Astronomie

Explosion noch in diesem Jahrhundert - Sternensystem wird verschmelzen

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Blick an den Sternenhimmel. Dort oben, im Sternbild Pfeil dürfte in den kommenden Jahrzehnten das Sternensystem V Sge immer heller leuchten - und schließlich explodieren.

Ein bisher unscheinbares Sternensystem im Sternbild Pfeil ist auf bestem Wege, zu verschmelzen. Forscher haben einen nicht allzu fernen Zeitraum dafür berechnet.

  • Das unscheinbare Sternensystem V Sge im Sternbild Pfeil (Sagitta) wird verschmelzen
  • Dieses explosive Ereignis wird sehr hell am Nachthimmel zu sehen sein
  • Forscher erwarten die Verschmelzung und den so genannten Mergerburst für das aktuelle Jahrhundert

Im unscheinbaren Sternbild Pfeil (Sagitta) gibt es einen mindestens genauso unscheinbaren Stern namens V Sagittae (V Sge). Der ist selbst in mittelgroßen Teleskopen nur schwer zu sehen - bisher. Doch das könnte sich in Zukunft ändern, haben Forscher herausgefunden.

Doch von vorne: Beim Stern V Sagittae handelt es sich um ein Sternensystem der Klasse „kataklysmische Veränderliche“ (CV). Das besteht aus einem Weißen Zwerg und einem normalen Stern, der um diesen Weißen Zwerg kreist. Dabei verliert der Stern Masse, die nach und nach auf den weißen Stern fällt. V Sge strahlt dabei allerdings hundert Mal heller als alle anderen bisher bekannten kataklysmischen Veränderlichen, der Stern hat dabei 3,9 Mal mehr Masse als der Weiße Zwerg. „In allen anderen bekannten CVs ist der Weiße Zwerg massiver als der ihn umkreisende normale Stern“, erklärt Bradley E. Schaefer von der Louisiana State University (LSU). „Deshalb ist V Sge absolut einzigartig.“

Sternensystem V Sge im Sternbild Pfeil steht vor dem Ende

Die Lebensdauer dieses einzigartigen Sternensystems ist allerdings gezählt: „Wir haben nun eine starke Vorhersage zur Zukunft von V Sge“, erklärt Schaefer. „In den kommenden Jahrzehnten wird der Stern schnell heller werden“. Um das Jahr 2083 herum werde der Stern seine Masse in „unglaublich hohen Raten“ an den Weißen Zwerg abgeben, in den finalen Tagen dieser „Todes-Spirale“ soll er seine komplette Masse an den Weißen Zwerg verlieren, so Schaefer.

Dann wird der Stern V Sge für kurze Zeit zum hellsten Stern in der Milchstraße werden, haben Forscher um Schaefer berechnet. Er werde dann „so hell wie Sirius, möglicherweise auch so hell wie die Venus“ am Nachthimmel erstrahlen. „Es wird heller sein als die hellste Nova aller Zeiten vor etwa einem Jahrhundert oder Keplers Supernova im Jahr 1604“, erklärt Schaefer. Auch der Riesenstern Beteigeuze im Sternbild Orion könnte in Zukunft explodieren*.

Sternensystem V Sge befindet sich in einer „Todes-Spirale“

Beobachtungstipp

Wer das Sternbild Pfeil am Sternenhimmel selbst suchen möchte, wird zwischen den Sternbildern Adler (Aquila) und Schwan (Cygnus) fündig.

Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, haben sich die Astronomen Schaefer, Juhan Frank und Manos Chatzopoulos, die alle in der Abteilung Physik und Astronomie an der LSU beheimatet sind, alte Himmelsfotos angeschaut, die bis ins Jahr 1890 zurückreichen. Durch Messungen fanden sie nach eigenen Angaben heraus, dass das Sternensystem V Sge im Laufe der Zeit systematisch heller wurde. „V Sge gewinnt exponentiell an Leuchtkraft“, so Frank. Dieser Helligkeitsanstieg könne nur daher kommen, dass die Masse, die der Stern an seinen Gefährten, den Weißen Zwerg, verliert, ebenfalls exponentiell ansteigt.

„Das Schicksal des Sterns V Sge ist besiegelt“, erklärt Schaefer. Die Todes-Spirale des Sterns werde ihren Höhepunkt erreichen, wenn der Großteil des normalen Sterns auf den Weißen Zwerg fällt. Dann werde die Helligkeit des Sternensystems V Sge fast die Helligkeit einer Supernova erreichen, so Schaefer weiter.

Sternensystem V Sge soll noch in diesem Jahrhundert verschmelzen

Dieses explosive Ereignis - den so genannten Mergerburst - wird mehr als einen Monat lang sehr hell am Himmel zu sehen sein, so die Astronomen. Dabei verschmelzen der Weiße Zwerg und sein Begleitstern letztendlich zu einem Stern. Mit dem finalen Verschmelzen der beiden Sterne rechnen die Astronomen rund um das Jahr 2083. „Die Ungenauigkeit beträgt plus minus 16 Jahre“, erklärt Frank. „Das Verschmelzen wird etwa zwischen 2067 und 2099 geschehen, sehr wahrscheinlich etwa in der Mitte dieses Zeitraums“, betont Frank weiter.

Von Tanja Banner

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