Corona-Pandemie

Corona-Impfstoff: Während ein Virologe vor allzu großer Hoffnung warnt, nennt die WHO einen Zeitraum

Weltweit arbeiten Forscher an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Ein deutscher Virologe dämpft die Hoffnung, doch die WHO ist optimistisch. Der News-Ticker.

  • Firmen sind weltweit auf der Suche nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus*
  • Die Entwicklung kann dauern - Tests laufen aber bereits, auch zu Medikamenten gegen Covid-19*
  • Ein deutscher Virologe klingt wenig optimistisch, die WHO dagegen schon

+++ 16.26 Uhr: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet in 11 bis 17 Monaten mit einem „sicheren und effektiven“ Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2. Schon vorher soll es ein Medikament zur Behandlung von Covid-19 geben, „womit wir auch die hohe Sterblichkeitsrate reduzieren können“, sagte die WHO-Direktorin für öffentliche Gesundheit, Maria Neira, der Nachrichtenagentur KNA. 

Die WHO wolle sich zudem dafür einsetzen, dass der Impfstoff weltweit gerecht verteilt wird, versicherte Neira. „Reiche Länder werden für den Impfstoff bezahlen müssen. Für arme Länder, die das nicht können, richten wir aber Mechanismen und Subventionen ein, damit alle Zugang haben.“

Virologe Streeck: Unklar, ob es Corona-Impfstoff geben wird

Update vom Freitag, 29.05.2020, 12.48 Uhr: Weltweit arbeiten Forscher mit Hochdruck daran, einen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 zu entwickeln. Expertenschätzungen zufolge kann es noch Monate, wenn nicht Jahre dauern, bis ein Corona-Impfstoff auf den Markt kommt.

Doch für den Bonner Virologen Hendrik Streeck scheint auch dieses Zeitfenster zu optimistisch. Im FR-Interview* dämpfte er die Hoffnung auf einen Impfstoff: „Jede Vorhersage für einen Impfstoff ist nicht seriös.“ Gegen kein Coronavirus gebe es bislang einen Impfstoff. Auch gegen das HI-Virus, zu dem Streeck forscht, seien schon über 500 Impfstoffe konstruiert worden. Davon wiederum wurden Streeck zufolge wenige auf Effektivität getestet, aber keiner habe funktioniert. 

„Das Virus ist da und wird bleiben. Und wir müssen uns darauf einstellen, damit umzugehen“, so der Virologe. Er vermute, dass es immer wieder zu lokalen Corona-Ausbrüchen wie zuletzt in Frankfurt* und im Landkreis Leer* (Niedersachsen) kommen könne, aber rechne nicht mit einer zweiten großen Welle.

Möglicher Corona-Impfstoff ruft erstmals Reaktion im Immunsystem

Update vom Freitag, 22.05.2020, 20.05 Uhr: Chinesische Forscher haben weltweit erstmals mit einem möglichen Corona-Impfstoff eine Reaktion des Immunsystems bei Menschen hervorgerufen.

Der in China getestete Impfstoff Ad5-nCoV habe sich in einer ersten Versuchsphase als sicher und gut verträglich herausgestellt, schreiben die Forscher im Journal „The Lancet“. Vor allem aber habe er eine Immunabwehr-Reaktion auf das Virus Sars-CoV-2 im menschlichen Körper erzeugt. Weitere Versuche seien aber notwendig, um herauszufinden, ob diese Reaktion auch eine Infektion mit dem Virus verhindere.

Suche nach Corona-Impfstoff: „Wichtiger Meilenstein“

„Diese Ergebnisse stellen einen wichtigen Meilenstein dar“, erklärte Hauptautor Wei Chen vom Beijing Institute of Biotechnology. Eine einzelne Dosis von Ad5-nCoV reiche demnach aus, um in 14 Tagen bei den Probanden virusspezifische, neutralisierende Antikörper und eine entsprechende Reaktion spezieller Abwehrzellen (T-Zellen) zu erzeugen. Er riet dazu, die Ergebnisse dennoch „vorsichtig“ zu interpretieren. Ein Impfstoff, der allen zugänglich sei, sei noch weit entfernt. Ad5-nCoV wurde 108 gesunden Freiwilligen im chinesischen Wuhan verabreicht. Momentan sind nach „Lancet“-Angaben mehr als 100 mögliche Corona-Impfstoffe weltweit in der Entwicklung.

Update vom Dienstag, 19.05.2020, 16.00 Uhr: Thailändische Wissenschaftler haben bei Tests eines Corona-Impfstoffkandidaten an Mäusen vielversprechende Ergebnisse erzielt. Das berichtete Dr. Taweesin Visanuyothin, ein Sprecher der Covid-19-Lageverwaltung. Der Impfstoffkandidat werde ab nächster Woche an Affen getestet werden. Ministerpräsident Prayuth Chan-o-cha habe angeordnet, die Entwicklungsarbeiten zu beschleunigen.

Der Impfstoffkandidat wird von der Chualongkorn-Universität in Bangkok mit zwei Partnern aus dem öffentlichen Sektor getestet. Er nutzt die mRNA-Technologie, die Teile des Erbguts des Virus einsetzt, um die Herstellung von Antikörpern im menschlichen Körper zu bewirken. Dutzende Impfstoff-Entwicklungsprojekte gibt es auf der Welt. Bei manchen werden Impfstoffkandidaten bereits an Menschen getestet.

Donald Trumps Berater Moncef Slaoui mit Aktien von Moderna

Update vom Dienstag, 19.05.2020, 16.00 Uhr: Moncef Slaoui, der ehemalige Pharma-Manager, der von US-Präsident Donald Trump zum Leiter eines Entwicklungsprojekts für Coronavirus-Impfstoffe des Bundes ernannt wurde, besitzt Aktienoptionen in Höhe von mehr als 10 Millionen US-Dollar in einem Unternehmen, das Bundesmittel für die Entwicklung eines solchen Impfstoffs erhalten hat.

Trump gab letzte Woche bekannt, dass Moncef Slaoui, der frühere Leiter der Impfstoffentwicklung beim Pharmagiganten GlaxoSmithKline, zum Chefwissenschaftler der "Operation Warp Speed" ernannt wird.

Slaoui trat nach seiner Benennung von seiner Position als Direktor von „Moderna“, einem in Massachusetts ansässigen Pharmaunternehmen, zurück. Slaoui soll aber noch immer mehr als 150.000 Aktienoptionen im Wert von 10 Millionen US-Dollar an Moderna halten. 

Der Aktienkurs von Moderna stieg letzten Monat sprunghaft an, nachdem das Unternehmen bekannt gegeben hatte, dass es 483 Millionen US-Dollar an Bundesmitteln für seine Impfstoffentwicklung erhalten hatte.

Corona-Impfstoff: Klinische Versuche ab September geplant

Update vom Montag, 18.05.2020, 17.02 Uhr: Im September 2020 soll ein Corona-Impfstoff in Deutschland getestet werden. Nach Angaben der Universität Marburg werde ein potenzieller Impfstoff gegen das Coronavirus dann in ersten klinischen Tests am Menschen erprobt. „Der Bauplan für den Impfstoff ist fertig. Jetzt muss der Impfstoff für die klinischen Tests noch produziert werden“, sagte Stephan Becker, Koordinator des Bereichs „Neu auftretende Infektionskrankheiten“ im Deutschen Zentrum für Infektionsforschung.

Die Produktion des Impfstoffs gegen das Coronavirus werde voraussichtlich in drei Monaten abgeschlossen sein. Im Jahr 2020 werde aber noch kein Impfstoff zur Verfügung stehen. Denn die Entwicklung eines Impfstoffs sei „ein langwieriger, mühsamer Prozess“, unterstreicht Virologe Becker.

Corona-Impfstoff: Fauci zurückhaltend – Trump stellt neue Initiative vor

Update vom Freitag, 15.05.2020, 18.32 Uhr: Donald Trump will an diesem Freitag verkünden, er die „Operation Warp Speed“ leiten soll. Das berichtet der US-Nachrichtensender CNN. „Operation Warp Speed“ soll die Entwicklung und Produktion eines Impfstoffs gegen das Coronavirus beschleunigen. Laut der Aussage von Anthony Fauci, der bei der Veranstaltung ebenfalls erwartet wird, sind acht aussichtsreiche Impfstoffe in der Testphase. 

Trotzdem ist er, wie andere Experten auch, noch zurückhaltend. Erst kürzlich sagte Fauci, dass es unwahrscheinlich ist, im Herbst einen Impfstoff gegen das Coronavirus zu haben, wenn Schüler wieder zur Schule gehen sollen. Donald Trump zeigte sich hingegen zuversichtlich, dass noch Ende dieses Jahres ein Impfstoff zur Verfügung stehe.

America First? Sanofi kündigt an zuerst USA mit Corona-Impfstoff zu beliefern – Frankreich empört

+++ 15.15 Uhr: Nachdem Generaldirektor von Pharmakonzern Sanofi am Mittwoch (13.05.2020) ankündigte, dass er zuerst die USA mit einem möglichen Corona-Impfstoff beliefern will, übt Frankreich harsche Kritik. Sanofi hatte sein Vorgehen damit begründet, dass die USA ein Forschungsprojekt finanziell unterstütze. Die USA habe deshalb „das Recht auf die größten Vorbestellungen“, weil sie „investiert haben, um ihre Bevölkerung zu schützen“, sagte Sanofi-Generaldirektor Paul Hudson der Nachrichtenagentur Bloomberg.

In Frankreich ist die Empörung groß über die Aussage, die USA bekämen eienn möglichen Corona-Impfstoff als Erste. In den vergangenen Jahren hatte der französische Pharmakonzern Sanofi von Frankreich Forschungskredite in zweistelliger Millionenhöhe erhalten. Der Wirtschafts- und Finanzstaatsekretärin von Frankreich, Agnès Pannier-Runacher, wettert gegenüber dem Sender Sud Radio: „Es wäre für uns inakzeptabel, wenn das ein oder andere Land unter einem finanziellen Vorwand einen privilegierten Zugang hätte.“

Am Donnerstag (14.05.2020) gab jetzt der Präsident von Sanofi Frankreich, Olivier Bogillot, bekannt, es sei ja theoretisch das „Ziel, dass die USA, Frankreich und Europa den Impfstoff zur gleichen Zeit" erhalten würden. Direkt bestätigte er die Aussagen von Generaldirektor Hudson nicht. Stattdessen betonte er, die USA hätten zugesagt, „mehrere hundert Millionen Euro“ auszugeben. „Die EU muss genauso effizient sein und uns dabei helfen, diesen Impfstoff sehr schnell zur Verfügung zu stellen.“ Verhandlungen mit europäischen Behörden sowie mit Ländern wie Deutschland und Frankreich gebe es bereits, so der Präsident von Sanofi Frankreich.

WHO kritisiert Impfskepsis: Coronavirus verschwindet vielleicht nie wieder

Update vom 14.05.2020, 06.00 Uhr: Der Nothilfekoordinator der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist skeptisch, dass dasneue Coronavirus nach der rasanten Ausbreitung rund um den Globus noch eliminiert werden kann. „Dieses Virus kann in der Bevölkerung heimisch werden, es kann sein, dass es nie mehr verschwindet“, sagte Michael Ryan in Genf. 

Auch HIV, das Virus, das die Immunschwächekrankheit Aids auslöst, sei nie wieder verschwunden. Im Fall von HIV sei es der Welt gelungen, Medikamente und Präventionsmaßnahmen zu schaffen, so dass das Virus seinen Schrecken verloren habe. „Ich will die Krankheiten nicht vergleichen, aber wir müssen realistisch sein“, sagte Ryan. 

Es gebe eine kleine Chance, das neue Virus Sars-CoV-2, das die gefährliche Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, auszurotten. Dafür müsse aber ein hocheffektiver Impfstoff gefunden werden, er müsse im ausreichenden Maß hergestellt und in aller Welt verteilt werden und die Menschen müssten einverstanden sein, sich impfen zu lassen. 

„Jeder einzelne dieser Schritte ist voller Herausforderungen“, sagte Ryan. Er kritisierte die verbreitete Impfskepsis und die fehlenden Mittel für gute Gesundheitssysteme in vielen Weltgegenden. „Wir haben ja sehr effektive Impfstoffe auf diesem Planeten, die wir nicht effektiv eingesetzt haben", sagte er mit Verweis auf die Masern. Die Zahl der Masernfälle steigt seit einigen Jahren wieder. 

Mit den richtigen Maßnahmen zur Erkennung von Infizierten, der Isolierung von möglicherweise Angesteckten und effektiver Behandlung könne das Virus unter Kontrolle gebracht werden, betonte WHO-Expertin Maria van Kerkhove. Es werde mit Hochdruck an Impfstoffen und Medikamenten gearbeitet.

Impfstoff gegen das Coronavirus: Regierung in Deutschland nimmt viel Geld in die Hand

Update vom 11.05.2020, 14.40 Uhr: Die Bundesregierung stellt bis zu 750 Millionen Euro für die Entwicklung und Produktion eines Corona-Impfstoffs zur Verfügung. Dies sei „ein bisher einmaliges Sonderprogramm“, sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am Montag in Berlin. Das Programm ergänze die internationalen Anstrengungen Deutschlands bei der Impfstoffentwicklung.

Wie Karliczek sagte, setzt das Programm auf zwei Säulen. Die erste Säule sei die Entwicklung, die zweite die Produktion des Impfstoffs. Es sollten bei der Entwicklung mit Hilfe des Sonderprogramms Studien mit einer größeren Anzahl von Probanden ermöglicht werden, als dies sonst üblich ist. Dies verspreche schnellere Fortschritte.

Impfung gegen Corona: „Wirksamer Impfstoff ist der Schlüssel für die Rückkehr zur Normalität“

So könnten frühzeitig medizinisches Personal oder Menschen aus den Risikogruppen, etwa Ältere oder an Krebs vorerkrankte Menschen, mit einbezogen werden. Die Teilnahme an Studien erfolge ausschließlich auf der Basis von Freiwilligkeit.

Mit der zweiten Säule des Programms solle bereits jetzt vorbereitet werden, dass große Mengen produziert werden können, sobald ein Impfstoff gefunden ist. Dabei gehe es etwa um die Beschaffung von Inhaltsstoffen oder um Verträge mit Dienstleistern, welche den Impfstoff dann abfüllen.

„Ein wirksamer Impfstoff ist der Schlüssel für die Rückkehr zur Normalität“, sagte Karliczek. „Wir dürfen trotzdem keine Wunder erwarten“, warnte sie zugleich. Die Menschen müssten sich auch auf Rückschläge einstellen. „Frühestens Mitte 2021“ stünden Impfstoffe bereit, die im großen Stil eingesetzt werden könnten.

Impfstoff gegen das Coronavirus: Kommt eine Impfpflicht in Deutschland?

Update vom 07.05.2020, 9.15 Uhr: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) glaubt nicht an eine Impfpflicht, sobald es ein Gegenmittel gegen das Coronavirus gibt. „Impfen ist generell eine sehr, sehr sinnvolle Sache. Wenn ein Impfstoff vorliegt - ich werde mich impfen lassen. Ich würde es auch empfehlen“, sagte er am Donnerstag dem ZDF-„Morgenmagazin“. Aus seiner Sicht hätte aber Freiwilligkeit „Vorrang“. Vor allem für Risikogruppen und Pflegepersonal sei eine Impfung sinnvoll.

In Sachen Lockerungen der Corona-Beschränkungen plädiert Söder für Umsicht statt Hektik. Die am Mittwoch in der Bund-Länder-Schalte beschlossenen umfangreichen Lockerungen seien „ein Stück Rückgabe von Verantwortung an den einzelnen“. Bund und Länder hatten am Mittwoch beschlossen, die Kontaktbeschränkungen bis 5. Juni zu verlängern. Allerdings dürfen sich künftig auch Angehörige von zwei Haushalten treffen.

Impfstoff gegen das Coronavirus wird dringend gesucht

Erstmeldung vom 06.05.2020: Frankfurt - Sars-CoV-2 hält die Welt in Atem. Das Coronavirus breitet sich nach wie vor über den ganzen Planeten aus und fordert täglich Menschenleben. Ein Impfstoff gegen Corona könnte das Drama beenden. Doch die fieberhafte Suche nach dem Wundermittel gestaltet sich schwierig. 

Seit dem 22. April sind in Deutschland erste klinische Tests für einen Impfstoff gegen das Coronavirus erlaubt. Das Mainzer Unternehmen Biontech hat einen Impfstoffkandidaten entwickelt. Aber nicht nur in Deutschland wird geforscht. Weltweit sind Firmen auf der Suche nach dem Mittel, das die Corona- Pandemie stoppen könnte.

Noch nie zuvor wurde nach dem Auftreten eines Erregers so viel Geld in die Entwicklung eines Heilmittels gesteckt. Laut WHO sollen weltweit über 80 Firmen an der Entwicklung eines potentiellen Impfstoffs gegen das Coronavirus beteiligt sein. Und fast täglich werden es mehr.

Doch was ist, wenn es tatsächlich gelingen sollte, ein Mittel zu finden? Wird es dann eine Impfpflicht geben? Oder gar eine Zwangsimpfung?

Coronavirus: Impfpflicht in Deutschland - gibt es das?

Rechtsgrundlage für die Impfpflicht ist seit dem Jahr 2001 der Paragraph 20, Absatz 6 und 7 des Infektionsschutzgesetzes, der die Einführung der Impfpflicht über eine einfache Rechtsverordnung vorsieht:

  • „(6) Das Bundesministerium für Gesundheit wird ermächtigt, durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates anzuordnen, dass bedrohte Teile der Bevölkerung an Schutzimpfungen oder anderen Maßnahmen der spezifischen Prophylaxe teilzunehmen haben, wenn eine übertragbare Krankheit mit klinisch schweren Verlaufsformen auftritt und mit ihrer epidemischen Verbreitung zu rechnen ist. Das Grundrecht der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Abs. 2 Satz 1 Grundgesetz) kann insoweit eingeschränkt werden. […]“

  • „(7) Solange das Bundesministerium für Gesundheit von der Ermächtigung nach Absatz 6 keinen Gebrauch macht, sind die Landesregierungen zum Erlass einer Rechtsverordnung nach Absatz 6 ermächtigt. Die Landesregierungen können die Ermächtigung durch Rechtsverordnung auf die obersten Landesgesundheitsbehörden übertragen.“

„Es hat tatsächlich schon eine allgemeine Impfpflicht in einem Gesetz zur Pockenschutzimpfung aus dem Jahr 1874 gegeben“, erklärt Dr. jur. Albrecht Wienke, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Medizinrecht, dem Deutschen Ärzteblatt. „Diese Impfpflicht im Reichsimpfgesetz ist später vom Bundesverwaltungsgericht und vom Bundesgerichtshof als verfassungsgemäß angesehen worden.“ Eine allgemeine Impfpflicht könne daher auch heute aufgrund eines konkreten Anlasses und einer konkreten Gefährdung der Bevölkerung als verfassungsgemäß angesehen werden.

Kommt die Zwangsimpfung in der Corona-Krise?

Die große Koalition hat Spekulationen über eine Impfpflicht gegen das Coronavirus unterdessen bislang zurückgewiesen. „Ein für alle Mal: Eine Corona-Impfpflicht stand nie im Gesetzentwurf, zu keinem Zeitpunkt”, sagte SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas am Dienstag (5.5.2020). „Es wäre auch absurd, eine Impfpflicht im Bundestag zu beschließen, wo es doch bisher überhaupt keinen Impfstoff gibt.“ 

Weltweit wird nach einem Impfstoff gegen das Coronavirus gesucht.

Auch Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte sich gegen eine Impfpflicht ausgesprochen. 

Ein Impfstoff gegen das Corona-Virus: Wann ist es soweit?

Impfungen sind einer Therapie in mancher Hinsicht überlegen. Sie verhindern, im Gegensatz zu einer Therapie, auch die Ausbreitung eines Virus. Doch die Entwicklung eines solchen Schutzes braucht Zeit - auch in der Testung und Produktion. 

Ein frühestmöglicher und schon großflächiger Einsatz der Impfung könnte nach der Aussage von Experten 2021 beginnen – allerdings noch nicht als zugelassener Impfstoff, sondern im Rahmen von großfächigen Studien. Dabei werden mehrere tausend bis zehntausend Probanden geimpft - auch solche, die zur Risikogruppe gehören. Eine frühere Testphase ist theoretisch möglich, bedarf allerdings Sondergenehmigungen.

Solch eine Testphase im großen Rahmen dauert normalerweise ein ganzes Jahr. Festgelegt ist das aber nicht.

Eine Zulassung vor 2022 ist von daher nicht unmöglich, scheint aber im Augenblick wenig realistisch. Allerdings wurden bei Pandemien in der Vergangenheit Impfstoffkandidaten auch noch nie so schnell entdeckt und Mittel entwickelt, wie es derzeit der Fall ist.

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Rubriklistenbild: © picture alliance/RICHARD MORAN PHOTOGRAPY LTD 15/GlaxoSmithKline GmbH & Co. KG/obs

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