Blogger Stefan Niggemeier: Der Beobachter

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Blogger Stefan Niggemeier

Jede Woche stellen wir Seiten, Ideen und Produkte rund um das Internet vor. Doch welche Menschen stehen dahinter? In einer Serie stellen wir einige vor.

Wer hätte gedacht, dass Schlagersängerin Michelle maßgeblich die Karriererichtung des Journalisten Stefan Niggemeier bestimmen hat. Niggemeier, heute einer der wichtigsten Medienkritiker Deutschlands, war schon lange im Printgeschäft tätig, doch wirklich bekannt wurde er einer breiten Öffentlichkeit erst mit dem BILDblog.

Und das kam so: 2001 berichtete Niggemeier aus Kopenhagen über den Eurovision Song Contest, der damals noch Grand Prix d’Eurovision de la Chanson hieß. Die Bundesrepublik wurde von Schlagersängerin Michelle vertreten, ihr angeblich selbst geschriebenes Grand-Prix-Tagebuch täglich in Bild veröffentlicht. „Ich stand eines Morgens neben Michelle, als sie die Zeitung aufschlug und sagte: ‚Das stimmt doch alles gar nicht, was hier steht!‘“, erinnert sich der freie Journalist.

2004 startete er deswegen den BILDblog, eine Seite, auf der täglich Deutschlands größte Boulevardzeitung kritisiert wird. Das mit Preisen wie dem Grimme Online Award ausgezeichnete Internetangebot erfreute sich rasch großer Beliebtheit und galt als „ein steter Stachel“. Im April 2009 wandelte sich die Seite in den „BILDblog für alle“ und kommentierte fortan auch andere Print- und Onlinemedien.

Medienwächter - so lässt sich Niggemeier gern nennen und bildet sich doch nichts darauf ein: „Diese Funktion kann jeder übernehmen.“ Derzeit macht es aber kaum einer so erfolgreich wie der Journalist des Jahres 2007: Einige sehen in dem 40-Jährigen gar einen Nachfolger des Enthüllungsreporters Günter Wallraff, eine Variante im elektronischen Zeitalter.

Bloggen ist für den Single, der einst bei einer Schülerzeitung erste Meriten erworben hatte, längst mehr als ein Job: „Arbeit und Freizeit mischen sich bei mir sehr“, sagt der Wahl-Berliner. „Bloggen hat die Eigenschaft, sich sehr auszuweiten und manchmal den ganzen Tag auszufüllen.“ Ob er wirklich etwas bewegt mit seiner Kritik, lässt sich schwer feststellen. Doch eines schafft er: Aufmerksamkeit zu wecken für Gutes wie Schlechtes im schnellen Tagesgeschäft der Medien.

Von Tatjana Braun

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