungsregeln über Lüften in den frühen Morgenstunden bis hin zu verlagerten Arbeitszeiten (Gleitzeit) ist vieles möglich. Dabei gilt jedoch laut Gesetzgeber: "Technische und organisatorische gehen gegenüber personenbezogenen Maßnahmen vor". Das heißt, bevor Sie Ihr Jacket ablegen, muss Ihr Chef erst einmal versuchen, die Räume zu kühlen. 

Lesen Sie auch: Überstunden: Wenn dieser Satz im Arbeitsvertrag steht, können Sie klagen.

Arbeitgeber droht Bußgeld, wenn er Mitarbeiter nicht schützt

Doch was tun, wenn der Chef sich nicht an die Vorgaben hält und er sein Mitarbeiter in der Hitze "schmoren" lässt? Wenn der Arbeitgeber bei steigenden Raumtemperaturen versäumt, entsprechende Schutzmaßnahmen zu ergreifen, droht ihm ein Bußgeld in Höhe von bis zu 5.000 Euro.

Kein eigenmächtiges Hitzefrei bei der Arbeit: Sprechen Sie mit Ihrem Chef 

Können sich Mitarbeiter aber dann vielleicht selbst hitzefrei geben, wenn sie sich bei Temperaturen um die 30 Grad im Büro nicht mehr wohl fühlen? "Kein Arbeitnehmer ist verpflichtet, für die Arbeit seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen", teilt die Kanzlei Mingers & Kreuzer dazu mit. "Ob er sich aber selbst 'hitzefrei' geben kann, ist allerdings umstritten. Diesbezüglich ist noch kein höchstrichterliches Urteil gefallen."

Auch wenn Sie sich noch so sehr hitzefrei im Büro wünschen: Einfach heimgehen sollten Sie trotzdem nicht. Das wirkt nicht nur unprofessionell - Ihnen droht im schlimmsten Fall auch noch eine Abmahnung bis hin zur Kündigung. Sprechen Sie auf jeden Fall mit Ihrem Chef, damit er auf das Hitzeproblem reagieren kann, und finden Sie gemeinsam eine Regelung, um auch an heißen Tagen effektiv arbeiten zu können.

Über Büroangestellte, die wegen der Hitze jammern, können Bauarbeiter nur müde lächeln. Auf der Baustelle müssen Arbeiter in der prallen Sonne schuften. Doch gibt es auch für sie irgendwann hitzefrei?

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Übrigens, die Firma Basecamp hat für seine Mitarbeiter eine besondere Hitzefrei-Regelung gefunden

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Von Andrea Stettner

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