Nicht temperaturempfindlich

Ende der Covid-19-Pandemie endlich in Sicht? Virologe mit positiver Prognose

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Nicht nur die Gastronomie leidet: Menschen weltweit fragen sich, wann die Covid-19-Welle endlich überstanden ist.

Die Hoffnung vieler ist groß, dass der neuartige Erreger Sars-CoV-2 durch warme Temperaturen an Aktivität verliert. Ein Virologe erklärt, ob Außentemperaturen das Coronavirus beeinflussen.

Update vom 24.03.2020: Wegen des rasanten Anstiegs von Coronavirus-Infektionen in Deutschland gab Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag, den 22.03.2020, bekannt, dass ab sofort strenge Ausgangsbeschränkungen in ganz Deutschland herrschen, um die Ausbreitung der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 zu verlangsamen. So sind seit Montag Treffen von mehr als zwei Personen untersagt* und die Bürger sind angehalten, zu Hause zu bleiben. Ein wichtiger Schritt laut Virologen Alexander Kekulé, Direktor am Institut für Medizinische Mikrobiologie der Universität Halle. Im Deutschlandfunk sagte er, es sei fast ausgeschlossen, dass man angesichts solch extremer Maßnahmen kein "deutliches Sinken" der Zahlen hinbekomme.

Artikel vom 20.03.2020: Unterschiedliche Prognosen über den Verlauf der Covid-19-Pandemie 

Der Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit Covid-19 ist aktuell das vorherrschende Thema weltweit. Das Coronavirus breitet sich seit Ende 2019 immer weiter aus. Ausgebrochen war die durch Coronaviren ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 in der Provinz Hubei, einer Region im Landesinnern von Zentralchina. Die dort gelegene Millionenmetropole Wuhan zählt noch immer zu den Hochrisikogebieten, die gemieden werden sollen.

Zu Beginn als Epidemie eingestuft, erklärte die Weltgesundheitsorganisation Covid-19 im März 2020 zur Pandemie - eine Länder-umfassende Seuche. Mittlerweile streut das Virus global, fast jedes Land meldet Coronavirus-Infektionen. Weltweit zählt das Coronavirus Resource Center der Johns Hopkins Universität 723.328 Covid-19-Fälle, 34.005 Tote werden beklagt (Stand: 30.03.2020). Als völlig genesen werden derzeit 151.991 Menschen eingestuft.

Doch immer neue Fälle in Deutschland beunruhigen die Bürger. Bisher werden 62.435 Patienten bundesweit gezählt, 541 Menschen verstarben an den Folgen der Infektion. Die Prognosen über den weiteren Verlauf der Covid-19-Pandemie fallen unterschiedlich aus. Dass höhere Temperaturen die Ausbreitung des Virus* verlangsamen könnten, wurde aktuell durch eine US-amerikanische Veröffentlichung widerlegt. Forscher hatten berechnet, wie sich die Übertragung von Sars-CoV-2 bis zum Jahr 2025 entwickeln könnte.

Mehr zum ThemaCovid-19: Deutschland meldet niedrige Todesrate - bereits geheilte Menschen wohl immun.

Covid-19: Steigende Temperaturen bremsen die Ausbreitung kaum

Anhand der Modellrechnung aus den USA könne man ablesen, dass sich im Früh­jahr und Sommer die Pandemie nicht gemäß der Erwartungen verlangsamen wird, zitiert das Ärzteblatt Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie von der Charité-Universitätsmedizin Berlin. Auch eine Studie aus China habe dem Ärzteblatt zufolge gezeigt, dass jahreszeitliche Klimaschwankungen die Übertragung des neuartigen Virus Sars-CoV-2 nicht wesentlich verlangsamen werden.

Vor allem die Luftfeuchtigkeit spielt bei der Verbreitung vieler Viren eine maßgebliche Rolle. So inaktiviert feuchte Luft etwa Grippeviren*: Diese haben im Sommer schwereres Spiel, da die Luftfeuchtigkeit in den warmen Monaten steigt. Grund dafür ist die Außentemperatur: Kalte Luft kann Feuchtigkeit weniger gut speichern als warme Luft. Coronaviren zeigen sich hier nach aktuellem Wissensstand unbeeindruckt: "Wir müssen wohl damit rechnen, dass wir trotz steigender Temperaturen direkt in eine Epidemiewelle hineinlaufen werden. Der saisonale Effekt war nicht so groß wie bei anderen Erkältungsviren", zitiert das Ärzteblatt Virologe Drosten noch am 9. März. Zwei Tage später hat die Weltgesundheitsorganisation WHO die neuartige Krankheit zur Pandemie erklärt.

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Virologe gibt Prognose ab: immer mehr Coronavirus-Infektionen bis Sommer

Im Coronavirus-Podcast des Norddeutschen Rundfunks gibt Virologe Christian Drosten täglich eine aktuelle Einschätzung der Situation ab. In Hinblick auf die weitere Entwicklung geht er von einer durchlaufenden Infektionswelle aus, die in der Zeit von Juni bis August ihr Maximum erreichen wird. Im Sommer wird sich bereits ein großer Teil der Bevölkerung mit dem Virus infiziert haben*, so die Einschätzung des Fachmanns im NDR-Podcast. Dadurch soll eine weitflächige Immunität entstehen. Ziel sei es allerdings, diese Infektionswelle von der älteren Bevölkerung fernzuhalten. Auch junge Menschen mit Vorerkrankungen zählen zur Risikogruppe*, für die eine Infektion lebensgefährliche Folgen haben kann.

Quellen: www.medrxiv.org; www.aerzteblatt.de; www.pharmazeutische-zeitung.de; www.coronavirus.jhu.edu; www.ndr.de

Weiterlesen: Coronavirus: Zählen Sie zur Risikogruppe? So alt sind COVID-19-Patienten im Schnitt.

jg

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