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Putins „Lüge“ entlarvt: Wie es wirklich um die russische Wirtschaft steht

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Von: Tobias Utz

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Der Druck auf Kreml-Chef Wladimir Putin wächst. Die russische Wirtschaft leidet unter den Sanktionen des Westens. 

Moskau – Seitdem die internationale Gemeinschaft, vornehmlich die USA und die EU, Sanktionen gegen Russland als Reaktion auf die Invasion in der Ukraine erlassen haben, bemüht sich Wladimir Putin um die innenpolitische Deutungshoheit. Der Westen schade sich in erster Linie selbst am meisten. Russland werde besser durch die Krise kommen als andere, betonte Putin bereits mehrfach.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Yale haben nun untersucht, wie es tatsächlich um die russische Wirtschaft im Zuge der Sanktionen steht. Das Ergebnis sei „verheerend“, wie es die Forschenden in ihrer Studie ausdrückten. „Die Annahme, die russische Wirtschaft sei besonders widerstandsfähig, ist schlicht eine Lüge“, erklärten sie im Fachmagazin Social Science Research Network.

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Grundlage der Studie an der Universität Yale waren Daten, die selbstständig zusammengetragen wurden. Den Zahlen aus Moskau könne man nicht trauen, betonten die Forscherinnen und Forscher. Unter anderem untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, wie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und internationale Handelspartner Russlands die wirtschaftliche Lage einschätzten. Zudem wurden Daten zum Pro-Kopf-Konsum ausgewertet.

Wladimir Putin
Eine Studie zur russischen Wirtschaft entlarvt Wladimir Putins „Lüge“. © Mikhail Klimentyev / Kremlin Pool / Imago Images

Mehr als 1000 ausländische Unternehmen sind demnach bereits aus Russland abgewandert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) hat seit Beginn der Sanktionen um mehr als 40 Prozent gelitten. Zwei Faktoren spielen laut Einschätzung der Forschenden dabei eine zentrale Rolle: Einerseits sei die Produktion „zum Stillstand gekommen“ und andererseits hätte man aktuell nicht die Kapazitäten „verlorene Firmen, Produkte und Talente“ zu ersetzen. Sowohl das Import- als auch das Exportgeschäft leiden unter den Sanktionen.

Putin reagiere derzeit mit staatlichen Subventionierungen auf das wirtschaftliche Chaos, erklärten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Studie. Das reiße ein enormes Loch in den russischen Staatshaushalt. „Um die Finanzen des Kreml steht es sehr viel schlechter als bislang angenommen.“

Dass die Sanktionen des Westens in Russland ihre Wirkung entfalten, bestätigten kürzlich auch Daten der Europäische Kommission: Die Behörde in Brüssel bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass insbesondere das Exportgeschäft massiv eingedämmt werden konnte. Milliardenschwere Reserven der russischen Zentralbank seien zudem eingefroren worden. „Die verfügbaren Daten zeigen ganz klar, dass die Sanktionen wirken“, sagte ein ranghoher EU-Beamter, der nicht namentlich genannt werden wollte.

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Die EU-Kommission erklärte weiter, dass sich Russland nun zu einer Selbstversorgungswirtschaft entwickeln müsse. Putin sei zu dieser Veränderung durch die Sanktionen gezwungen worden. Dabei dürften demnach vor allem der fehlende Zugang zu ausländischen Technologien und wachsende Schwierigkeiten in den Lieferketten den russischen Staat vor Herausforderungen stellen, betonte die Behörde in Brüssel. (tu)

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