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VW Taigo im Fahrtest: Kann der Trend-SUV sein Versprechen halten?

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Von: Rudolf Bögel

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VW Taigo rot Gelände
Kein Allrad, deshalb ist der neue Trend-SUV Taigo von VW auch nur bedingt geländetauglich. Für den Winter reicht der Frontantrieb. © ULI_SONNTAG / VW

Mit dem Taigo bringt Volkswagen seinen fünften SUV: Einen trendigen Exoten aus Brasilien. Ist er besser als T-Cross oder T-Roc? 

Einer geht noch, einer geht noch rein. Vielleicht hat man bei Volkswagen an diesen alten Trinkspruch des Münchner Oktoberfestes gedacht, als man den VW Taigo ins Programm aufgenommen hat. T wie Taigo. Das ist T wie Tiguan, Touareg, T-Roc und T-Cross und steht bei den Wolfsburgern für die SUV-Linie. Der eine, der noch hereingeht ins Segment, kommt eigentlich aus Brasilien. Nivus heißt der dort und ist schon seit 2020 auf den südamerikanischen Straßen unterwegs. Entworfen wurde er von José Carlos Pavone – aber für den europäischen Geschmack wurde er ein wenig umgestrickt. Diese Aufgabe erledigte Marco Pavone, der Zwillingsbruder des brasilianischen Autodesigners.

VW Taigo Heckklappe geöffnet
Mit umgeklappter Rückbank packt der Taigo bis zu 1281 Liter weg, die hohe Ladekante ist der SUV-Karosserie geschuldet. © ULI_SONNTAG / VW

Länger, flacher und mehr Kofferraum

Vom Design erinnert der Taigo ein wenig an den T-Cross, technisch sind sie beide mit dem VW Polo verwandt. Allerdings übertrifft der Südamerikaner den kleineren Cross um 16 Zentimetern in der Länge und überrundet sogar den T-Roc mit immerhin vier Zentimetern. Ist auch notwendig, denn dem Taigo hat man– wie es derzeit so in Mode ist – eine flachere Coupé-Linie verpasst, die sich hinten zunehmend absenkt. Damit die Leute auf der Rücksitzbank ab einer gewissen Größe trotzdem nicht mit eingezogenen Köpfen sitzen müsse, streckt man so ein Auto halt in die Länge. Was vor allem dann auch dem Kofferraum zugutekommt. 455 Liter passen da rein – das ist mehr als beim Golf (380 Liter) und beim vergleichbaren T-Roc (392). Allerdings hat man eine hohe Ladekante, was das Verstauen ein wenig mühsam macht.

Sie wollen sich zudem über andere neue Fahrzeugmodelle informieren? Hier finden Sie weitere Fahrberichte.

VW Taigo metallic gelb Heck
Flacher als der T-Roc aber länger, dafür fällt die Dachlinie nach hinten ab. SUV-Coupés sind bei den Käufern beliebt. © ULI_SONNTAG / VW

Das Einstiegsmodell kostet 20.000 Euro

Aber zurück zum geradezu überbordenden SUV-Angebot von VW. Mit dem Taigo fährt jetzt schon das dritte Modell auf, das im Kleinwagen-Segment wildert. Quasi hausgemachte Konkurrenz. Was aber bietet der Taigo, was T-Roc und T-Cross nicht haben? Im Grund genommen ist es nur das Design, das frischer und jünger daherkommt. Der T-Roc hat beim Facelift ein wenig an Originalität eingebüßt und der T-Cross ist mehr Biedermann als Brandstifter. Wer also einen trendigen SUV aus dem Hause Volkswagen haben will – der kommt am Taigo nicht vorbei. Zumal er in der Einstiegsvariante mit dem 1,0-Liter-Dreizylinder-Motor (95 PS) nur knapp 20.000 Euro kostet. Ganz abgesehen von der geringen Motorleistung, fehlt natürlich das ein oder andere flotte Anbauteil, das den Charme des Deutsch-Brasilianers ausmacht. Wer hier volle Hütte haben will, der muss zur R-Line greifen. Im Gegenzug greift dann der VW-Konzern ein wenig tiefer in die Taschen der Käufer. Hier geht es ab 29.000 Euro los, mit Vierzylinder und 150 PS liegt man dann schon bei 33.000 Euro. Der vergleichbare T-Roc kostet 36.000 Euro.

VW Taigo Armaturenbrett gründe Einlagen
Bunte Dekoreinlagen machen das Cockpit des Taigo frischer und moderner. Gibt es ab der Ausstattung Style. © ULI_SONNTAG / VW

Allrad und Plug-In-Hybrid – Fehlanzeige!

Dreizylinder oder doch vier Zylinder? Auf diese Frage kann es nur eine Antwort geben. Weniger ist hier auch wirklich nicht mehr, sondern weniger. Da muss man schon ein sehr genügsamer Zeitgenosse sein, wenn man den 1,0 TSI wählt. Mit den 150 PS aus dem Turbo-Benziner ist man hingegen bestens aufgestellt, auch beim Start an der Ampel. Beim Anfahren reagiert der Taigo allerdings eher ungestüm, die Vorderräder drehen leicht durch, wenn man voll aufs Gas geht. Dafür reagiert das Automatikgetriebe in manchen Fahrmodi einen Tick zu lahm. Aber sonst geht der Taigo, der ja auch nur 1.300 Kilo wiegt, ab wie Schmidts Katze, auch wenn die Sprintwerte von 8,3 Sekunden von 0 auf Tempo 100 das gar nicht vermuten lassen. Da sieht man wieder: Gefühlte Power ist so wie gefühlte Temperatur. Häufig mehr. Dass der freche SUV aus Südamerika vom Fahrwerk her eine gute Figur macht, ist für Volkswagen selbstverständlich. Nicht zu weich, nicht zu hart gefedert, direkt und präzise in der Lenkung, herrlich unaufgeregt. Eine Allrad-Variante gibt es leider nicht. VW verzichtet auch auf einen Plug-In-Hybrid, was angesichts der auslaufenden Förderung eine kluge Entscheidung war. Und auch ein reiner Elektro-Taigo wird nicht auf den Straßen zu finden sein.

VW Taigo Heck Detail Leuchtenband
Das durchgehende Lichtband auf dem Heck des Taigo erinnert an die Verwandtschaft aus dem gleichen Haus, an den T-Cross. © ULI_SONNTAG / VW

Und ein bisschen VW-Käfer fährt auch mit

Etwas spektakulärer ist das Innenleben des Taigo. Das Cockpit lässt sich ab der Ausstattungslinie Style mit farbigen Dekoreinlagen zum Beispiel in „Visual green“ modern aufpeppen. Erinnert ein bisschen an die lackierten Blechteile, die es früher im Armaturenbrett zum Beispiel beim VW Käfer gab. Das Lenkrad ist modisch abgeflacht, die Bildschirme fügen sich perfekt in die Armaturenlandschaft ein und man hat jederzeit alle relevanten Informationen zum Fahrbetrieb im Blick. Gut, dass es zumindest auf dem Lenkrad noch echte Tasten zum Beispiel für die Lautstärke gibt, auch im Taigo haben die unpraktischen Slider überall Einzug gehalten, sogar bei der Bedienung der Klimaanlage, was nervig ist.  

VW Taigo Detail Lenkrad
Das abgeflachte Lenkrad sieht einfach gut aus, oben drauf sitzen noch ein paar Knöpfe und Taster, zum Beispiel, um die Laustärke einzustellen. © ULI_SONNTAG / VW

Wer soll denn das Auto kaufen?

Wie so viele Autohersteller will VW an die jungen Leute ran. Das expressive Äußere des Taigo dürfte jedenfalls genau in diese Richtung zielen. Zumindest die höherwertigen Ausstattungen Style und R-Line bieten hier den ein oder anderen Blickfang. Dass der SUV fürs trendige Großstadtpublikum gemacht wurde, sieht man allein schon daran, dass es keinen Allrad-Antrieb gibt. Echte Geländefahrten sind damit ausgeschlossen. Im Winter tut es freilich auch der klassische Vorderradantrieb. Der Taigo zielt auch auf die weibliche Klientel – zumindest haben wir das bei unseren Testrunden an den bewundernden Blicken der Damenwelt ablesen können. Eine wollte sogar gleich eine Probefahrt machen („Das ist aber mal ein schöner VW!“). Wir meinen: Schick ist er schon, der Taigo, wenn man ihn allerdings in seiner vollen Pracht haben will, dann ist er eher teuer.

Technische Daten: VW Taigo R-Line, 1,5 TSI

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