Webgemeinde will Gauck zum Präsidenten machen

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In einem Video auf Youtube bedankt sich Joachim Gauck für das Engagement der Internet-User.

Berlin - Zumindest im Internet darf sich Joachim Gauck präsidial fühlen. Hier fliegen ihm die Herzen von Zigtausenden zu. Von Politikverdrossenheit ist im Netz keine Spur.

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Seine Fans basteln Buttons für ihn, drucken T-Shirts und planen Demonstrationen. “Nehmen wir den Wind des Wechsels in unsere Segel und tragen wir Joachim Gauck damit ins Präsidialamt“, schreibt ein Mitglied der Facebook-Gruppe “Joachim Gauck als Bundespräsident“. Die kommt bereits auf 28.000 Mitglieder, obwohl sie gerade mal eine gute Woche online ist - Tendenz stark steigend.

Die lustigsten Gruppen auf Facebook

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Der Kandidat selbst zeigt sich überrascht. “Das ist ja unglaublich, das ist ja fantastisch“, bekennt er in einem YouTube-Video. “Ich bin 70 und nicht oft im Internet unterwegs. Aber jeden Tag bekomme ich Anrufe von meinen Kindern und Enkelkindern, und die erzählen mir, was da abgeht.“ 

Ins Leben gerufen hat die Seite ausgerechnet ein FDP-Mitglied, der Hamburger Christoph Giesa. “Er ist überparteilich, und die Leute wollen eine Richtungsvorgabe in diesen unsicheren Zeiten“, sagt er. Als Intellektueller stehe Gauck “generationsübergreifend“ für Freiheit und Verantwortung. Auch “mehrere Hundert“ FDP-Mitglieder seien darunter. “Jedem Liberalen wird es extrem schwer fallen, in so einer Konstellation für Wulff zu stimmen“, sagt er mit Blick auf die Wahl der Bundesversammlung am 30. Juni und den Kandidaten der Koalition, den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff.

Schon bald könnte die Graswurzelbewegung vom Bildschirm auf die Straße wechseln. Auf der Facebook-Seite werden schon Pläne für Demonstrationen “pro Gauck“ in 25 Städten geschmiedet. Am symbolträchtigen 17. Juni - dem Tag des Volksaufstandes in der DDR - soll es einen Aktionstag geben. “Viele überlegen, wie unser Anliegen außerhalb des Netzes, im 'richtigen' Leben auch sichtbar werden kann“, heißt es auch auf go-for-gauck.de. Und von einer Telefonkonferenz für eine deutschlandweite Koordination berichtet demos-fuer-gauck.de.

Geärgert haben sich die “GAUCKler“ vor allem über “parteitaktische Überlegungen“, die bei der Nominierung von Wulff durch Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) als Kandidaten eine Rolle gespielt hätten. “Ich finde das Prozedere denkbar falsch“, sagt Nico Lumma, der wir-fuer-gauck.de ins Netz gestellt hat. Über 7.700 Nutzer unterstützen ihn inzwischen.

Der große Facebook-Knigge

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Im Internet spreche sich kaum jemand für Wulff aus. Tatsächlich weist sein Facebook-Profil gerade einmal etwa 1.700 Fans aus. “Gauck hingegen ist kritisch genug, um neue Impulse zu geben“, glaubt Lumma. Er rechnet zudem damit, dass sich durch solche Aktionen das Netz insgesamt politisiert. Aber ob es auch für eine Überraschung bei der Bundespräsidentenwahl reichen wird? “Ich rechne damit, dass es etliche Wechsler geben wird“, sagt Lumma. “Aber ob das ausreicht, weiß ich nicht.“

apn

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