Wulff sprach auch bei Springer-Chef Döpfner vor

Berlin - Bundespräsident Christian Wulff hat sich nicht nur bei der Chefredaktion der “Bild“-Zeitung, sondern auch bei der Leitung des Springer-Verlags um einen Stopp der Berichterstattung über seinen Privatkredit bemüht.

Wulff habe neben dem Chefredakteur der “Bild“-Zeitung, Kai Diekmann, auch beim Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG, Mathias Döpfner, interveniert, sagte ein Sprecher des Konzerns am Montag der Nachrichtenagentur dapd.

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Er bestätigte damit einen Bericht von “Spiegel Online“. Wulff bat Döpfner demnach, bei Diekmann Einfluss zu nehmen, damit ein Artikel über den Kredit nicht erscheine. Doch der Konzernchef, in dessen Haus die “Bild“ erscheint, habe ihm in knapper Form beschieden, sich nicht in die Belange der Redaktion einmischen zu wollen. Wulff steht seit Wochen wegen des Privatkredits in der Kritik. Die “Bild“-Zeitung hatte als erstes Blatt darüber berichtet.

“Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut“

Vom Bundespräsidialamt kam am Montag nur eine knappe Mitteilung zu dem Vorfall. “Die Presse- und Rundfunkfreiheit ist für den Bundespräsidenten ein hohes Gut“, hieß es darin. Wulff habe deshalb zu den Krediten für sein Eigenheim und zu Urlaubsaufenthalten “Transparenz hergestellt, Erklärungen abgegeben“ und mehrere Hundert Medienanfragen beantwortet. “Über Vieraugengespräche und Telefonate gibt der Bundespräsident aber grundsätzlich keine Auskunft.“

Die Parteien und Fraktionen hielten sich mit Stellungnahmen zu dem Vorfall demonstrativ zurück. Einzelnen Politikern geht die jüngst bekanntgewordene Aktion aber zu weit. Der FDP-Parlamentarier Erwin Lotter, der sich bereits im Dezember mit einer schnellen Rücktrittsforderung hervorgetan hatte, hält Wulff endgültig für untragbar. “Der Präsident muss Schloss Bellevue räumen und als Privatmann ohne lebenslange Staatsapanage in sein Einfamilienhaus zurückkehren“, sagte Lotter. “Ich schäme mich, ihm meine Stimme gegeben zu haben.“

Auch in der SPD, die bislang auf allzu harte Schelte verzichtet hatte, wachsen die Zweifel an Wulff. Die SPD-Bundestagsfraktion forderte eine “persönliche Erklärung“ zu dem umstrittenen Anruf bei Diekmann. Es wäre “unwürdig“, wenn der Bundespräsident tatsächlich auf diese Art versucht haben sollte, kritische Berichterstattung zu unterbinden, sagte Fraktionsvize Hubertus Heil. Der Generalsekretär der rheinland-pfälzischen SPD, Alexander Schweitzer, sagte an die Adresse von Wulff, entweder er befreie das Land von “dieser peinlichen Debatte“, oder “er zieht zurück in sein Einfamilienhaus“.

Die Bundesgeschäftsführerin der Grünen, Steffi Lemke, beklagte: “Das ist alles nicht schön, und es beschädigt ihn als Person und das Amt.“

Kritik kam auch vom Deutschen Journalistenverband. “Prominente müssen sich kritische Berichterstattung als Teil der Meinungsfreiheit gefallen lassen“, sagte der Vorsitzende Michael Konken. “Das müsste niemand besser wissen als der erste Mann im Staat.“ Der Deutsche Presserat bezeichnete Wulffs Vorgehen als bedenklich. Geschäftsführer Lutz Tillmanns sagte dem Hörfunksender MDR Info, auch Wulff müsse sich eine kritische Berichterstattung über seine Person gefallen lassen.

dapd

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