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Cannabis in Nahrungsergänzungsmitteln - diesen gefährlichen Effekt haben die Hanf-Produkte

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Auch getrockneter Hanf wird in Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet.

Muskeln sollen wachsen oder der Stress soll schwinden? Es gibt Nahrungsergänzungsmittel mit Hanf, die genau das versprechen. Doch hier ist Vorsicht geboten.

Die Versprechen haben es in sich: Nahrungsergänzungsmittel mit Extrakten aus der Hanfpflanze sollen den Muskelaufbau unterstützen, beim Abnehmen helfen und sogar Blutdruck und Cholesterinspiegel positiv beeinflussen. Doch der Verbraucher sollte hier skeptisch sein.

Nahrungsergänzungsmittel mit CBD illegal auf dem Markt

Interessant ist für die Hersteller vor allem Cannabidiol (CBD) aus der Hanfpflanze, das entzündungshemmend, schmerzstillend und stresslindernd auf den Körper wirken soll. Doch bevor ein Unternehmen ein Nahrungsergänzungsmittel mit CBD auf den Markt bringen will, muss es in der Theorie erstmal an verschiedenen Instanzen vorbei. So berichtet das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, das entweder ein Antrag auf Zulassung eines Arzneimittels oder ein Antrag auf Zulassung eines neuartigen Lebensmittels gestellt werden muss, bevor ein Produkt mit CBD freiverkäuflich in den Regalen stehen darf. Aktuell gebe es allerdings für kein Produkt - egal ob Lebens- oder Nahrungsergänzungsmittel - eine offizielle Zulassung in Deutschland.

Video: Die Schattenseiten der Legalisierung

Doch dem SWR zufolge sind 2017 und 2018 trotzdem mindestens 90 Nahrungsergänzungsmittel mit CBD auf den Markt gekommen - an den Instanzen vorbei und obwohl Experten bezweifeln, das die Mittelchen in Form von Öl oder Tabletten wirklich das halten, was sie versprechen. "Es wird im Moment viel versprochen, was wissenschaftlich nicht belegt ist. Das ist unseriös. So darf man Nahrungsergänzungsmittel nicht bewerben. Es sind Medikamente und Arzneimittel, die zu einer Krankheitsverbesserung führen, nicht Nahrungsergänzungsmittel", sagte Ärztin Prof. Kirsten Müller-Vahl von der Medizinischen Hochschule Hannover dem Südwestrundfunk.

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Hanfhaltige Nahrungsergänzungsmittel: 94 Prozent der Stichproben enthalten zu viel THC

Das Internet ist Hauptumschlagplatz für Präparate mit Hanf. In einschlägigen Shops ist die Rede von Anti-Stress-Kapseln mit Cannabis-Extrakten, Super-Samen-Flüssigkeit und Hanfproteinpulver, das dem Hersteller zufolge den Körper mit Protein, Mineralstoffen, Spurenelementen und wichtigen Vitalstoffen versorgen soll. Zu prüfen, was genau in den Produkten enthalten ist, fällt zwar in den Aufgabenbereich der behördlichen Kontrollinstanzen, diese sind Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW aber überfordert: "Ich glaube sicherlich, dass es eine Überforderung der Lebensmittelkontrolle und der Überwachungsbehörden ist. Es ist einfach zu wenig Personal da. Dieses Personal wird mit sehr sehr schwierigen juristischen Fragen völlig überfordert."

Und so gelangen Produkte auf den Markt, die einigen Menschen sogar schaden können. So hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nachgewiesen, das in den meisten hanfhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln viel zu hohe Tetrahydrocannabinol-Werte erreicht werden. Laut Stellungnahme des BfR überschritten fast alle Proben (94 Prozent) den THC-Richtwert. Tetrahydrocannabinol (THC) hat rauserzeugende Wirkung und kann vor allem Schwangere, Kinder und Menschen, die häufig hanfhaltige Produkte verzehren, gesundheitlich beeinträchtigen, wie die Verbraucherzentrale warnt. Das kann von Müdigkeit und verminderter Reaktionsfähigkeit bis hin zu psychischen Ausfallerscheinungen führen.

dm hat sich nun erneut dazu entschlossen CBD-Produkte aus dem Sortiment zu nehmen. Rossmann lässt sich dagegen nicht einschüchtern.

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jg

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