Die nackte Wahrheit

Unverschämt viel Spaß mit der Husqvarna Nuda 900

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is der Asphalt brennt: Die Husqvarna Nuda 900 ist ein phantastischer Kurvenräuber

Die inzwischen vierjährige Beziehung zwischen BMW und Hus­qvarna trägt Früchte: Nuda heißt das jüngste Kind, ein italienisches Bike mit deutschem Herzen.

Der von der F 800 bekannte Motor von BMW wurde überarbeitet und samt Rahmen und Rädern zur neuen Hus­qvarna zusammengebaut, einer Marke, die bislang für exzellente Offroader und kompromisslose Sportgeräte bekannt ist. Jetzt steht das Ergebnis dieser Symbiose vor uns: die Nuda 900 und ihre Schwester 900 R.

paß pur: Tester Volker Pfau ist glücklich

Ziemlich nackig – wie es der Name schon sagt – sieht das Duo aus, klein und eher harmlos. Doch unterschätzen sollte man die Nuda auf gar keinen Fall. Bevor man den Zweizylindermotor zum Leben erweckt, sollte man sich bewusst sein, dass dieses Aggregat ordentlich überarbeitet wurde, so dass es nun 898 ccm Hubraum, 105 PS/77 kW Leistung und ein maximales Drehmoment von 98 Nm hat. Und man sollte wissen, dass die fahrfertige Nuda gerade mal 198 Kilogramm wiegt. Die Prognose, dass da ganz ordentlich die Post abgehen dürfte, liegt nahe.

Also alle Sinne geschärft, tief durchatmen, starten – und ärgern. Die Nuda gibt sich recht zickig und stirbt nach dem ersten Gasstoß gleich wieder ab. Ist aber der Motor auf Betriebstemperatur, reagiert er sofort und sensibel auf die Befehle des Fahrers. Dank eines technischen Kunstgriffs an der Kurbelwelle klingt der Reihenzweizylinder nun wie ein V-Twin, er brabbelt oder brüllt, je nachdem, wie schnell und wie weit man den Gasgriff aufdreht. Um zügig voranzukommen, muss freilich oft geschaltet werden, zudem reagiert der Motor etwas ruppig und unruhig, insbesondere im Schiebebetrieb. Er will halt stets vorwärts stürmen, und die kaum zu bändigende Kraft reicht durchgehend bis über 200 km/h.

Dank der aufrechten Sitzposition und des breiten Lenkers hat man die Nuda sicher im Griff, dank der schmalen und harten, aber nicht unbequemen Sitzbank thront man quasi über dem Vorderrad, was zu Super-Moto-typischer Fahrweise animiert. Die spartanischen Instrumente werden vom Drehzahlmesser dominiert, einziger Luxus im Cockpit ist die Ganganzeige. Anders ausgedrückt: Hier herrscht volle Konzentration aufs Wesentliche. Bevorzugtes Revier der Nackten sind kleine Straßen, auf denen man spielerisch durch die Kurven tanzt, in atemberaubenden Schräglagen den Asphalt poliert und stets darauf achten muss, dass man das Vergnügen nicht übertreibt. Notfalls verzögern die Brem­bo-Stopper bissig, sie bleiben beim Vernichten von Geschwindigkeit aber stets souverän.

Dass man mit einer Husqvarna Nuda am besten nur bei schönem Wetter fährt, stellt man nach einer Regenfahrt schnell fest: Der Fahrer ist am Rücken total eingesaut, die Spritzer reichen bis zum Helm. Das war’s auch schon mit Kritik an der Nackten. Dass der 13-Liter-Tank bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 5,8 Litern recht schnell leergefahren ist, liegt am übermäßigen Spaß, den die Husqvarna bereitet, auf der man der Versuchung zum Gasgeben nur zu gerne nachgibt.

Die nackte Wahrheit nach fast 3000 lustvollen Kilometern auf der Nuda: Sie ist ein rattenscharfes Bike, das wahnsinnig viel Spaß macht. Ob’s dann allerdings die 11.590 Euro teure Nuda R sein muss, die unter anderem mit Öhlins-Federbein, Brembo-Rennsportbremsen und Carbonfaserteilen aufwarten kann und an der alles ein wenig schärfer und intensiver ist – die Gänge kürzer übersetzt, sie ist straffer gefedert und rennt bei 200 km/h abrupt in den Begrenzer –, muss jeder selbst entscheiden. Unserer Meinung nach ist sie nur für ambitionierte Super-Moto-Rennfahrer sinnvoll. Die Nuda 900 für 9.990 Euro bietet schon mehr als genug nackten Wahnsinn.

Volker Pfau

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