Horex lebt!

+
Endlich fährt sie: Geschäftsführer Clemens Neese zeigt, wo und wie die einzelnen Bauteile der Horex VR6 Roadster zusammengesetzt werden.

Nichts. Noch einmal drückt Clemens Neese den Starterknopf, doch mehr als ein hilfloses Gurgeln kann er dem Anlasser nicht entlocken, der Sechszylinder erwacht partout nicht zum Leben.

Es war, als sei die verhinderte Startprozedur beim sogenannten Rollout des ersten Motorrads in der vergangenen Woche in Augsburg symptomatisch für die bisherige Geschichte der Traditionsmarke Horex seit ihrer Wiederbelebung vor drei Jahren. Nach einer kleinen Verschnaufpause für die Batterie und mit etwas Starthilfe lief der VR6-Motor dann doch noch, und der Geschäftsführer konnte die ersehnte Proberunde im Firmenhof drehen.

Horex - der legendären VR6 Roadster

Foto

Lesen Sie mehr:

Kraftprotz mit 200 PS: Horex mit Auferstehung

Geduld, Improvisation und diverse Änderungen waren auch nötig, um das Projekt Horex schließlich zum Laufen zu bringen. „Wir starten ja nicht nur ein neues Produkt, sondern eine ganze Marke“, sagt Neese und räumt ein, vielleicht ein bisschen naiv gewesen zu sein. Gerade die Realisierbarkeit von technischen Entwicklungen sowie die Situation auf dem Zuliefermarkt habe man unterschätzt – mit Letzterem hat sogar Branchenprimus BMW bisweilen seine liebe Not. So muss die ursprünglich angekündigte Kompressorversion noch warten, stattdessen geht Horex erst einmal mit dem Saugmodell VR6 Roadster an den Start, das überdies Ketten- statt Riemenantrieb hat. 2013 soll es dann als weitere Modellvariante eine Classic Edition geben, ein Jahr später eine Sportversion mit Halbschalenverkleidung. 

Der Sechszylindermotor, der 1218 ccm Hubraum hat, eine maximale Leistung von 161 PS (118 kW) und ein maximales Drehmoment von 135 Nm, ist nach dem VRSchema angeordnet, das Horex so einzigartig macht. Das rund 250 Kilogramm schwere Premierenmodell wird 21 700 Euro kosten, ABS ist serienmäßig. Ab April sollen die ersten Exemplare an die rund 70 Vertragshändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgeliefert werden.

Verkaufsziel in diesem Jahr sind 400 Exemplare, 2013 sollen es dann etwa1000 Stück sein. Schnäppchenjäger werden es schwer haben: Es gibt keine Rabatte, keine Schnäppchen im Internet. „Wir verkaufen das Motorrad überall zum selben Preis“, betont Fritz Rombach, Vize- Präsident Sales und Services bei Horex. Das schützt die Marke, den Vertrieb und das Image.

Kraftprotz mit 200 PS: Bilder von der neuen Horex

Kraftprotz mit 200 PS: Bilder von der neuen Horex

Gebaut werden die Motorräder in der Manufaktur in Augsburg- Kriegshaber. „Ein Mann baut ein Motorrad“, erklärt Clemens Neese das Prinzip. An vier Montageplätzen werden die Bikes in der Halle mit der großen Glasfront gefertigt, und jede Horex entsteht erst nach einer verbindlichen Bestellung. „Wenn das Motorrad gebaut ist, dann fährt es zur Tür raus und direkt zum Kunden.“ Die haben offenbar sehnsüchtig auf den Sechszylinder gewartet: Rund 70 verbindliche Bestellungen für die VR6 Roadster kann Fritz Rombach bereits jetzt stolz vermelden.

VOLKER PFAU 

DIE MARKE HOREX

Gegründet wurde die Horex-Fahrzeugbau AG von Fritz Kleemann im Jahr 1923 in Bad Homburg. Der Name setzt sich zusammen aus Homburg und dem Warenzeichen Rex der elterlichen Konservenglasfabrik. Gleich im ersten Jahr wurde ein Motorrad mit einem 248-ccm-Einzylinder gebaut. 1950 wurde das Modell Regina präsentiert, im Jahr darauf die Imperator. 1956 endete die Motorradproduktion, 1960 übernahm Daimler Benz die Werksanlagen, die Namensrechte wurden an Friedel Münch verkauft, danach an diverse weitere Firmen, bis sie 2009 Clemens Neese erwarb. Vor einem Jahr fiel die Entscheidung, die neu entwickelten VR6-Motorräder in einer Manufaktur in Augsburg-Kriegshaber zu bauen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare