HIV und Aids

Aids und HIV: Was Sie zum Welt-Aids-Tag wissen müssen

Aids und HIV sind Begriffe, die bei vielen Angst auslösen. Doch mittlerweile gibt es Medikamente, die die Krankheit unterdrücken - und sogar Prophylaxe.

  • Aids steht für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ - erworbenes Immunschwächesyndrom.
  • HIV steht für den humanen Immundefizienz-Virus, der das menschliche Immunsystem schwächt.
  • 2018 lebten weltweit 37,9 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion.
  • 770.000 Erkrankte starben 2018 durch die Folgen von Aids.
  • Seit mehr als 20 Jahren gibt es wirksame Therapien gegen HIV, zu denen weltweit 61,5 Prozent der Infizierten Zugang haben.

Es gibt wohl kaum Akronyme, die mehr Angst auslösen als die Abkürzungen Aids und HIV. Aids steht für „Acquired Immune Deficiency Syndrome“ („erworbenes Immunschwächesyndrom), HIV für den humanen Immundefizienz-Virus. 1981 wurde Aids als eigenständige Krankheit erkannt, Initiativen und auch die UN versuchen seitdem, die Zahl der HIV-Infektionen einzudämmen. Das gelingt auch - allerdings lässt das Tempo nach, mit dem HIV-Infektionen eingedämmt, Behandlungen erreichbar gemacht und Aids-bedingte Tode verringert werden. Das hat das UN-Programm UNAIDS im Sommer bekanntgegeben.

Im Jahr 2018 lebten 37,9 Millionen Menschen weltweit mit einer HIV-Infektion. 1,7 Millionen Menschen infizierten sich 2018 neu mit HIV und 770.000 Erkrankte starben weltweit durch Aids-bedingte Ursachen. Doch was ist HIV eigentlich und was ist Aids? Ein Überblick:

HIV - ein Virus, das zu Aids führt

Das HI-Virus wurde 1983 entdeckt. Luc Montagnier und Francoise Barré-Sinoussi wurden für diese Entdeckung 2008 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Der Ursprung des HI-Virus liegt beim Affen, das haben Forscher 2005 herausgefunden. Man weiß, dass sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals Menschen mit der Affen-Variante des Virus infiziert haben. Das Virus mutierte in Menschen zu HIV, das Aids auslöst.

Derzeit sind zwei Arten von HI-Viren bekannt: HIV-1 und HIV-2. Die HI-Viren befallen die T-Helferzellen im menschlichen Körper und zerstören sie - so wird der Körper nach und nach wehrlos gegenüber Krankheitserregern, die für ein gesundes Immunsystem kein Problem wären. HIV kann jahrelang unentdeckt bleiben, bis irgendwann Aids ausbricht.

HIV und Aids sind zwei unterschiedliche Dinge

Wer HIV-positiv ist, hat nicht unbedingt Aids. HIV-positiv zu sein, bedeutet erst einmal, dass ein Mensch das HI-Virus in sich trägt und weitergeben kann - aber die Krankheit Aids noch nicht ausgebrochen ist. Erst wenn das HI-Virus das Immunsystem so sehr geschädigt hat, dass es sich nicht mehr gegen Krankheiten wehren kann, spricht man von Aids.

Die Diagnose Aids wird gestellt, wenn zusätzlich zur HIV-Infektion bestimmte so genannte „Aids-definierende Erkrankungen“ festgestellt werden. Dazu zählen beispielsweise Pilzinfektionen, Tuberkulose, bösartige Tumore und auch verschiedene Infektionen.

HIV wird durch Körperflüssigkeiten übertragen

Das HI-Virus wird durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten - Blut, Sperma, Vaginalsekret oder Muttermilch - übertragen und kann durch frische Wunden und Schleimhäute in den Körper gelangen. Die häufigsten Infektionswege sind ungeschützter Geschlechtsverkehr und die Benutzung kontaminierter Spritzen beim Drogenkonsum. Aber auch Bluttransfusionen können theoretisch Infektionswege sein - allerdings werden Blutspenden in Deutschland sehr genau auf HI-Viren überprüft. Ein weiterer Übertragungsweg: Eine HIV-positive Mutter kann ihr Baby während der Geburt oder beim Stillen mit HIV infizieren.

Antiretrovirale Therapie kann Lebenserwartung HIV-Positiver deutlich verlängern

Während die Diagnosen HIV und Aids früher Todesurteilen gleichkamen, gibt es seit mehr als 20 Jahren wirksame Therapien gegen HIV. Die antiretrovirale Therapie beispielsweise hat das Ziel, das Immunsystem wiederherzustellen und den Ausbruch von Aids zu verhindern. Gelingt die Therapie, wird die Anzahl der HI-Viren im Blut unter die Nachweisgrenze gesenkt. Das HI-Virus wird so nicht mehr übertragen, gleichzeitig kann sich das Immunsystem wieder selbst gegen Krankheitserreger zur Wehr setzen.

Bei der antiretroviralen Therapie werden drei Wirkstoffe in einer Tablette eingenommen, die dafür sorgt, dass Menschen mit HIV heute bei rechtzeitiger Behandlung eine fast normale Lebenserwartung haben und leben können wie andere Menschen auch. Heutige Medikamente haben deutlich weniger schwere Nebenwirkungen als noch vor einigen Jahren.

Präexpositionsprophylaxe (PrEP) beugt HIV-Infektion vor

Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) reduziert bei HIV-negativen Personen die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung des HI-Virus. Seit 2016 ist in der EU das Medikament Truvada zur Präexpositionsprophylaxe zugelassen, außerdem gibt es Generika. In Deutschland zahlen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Präexpositionsprophylaxe.

Der Einsatz von PrEP könnte HIV-Neuinfektionen in der Schweiz bis 2030 komplett verschwinden lassen, berichtete die Schweizer „Neue Zürcher Zeitung“ kürzlich. „Das Hauptziel der Präexpositionsprophylaxe ist es, Neuinfektionen zu verhindern“, erklärte Jürgen Rockstroh, Präsident der European Aids Clinical Society, kürzlich im Interview mit fr.de*. „In England ist die Zahl der Neuinfektionen um 50 Prozent zurückgegangen“, so Rockstroh.

PrEP schützt gegen HIV, aber nicht gegen andere sexuell übertragbare Krankheiten

Ein Kritikpunkt an der PrEP ist, dass sie - im Gegensatz beispielsweise zum Kondom - nicht vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten schützt. Trotzdem sieht Rockstroh die Präexpositionsprophylaxe „sehr positiv“. Die Einnahme bedeute, „Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen“. Außerdem sei damit die Auflage verbunden, das Blut regelmäßig auf HIV untersuchen zu lassen. Dadurch seien die Testraten deutlich angestiegen.

Eine Impfung gegen HIV* gibt es nicht - es wird jedoch daran geforscht. Aktuell wird ein Impfstoff in Südafrika getestet, ein Impfstoff, der in Thailand getestet wurde, zeigte zumindest vorübergehend eine Schutzwirkung. „Das Thema Impfstoffe ist längst nicht tot“, sagt Rockstroh dazu.

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HIV-Test: Entweder im Labor oder Schnelltest für zuhause

Es gibt verschiedene Verfahren, mit denen festgestellt werden kann, ob eine Person - oder eine Blutspende - HIV-positiv ist. Mit Hilfe von Suchtests sollen möglichst alle Infizierten erkannt werden - dabei nimmt man in Kauf, dass auch nicht-infizierte Personen positiv getestet werden. Daher kommt dann in vielen Ländern ein Bestätigungstest zum Einsatz: Er soll falsch-positive Diagnosen ausschließen.

Meistens werden HIV-Tests im Labor durchgeführt, es gibt jedoch auch Schnelltests, die nach einer halben Stunde ein Ergebnis anzeigen. Sie werden dort eingesetzt, wo es an Laboren fehlt und wenn schnell ein Ergebnis benötigt wird - beispielsweise wenn es darum geht, ob man sich für eine Postexpositionsprophylaxe entscheidet.

Die Aidshilfe und viele Gesundheitsämter bieten Schnelltests mit Beratung an, seit Oktober 2018 dürfen HIV-Selbsttests in Deutschland frei verkauft werden. Sie sind unter anderem in Apotheken, Drogerien und im Internet erhältlich. Im ersten Jahr wurden 30.000 Selbsttests in Deutschland verkauft, teilte die Deutsche Aidshilfe im September 2019 mit.

Daten und Fakten zu HIV und Aids weltweit

  • Weltweit leben 37,9 Millionen Menschen mit HIV. (Stand: 2018)
  • 1,7 Millionen Kinder unter 15 Jahren weltweit sind HIV-positiv. (Stand: 2018)
  • 61,5 Prozent der Betroffenen weltweit haben Zugang zu den lebensnotwendigen Medikamenten. (Stand: 2018)
  • Seit Anfang der 1980er Jahre bis 2013 haben sich etwa 74,9 Millionen Menschen weltweit mit HIV infiziert.
  • Seit Anfang der 1980er Jahre sind 32 Millionen Menschen weltweit an den Folgen von Aids gestorben.
  • Die meisten HIV-Neuinfektionen gab es im Jahr 1997. Seitdem wurde die Zahl der Neuinfektionen um 40 Prozent reduziert. (Stand: 2018)
  • Seit 2010 ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen bei Kindern um 41 Prozent gesunken. (Stand: 2018)

HIV und Aids in Deutschland - Zahlen und Fakten

In Deutschland leben rund 88.000 Menschen mit HIV. Diese Zahl steigt, da immer weniger Menschen an den Folgen der HIV-Infektion sterben. Rund 71.400 Erkrankte nahmen Ende 2018 HIV-Medikamente - das sind 93 Prozent der Menschen, die von ihrer HIV-Infektion wissen. 2018 haben sich in Deutschland etwa 2.400 Menschen mit HIV infiziert - im europäischen Vergleich eine sehr niedrige und seit mehreren Jahren weitgehend konstante Zahl. Bisher sind in Deutschland etwa 30.000 Personen an den Folgen von Aids gestorben.

Von Tanja Banner

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Arne Dedert/dpa

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