Hypoglykämie

Unterzucker erkennen und schnell handeln: Mit Traubenzucker und Cola gefährliche Krampfanfälle verhindern

Diabetes-Warnhund Lilith bringt am 08.11.2017 in Eckernförde (Schleswig-Holstein) einen Korb mit zuckerhaltigen Getränken zu ihrem Frauchen. Diabetes-Hunde lernen bei Menschen mit Diabetes eine Phase der Unterzuckerung zu riechen und Hilfe zu bringen. (Archivbild)
+
Diabetes-Warnhund Lilith bringt am 08.11.2017 in Eckernförde (Schleswig-Holstein) einen Korb mit zuckerhaltigen Getränken zu ihrem Frauchen. Diabetes-Hunde lernen bei Menschen mit Diabetes eine Phase der Unterzuckerung zu riechen und Hilfe zu bringen. (Archivbild)

Unterzuckerung zählt zu den häufigsten Komplikationen bei Diabetes. Um schlimme Folgen zu verhindern, sollten Sie folgende Symptome ernst nehmen.

Von Hypoglykämie (umgangssprachlich als „Unterzucker“ bezeichnet) sprechen Mediziner, wenn der Blutzuckerspiegel auf einen abnormal niedrigen Wert herabsinkt. Unter 50 bis 60 Milligramm Zucker pro Deziliter Blut bzw. 2,8 bis 3,3 Millimol pro Liter (mmol/l) gelten als behandlungsbedürftig. Geschieht dies nicht, drohen Krampfanfälle, Bewusstlosigkeit bis Koma*. Folgende Anzeichen sprechen dem Diabetes Ratgeber und dem Portal Rathausapotheke.de zufolge dafür, dass der Blutzucker auf einen kritischen Wert sinkt:

  • Schwitzen
  • Herzklopfen bis Herzrasen
  • Blässe um Mund und Nase
  • Heißhunger
  • Weite Pupillen
  • Zittern
  • Konzentrationsschwäche
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Sprachstörungen wie Wortfindungsstörungen
  • Sehstörungen, zum Beispiel Doppelbilder
  • Verwirrung
  • Unruhe, Nervosität, Angst und Reizbarkeit
  • Übelkeit

Sinkt der Zuckerspiegel weiter, kommt es zu ausgeprägtem Energiemangel im Gehirn und zu folgenden Beschwerden:

  • Verhaltensstörungen (Aggressivität)
  • Bewusstseinsstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Krampfanfälle
  • Bewusstlosigkeit bis Koma

Lesen Sie auch: Den Diabetes-Vorboten Insulinresistenz rechtzeitig erkennen und erste Anzeichen der Zuckerkrankheit ernst nehmen.

Unterzucker: Folgende Ursachen können hinter der Hypoglykämie stecken

Unterzuckerung wird vor allem mit der Stoffwechselstörung Diabetes in Verbindung gebracht. Doch es gibt auch andere Ursachen für den zu niedrigen Blutzuckerspiegel. Folgende Ursachen können der Techniker Krankenkasse TK zufolge eine Hypoglykämie auslösen:

  • Bei Diabetes-Patienten: Eine zu hohe Insulindosis, zu großer Abstand zwischen Insulinspritze und Mahlzeit, Einnahme von oralen Antidiabetika, Alkoholkonsum, veränderter Insulinbedarf des Körpers, zum Beispiel bei körperlicher Aktivität
  • Medikamenteneinnahme, zum Beispiel Beta-Blocker oder Psychopharmaka
  • Krankheiten mit Erbrechen und Durchfall oder wenn Sie durch Ihre Erkrankung weniger essen
  • Andere Ursachen wie beispielsweise Lebererkrankungen oder Niereninsuffizienz 

Unterzucker behandeln: Wann Sie den Notarzt alarmieren müssen

Es gilt: Starke Unterzuckerung ist ein Notfall. Ist der Betroffene nicht mehr ansprechbar, muss sofort ein Notruf abgesetzt werden unter der Telefonnummer 112. Bringen Sie den Betroffenen dann in die stabile Seitenlage. Wer als Angehöriger für Notfälle geschult ist, kann dem Betroffenen zusätzlich eine Glukagon-Spritze geben, wie die TK informiert. Ist der Betroffene stark unterzuckert, aber noch ansprechbar, sollten Sie ihm Zucker verabreichen. 30 Gramm Zucker werden von der TK als optimale Dosis angegeben, dies entspreche etwa sechs Plättchen Traubenzucker oder 0,3 Litern Cola. Bleibt der Blutzucker weiterhin niedrig, wiederholen Sie die Gabe nach 15 Minuten.

Milde Unterzuckerungen könne man selbst in den Griff bekommen, heißt es weiter. Dafür sollte man bei den ersten Anzeichen einer Unterzuckerung Zucker in Form von Glukose-Gelen, Glukose-Spray, zuckerhaltigen Limonaden, Fruchtsäften oder Traubenzucker einnehmen.

So verfahren Diabetiker bei leichten Unterzuckerungen:

  • Nehmen Sie 20 Gramm Zucker zu sich (zwei Kohlenhydrateinheiten). Das entspricht etwa zwei Glukose-Gelen, vier Plättchen Traubenzucker oder 0,2 Litern Cola.
  • Messen Sie nach 15 Minuten Ihren Blutzucker.
  • Bei weiterhin zu niedrigen Blutzuckerwerten (50 mg/dl (2,8 mmol/l) bis 60 mg/dl (3,3 mmol/l)) nehmen Sie nochmal 20 Gramm Zucker zu sich. 
  • Bei wieder normalen Blutzuckerwerten sollten Sie eine Kleinigkeit essen, damit der Blutzuckerspiegel stabil bleibt.

Unterzucker vorbeugen

Oft sind weggelassene Mahlzeiten Auslöser für ein Zuckertief“, zitiert das Portal Diabetes-Ratgeber den Diabetologen Dr. Jürgen Wernecke: „Das Mahlzeiten-Insulin wird gespritzt oder die Sulfonylharnstoff-Tablette genommen, aber dann kommt ein Anruf, und das Essen ist vergessen.“ Auch folgende Tipps sollten beherzigt werden, damit es gar nicht erst zur Unterzuckerung kommt:

  • Dosierungsfehler bei Insulin oder Tabletten vermeiden
  • Vergessene Diabetestabletten nicht nachträglich einnehmen
  • Beim Sport gilt: weniger Insulin sprit­zen, eventuell zusätz­liche Kohlenhydrate essen, Zucker häufiger checken
  • Für Kohlen­hydrate aus dem Alkohol kein Insulin berechnen und mit erhöhtem Wert schlafen gehen
  • Insulin nicht immer in denselben Bereich spritzen

(jg) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Mehr Quellen: https://www.diabetes-ratgeber.net/Unterzucker/; https://www.die-rathausapotheke.de/medizin/symptome-bei-unterzuckerung/

Weiterlesen: Wer zu dieser Uhrzeit frühstückt, senkt sein Diabetes-Risiko laut Studie enorm.

Wenn Füße und Zehen plötzlich krampfen

Unsanft geweckt: Fuß- und Wadenkrämpfe treten bei vielen Betroffenen vor allem im Schlaf auf. Foto: Christin Klose/dpa-tmn
Krämpfe können auch beim Sport auftreten. Isotonische Getränke schaffen dann schnelle Abhilfe. Foto: Kai Remmers/dpa-tmn
Axel Klein ist Facharzt für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin in Dresden sowie Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP). Foto: Grit Klein/dpa-tmn
Prof. Helge Topka ist Chefarzt der Klinik für Neurologie und Klinische Neurophysiologie an der München Klinik Bogenhausen. Foto: München Klinik/dpa-tmn
Wenn Füße und Zehen plötzlich krampfen

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare