Das Auto checkt nun den Fahrer

Arbeitsverweigerung: Haben Volvo- und Saabfahrer getrunken, streikt der Motor ihres Wagens - sofern ein spezielles Testgerät installiert ist.

Ölstand, Reifendruck und Tankfüllung - bislang musste sich vor allem der Fahrer vor dem Start vom verkehrstauglichen Zustand seines Wagens überzeugen.

Doch im Kampf gegen Unfall- und Verletztenzahlen drehen die Autohersteller den Spieß langsam um: Das Auto checkt jetzt den Fahrer. Der Mensch ist die größte Fehlerquelle im Verkehr. Deshalb kommen immer mehr Assistenzsysteme in den Handel, die dem Fahrer auf die Finger schauen: Wer betrunken ist, darf gar nicht erst starten. Wer müde wird, den mahnt die Elektronik zur Pause. Und wer unterwegs ernsthaft erkrankt, den chauffiert der Wagen sicher auf den Standstreifen, während der Bordcomputer schon den Notarzt ruft. Egal ob Alkohol, Müdigkeit oder überhöhte Geschwindigkeit - die meisten Unfälle sind auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen. Deshalb ziehen die Fahrzeughersteller alle Register. So haben etwa Volvo und Saab in Schweden vor allem für Firmenwagen und Flottenfahrzeuge ein System etabliert, das Fahrten bei Trunkenheit vermeiden soll: An einem speziellen Testgerät im Wagen müssen die Fahrer in ein Röhrchen blasen. Ist Alkohol in der Atemluft messbar, startet der Motor nicht. Vorgeschrieben sind solche Systeme zwar nicht, doch gibt es für den Einsatz oft einen Bonus von der Versicherung, heißt es bei Saab.

Aufpasser: Wenn bei Mercedes die Sensoren im Fahrverhalten des Fahrers Veränderungen registrieren, bittet der Müdigkeits-Assistent zu einer Kaffeepause.

Ebenfalls ins Visier der Entwickler gerückt ist der Sekundenschlaf als Ursache für 24 bis 33 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle. Mercedes hat deshalb zum Beispiel in E- und S-Klasse einen sogenannten „Attention Assist“ eingebaut, der die Aufmerksamkeit des Fahrers unter anderem anhand der Lenkbewegungen misst. Wer häufiger kurz, heftig und unvermittelt nachregelt, so ihre Erfahrung, dem könnten bald die Augen zufallen. Damit er vorher noch einen Parkplatz ansteuern kann, zeigt ihm die Elektronik eine Kaffeetasse im Kombiinstrument. Dasselbe Symbol sieht man auch im Cockpit von Volvo-Modellen wie dem neuen S60, dem Flaggschiff S80 und dem Kombi V70. Allerdings setzen die Schweden dabei - ganz ähnlich übrigens wie Lexus - neben Sensoren zusätzlich auf Kameras. Sie überwachen die Blickrichtung des Fahrers, seine Kopfhaltung und Aufmerksamkeit. Auch die alternde Gesellschaft haben die Autoentwickler im Blick: Neue Technik soll altersbedingten Gesundheitsrisiken Rechnung tragen. So arbeitet zum Beispiel BMW gemeinsam mit Siemens und der Berliner Charité an einem Assistenzsystem für medizinische Notfälle.

Dieser Nothalte-Assistent überwacht mit verschiedenen Sensoren den Gesundheitszustand des Fahrers. Erkennt die Elektronik einen Schwächeanfall, startet das Auto automatisch einen Notfallmodus: Der Wagen verzögert, wechselt kontrolliert die Spuren, aktiviert die Warnblinker und kommt am rechten Fahrbahnrand sicher zum Stehen. Dort überlassen die Bayern den Fahrer allerdings nicht seinem Schicksal. Noch bevor der Wagen steht, setzt der Telematikdienst ConnectedDrive einen Notruf ab.

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