Bundespräsident Wulffs erster Besuch in Bayern

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Bundespräsident Christian Wulff hat mit dem Gebirgsschützen-Kommandanten einen Schnaps getrunken.

München/Bamberg - Bundespräsident Christian Wulff (CDU) hat bei seinem Antrittsbesuch in Bayern eine offenere Haltung zu Einwanderern angemahnt - und musste sich leichten Spott gefallen lassen.

“Wir brauchen Zuwanderung“, sagte Wulff am Dienstag bei seiner Rede im Landtag. Er warnte angesichts des drohenden Bevölkerungsschwunds in Deutschland vor einem “Riesenmangel“ an Arbeitskräften, wenn nicht gegengesteuert werde. Neben der Qualifikation von Arbeitslosen und Älteren nannte Wulff ausdrücklich auch Einwanderer: “Wir brauchen Migranten.“ Und ganz allgemein appellierte Wulff an die Abgeordneten: “Lassen Sie uns ein wenig weltoffener werden.“

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Wulff bescheinigte der CSU/FDP-Staatsregierung zwar, Bayern sei ein stolzes und selbstbewusstes Land, fügte aber hinzu: “Bayern ist auf dem richtigen Weg, muss aber wie alle anderen auch besser werden.“ Als Beispiel nannte Wulff die Bildungschancen, die im Freistaat stärker vom sozialen Status der Eltern abhängen als in vielen anderen Ländern. Das sei “nicht zu akzeptieren“, sagte Wulff. Für seine Sätze zu Einwanderern und Bildung erntete der frühere CDU-Ministerpräsident mehrfach Beifall der Opposition, während in den Reihen der CSU verhalten oder gar nicht geklatscht wurde. Zu Beginn seines Antrittsbesuchs in Bayern musste Wulff dafür leichten Spott über sich ergehen lassen.

Bayern sei das “Bundesland mit der ältesten, stolzesten und erfolgreichsten Geschichte“, sagte Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bei der offiziellen Begrüßung des Niedersachsen in der Münchner Residenz. “Die Bayern sind ein friedfertiges und bescheidenes Volk, das seine Interessen zu vertreten weiß“, scherzte Seehofer über die lange Historie der Auseinandersetzungen zwischen Bayern, Bund und anderen Ländern.

Wulff bescheinigte anschließend seinen Gastgebern ein “gesundes Selbstbewusstsein“. Wenn man durch die Münchner Prachtstraßen fahre und die alten Institutionen des Freistaats sehe, “wird man ein bisschen demütig“, gestand Wulff später bei Landtagsrede ein.

Seehofer hatte Wulff und seine Frau Bettina vorher am Münchner Flughafen abgeholt. Vor der Residenz marschierten eine Kompanie Gebirgsschützen und Trachtenvereine aus ganz Bayern auf, um Wulff zu begrüßen. Für die Trachtler war der Wulff-Besuch Routine: “Wir waren schon bei Gorbatschow, beim Papst, und bei der Stoiber-Verabschiedung“, sagte der Allgäuer Walter Sirch.

Wulff hatte vor der Landtags-Rede bereits andere Herausforderungen zu bestehen. Bei kaltem Wetter blieben nur wenige Dutzend Münchner und Touristen stehen, die sich für den Bundespräsidenten interessierten. “Es ist kalt, darf ich Ihnen ein Schnapserl anbieten?“, fragte der Kommandant der Gebirgsschützen den Bundespräsidenten, Seehofer und die Ehefrauen, die das Angebot annahmen. Nach den donnernden Salutschüssen ging es ins Antiquarium der Residenz, wo Seehofer seine Begrüßungsansprache hielt.

Es war zwar Wulffs offizielle Antrittsvisite in Bayern, aber keineswegs sein erster Besuch im Freistaat seit seinem Amtsantritt vor knapp acht Monaten. Im Oktober hatte Wulff die Bundeswehr in Hammelburg besucht. Ungeachtet der von Seehofer hervorgehobenen großen Bedeutung Bayerns hat Wulff in den vergangenen Monaten viele andere Bundesländer vorher besucht, darunter Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz.

Am Nachmittag wollte Wulff mit dem Hubschrauber nach Bamberg weiterfliegen. Dort stand unter anderem ein Besuch bei einem Basketball-Projekt und Gespräch mit ehrenamtlich engagierten Bürgern auf dem Programm.

dpa

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